Dachboden einer Werkstatt in Unna

Unerwartete Schönheit

Die Nachricht über einen neuen Krieg in Europa ist wie ein Steinschlag, während der alte Krieg im Nahen Osten ungehindert weiterwütet.

Flüchtende, die nach Süden ziehen, stehen bei der vereinigten Welt niedriger im Kurs als die, die sich nach Norden wenden. Söldner aus dem Westen sind zunächst weniger gefährlich als die aus orientalischen Ländern. Heimlich über die Grenzen eingesickerte Kämpfer sind blutrünstiger als die, die mit Flugzeugen kommen. Beide jedoch lassen den Dollarkurs steigen und erschöpfen den Gemüsemarkt.

(https://weiterschreiben.jetzt/texte/rabab-haidar-kriegsbericht/ (2017)  

 

Verschmutzte Ozeane, ölverschmierte Möwen und an Sixpack-Ringen aus Plastik erstickende Schildkröten sind die einfachste Darstellung menschengemachter Katastrophen auf diesem Planeten – der Wechsel von Plastiktüten zu Tüten aus Papier scheint wenig zu bringen –, unsere bewusste Entscheidung für Avocado-Dressings als natürliche, vegane Alternative hat zu einem Avocado-Kartell geführt, wo parallel zu den Drogen-Kartellen in Mexiko Geld in falschen Kreisen zirkuliert.

Heutzutage ergeben Verschwörungstheorien mehr Sinn als Artikel mit politischen Analysen in findigen Zeitungen und Wirtschaftsmagazinen. Dass Aliens über die NASA Kontakt aufnehmen wollen, klingt nach einer vielversprechenden Nachricht, während die Theorie einer Weltherrschaft „dominanter, böser reptilischer Blutlinien“ eine Art ist, Korruption zu sehen.

Komm“, sagt ein Freund einladend, „das ist eine berühmte, alte Bar, die im Laufe der Zeit schon so einiges gesehen hat. Da gehen viele Künstler hin. Komm! Es ist schön da.“

Ich packe die Schwermut in eine kleine Tasche, doch sie rempelt mich weiterhin an, während ich versuche, in der eleganten und gemütlichen Bar eine Unterhaltung zu führen.

Unna“, schlägt mein Freund vor, „das ist ein nettes Städtchen für einen Ausflug.“

Der Kellner lauscht unserer Unterhaltung mit halbem Ohr und stimmt zu.

Also fahre ich nach Unna.

…..

Bei der Kirche, die sich in der westdeutschen Stadt natürlich mitten auf dem Hauptplatz breitmacht – oder hat sich eher der Rest der Stadt um die Kirche herum versammelt? –, beginnt die Hauptstraße von Unna, wo alte Häuser stolz die vergangene Zeit zeigen, während sie weiterbestehen, bescheidene, schöne, lebendige, braun-weiße Fachwerkhäuser.

Hinter einer Ecke verbirgt sich ein Garten, wie direkt auf einen etwas erhöhten Gehsteig gepflanzt, zu dem man über drei Stufen gelangt, mit bunten Stühlen und interessanten Tischen unter großen Bäumen, in denen Windspiele hängen, zarte und präzise, glasartige Melodien; „probier mal“, sagen die Glocken, also gehe ich die drei Stufen hinauf, ein altbekannter Trick der menschengemachten, aerodynamischen kinetischen Kunst!

Zwischen den Stühlen steht ein knallrosa Tisch mit einer alten Schreibmaschine und einem handgeschriebenen Schild neben einer Vogeltränke, an einer Mauer dahinter hängen alte Kompasse, recycelte Kunst, ein paar alte Vasen mit spielerischen, beinahe kindlichen Mustern, ein oranger Krug mit weit aufgerissenen Augen bemalt, er starrt uns an und wir starren zurück. Wer hat behauptet, Kunst sollte ungefährlich sein?

Die Zeit steht still und das kinetische Element tut, was es am besten kann: täuscht Bewegung vor und manipuliert Raum und Zeit – besondere Merkmale der kinetischen Kunst. „Wie schön!“, sagen wir ehrfürchtig.

Beim Verlassen des wundersamen Kleiderschranks/Gartens fehlt ein Schild, um uns zu sagen, ob der Weg nach links oder rechts weitergeht, ein kleiner Durchgang zwischen zwei Gebäuden führt aber in einen kleinen Hintergarten oder vielleicht auch eine Hintergasse.

Die Hintergasse ist eine alte Hauptstraße mit Häusern aus Holz und Lehm, leise klingt Jazz aus einer offenen Tür, fordert uns auf einzutreten, so wie der Garten uns vorhin mit Farben und Glockenklängen eingeladen hat, heißen uns der Jazz und die offene Tür jetzt willkommen. Drinnen wird die Musik deutlicher, in einem kleinen Eingangsbereich hängen ein paar Bilder ohne Rahmen und eine Treppe mit rotem Handlauf führt zu einem Dachboden.

Oben auf der Treppe stehen Alice-im-Wunderland-Taschenuhren gefangen in einer klaren Flüssigkeit in Einmachgläsern auf einem langen Holzregal. Daneben befindet sich eine riesige Glühbirne befüllt mit einer dunkelblauen, meerartigen Flüssigkeit, auf die zwei winzige Taucher versuchen hinaufzuklettern.

Das befriedigende Gefühl, wenn man bereitwillig aus der Realität gerissen wird. „Wie schön“, sagen wir staunend.

Gegenüber von dem Glühbirnen-Meer steht ein Mini-Fahrrad mit einem Mini-Radler, der auf einer hölzernen Wolke schwebt, hinter uns an der Wand hängt ein Bild von einer Metallspirale, vor uns tickt eine Uhr und bewegt darin gefangene Mini-Leute, die immer wieder dieselbe Geste wiederholen.

Man fühlt die Botschaft, bevor man sie versteht. Kinetische Illusion, Ästhetik der Zeit!

Wer hat gesagt, kinetische Kunst wäre unschuldig? Es ist das Recyceln von Materialien und Produkten, nachdem Menschen und Zeit sie konsumiert haben, es ist die Wiederbelebung des Konsumierten, wer hat gesagt, Wiederbelebung wäre ein geschmeidiger Vorgang?

 

Outside, back in the old streets of Old Unna, where houses of dark timber and white clay stand straight, while time has folded back. high on a corner of two buildings hangs a statue of the last night’s guard of Unna, with a spear in one hand and a lantern on the other; a blast from 500 years ago.

As sustainability and recycling! Rethinking the problems we humans can shamelessly create, then the beautiful street art of Unna, sustainability and recreation, the Nowodworskis art house, the old brewery that becomes a part of an exhibition of light, light, is it possible the solution relies on individual endeavours? May individuals manage to be the change?

Can we?

Can Man carry the planet with one hand?