A45 Stories
Veröffentlicht von am 25.04.2020 0:01 Schreibe einen Kommentar

THE READER IS PRESENT

Lasst uns anfangen mit diesem schönen Text, von einer jungen Frau zur Mitternacht:

Um Mitternacht mit dem Schützenzug zum Markplatz marschieren und dann dieser eine Moment, wenn der Zug in der Schützenstraße am „Kump“ anhält. Diese ganze Masse an Schützen und Feiernden bleibt stehen und es kehrt völlige Stille ein.

Der Spielmannszug spielt dieses wunderbare Stück (Gebet an die Liebe oder so ähnlich) und im letzten Takt jubeln wir alle und die Schützen schmeißen ihre Kappen in die Luft.
Das ist Glückskribbeln pur, mehr Heimatgefühl geht nicht. Das passende Video dazu gibt es hier!

Jemand schreibt von der Vorstellung, Sauerland und Südwestfalen wären eines und von dem sauren Geschmack auf der Zunge als Kind, wenn es dorthin in die Ferien ging.

Eine Frau erzählt von ihrer Wanderung  Auf der Autobahn:

Mit dem Bau A45 von Dortmund über Siegen, Wetzlar nach Aschaffenburg wurde in den 1960er Jahre begonnen.

Das Teilstück Dortmund – Gießen wurde im Jahr 1971 dem Verkehr übergeben.

Wir wohnten damals in Olpe, nicht allzu weit entfernt von der Autobahn. Im Juli 1971 wurde mein erstes Kind geboren.

Nachdem ich die Klinik verlassen hatte, sind wir am Sonntagnachmittag mit dem Kinderwagen Richtung Autobahn

spaziert, und haben uns, wie viele andere Menschen auch, auf der Autobahn amüsiert.

Kurze Zeit später war dann die offizielle Eröffnung der Autobahn.

Immer wieder, wenn ich über die A45 fahre, kommt mir dieser Sonntagnachmittag in den Sinn.

 

Ein Anderer schreibt über seine Eindrücke zu Südwestfalen: Was wird aus Kulturen bitterster Armut und strikter Egalität unter der Knute des strafenden Gottes und des in seiner Wolke strafenden Wetters? Vornehm tun und Vornehmheit sind zu verachten. Aber auch die kirchliche Autorität zersplittert nach charismatischer und meritokratischer Maßgabe, vor allem lokalisiert sie sich. In Tälern, in Nischen, in Zerklüftungen.  Man blickt aus dem Tal in die Welt, aber erst einmal nicht sehr weit. Auf der Schwäbischen Alb, im Siegerland, in der deutschsprachigen Schweiz. Wenn jetzt der Reichtum ausbricht, wie zeigt er sich dann? Zuerst einmal muss alles sehr solide sein, und unaufdringlich, und effizient. Das hilft auch der Industrie. Dann kommt lange Zeit gar nichts, denn daß die Welt betrogen werden will, ist kein guter Gedanke für das gläubige Gemüt. Und schon ein Blick ins Rheinland gibt einem den Eindruck, daß das alles sehr unsolide und unehrlich ist. Der Widerstand gegen Mode und gegen das Fluktuierende der Kultur ist deswegen so unermesslich, weil er sich auf der besten Seite der Bürgerlichkeit weiß: der Trennung von Zweckrationalität und Wertrationalität. Für das eine ist nur der Glaube zuständig, für das andere bleibt alles andere. Beide Kriterien setzen auf Beharrlichkeit: die Beharrlichkeit des Glaubens, und die Beharrlichkeit der Effizienz. Hartnäckigkeit bleibt selbst eine hartnäckige Eigenschaft. Eine westfälische. Für die Ästhetik blieb zu wenig Lücke, denn das Banausentum ist immer entschuldigt: vormals durch Armut, danach durch Bürgerlichkeit, und gegenseitig bestärkt im Fehlen von Neugier. Die Fremdheit ist noch ganz traditionell: Wenn man vom einen Tal ins nächste wechselt, ist man zugewandert und bekommt das das ganze Leben lang zu spüren.

Und weiter geht es, schreibt mir…

 

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