Feuerwerk oder Dauerbrenner? Teil 1
Veröffentlicht von am 25.10.2015 14:43

Was an Feuerwerken verzaubert, ist deren Vergänglichkeit. Kaum ist der Glitzerregen am Himmel, verpufft er auch schon im schwarzen Nichts. Es ist kein Wunder, dass Feuerwerke früher am Hof der Repräsentation dienten. Konnte man doch herrlich für Gesprächsstoff von etwas sorgen, das nur kurzzeitig und limitiert zugänglich war. Im Falle der Bundes- und Landesgartenschauen handelt es sich in meinen Augen auch um ein Feuerwerk. Nah an der höfischen Kultur sind diese konzeptionell auch. Denn ohne ständische Vorreiter der Landschaftsarchitektur – wie etwa dem preußischen Fürsten von Pückler-Muskau, der uns eher aus dem Gefrierfach bekannt ist, der aber als Genie der Ausformung von Landschaftsgärten denkwürdige grüne Oasen geschaffen hat – wäre das Gartenschauformat undenkbar. Nun war der Adel eher für das Klotzen anstatt des Kleckerns bekannt und die Repräsentation heiligte grundsätzlich alle Mittel. Im Falle von Fürst Pückler traf ebenso letzteres zu, ihn trieb jedoch nicht die Repräsentation, sondern der Wunsch, das ideale Landschaftsbild zu erschaffen, an. Nachdem er sein Vermögen dafür verbraucht hatte, paktierte er mit seiner Frau. Sie ließen sich scheiden, damit Pückler England auf der Suche nach einer wohlhabenden Frau bereisen konnte, die ihm durch die Hochzeit dazu verhelfen würde, die Pläne seines Landschaftsparks zu verwirklichen. Der Fürst unterschied übrigens streng zwischen Garten und Park, deswegen wäre ihm ein Gartenschaupark wahrscheinlich äußerst suspekt. Wie dem auch sei, heute sind derlei leidenschaftliche Feuerwerke im öffentlichen Raum eher in der Kritik und der Gedanke des nachhaltigen Wirtschaftens hat sich in einer jungen, vernunftorientierten Gesellschaft kompromisslos entwickelt. Das wirft mehrere Fragen auf: Die erste und augenscheinliche: Wie nachhaltig waren die Landesgartenschauen in Zülpich (2014) und Jülich (1998)? Und die zweite, etwas weniger offensichtliche: Kann man ohne Pomp und Ausschweifungen à la Pückler Parks von Dauer schaffen?

Historisch eingemauerte Beete treffen auf Wassersportspaß

Als ich an einem Spätsommertag, der anfangs etwas wolkenverhangen war, vor dem großen Haupteingang des Gartenschauparks Zülpich stehe, muss ich ein wenig schmunzeln. Mit Flaggen und auf acht Sprachen wird man willkommen geheißen und steht dann einsam und verlassen vor dem riesigen Eingangsbereich. Der große, verwaiste Parkplatz lässt erahnen, wie viel hier im letzten Jahr los gewesen ist. Zugegeben, es ist ein Wochentag am Ende des Sommers. Deswegen habe ich keine Besucherströme erwartet, aber dass ich während meines Aufenthalts weitere Besucher an zwei Händen abzählen kann, das hatte ich dann auch nicht vermutet. Beim Lösen der Eintrittskarte werde ich freundlich von einer Dame unterstützt. Kurz denke ich, aus welchem Grund ich wohl wie ein hilfloser Senior behandelt werde, dem man beim Abzählen des Geldes zur Hand gehen muss, aber dann füge ich mich in die skurrile Situation und sage mir, so fühlt sich dann das Alter an. Die Hilfsbereitschaft der Kassenfrau ist entweder Gewohnheit aufgrund der Zielgruppe des Parks oder der Aktionismus desjenigen, der weiß, er wird den Rest des Tages nicht viel mehr zu tun haben, denke ich. Also, lieber etwas Unnötiges tun als stundenlang herumzusitzen. Mit Hilfe komme ich also auf das Gelände und lasse mich bei der Gelegenheit auch gleich mit Hintergrundinformationen versorgen. Es zieht mich zu allererst zum Strand. Strand in Zülpich? Na klar, es gibt hier sogar Strandkörbe, die auf dem weißen, feinkörnigen Strandabschnitt stehen, der unten am Wassersportsee für die Landesgartenschau angelegt wurde. Auch ein Anlegesteg, auf dessen Größe nahezu die gesamte Bodensee-Hobbyschifffahrt neidisch sein dürfte, findet sich zwischen den beiden Holzgebäuden des Seebads und hinter der ehemaligen Seebühne. Hier unten im Strandkorb mit dem Blick auf den Wassersportsee, auf dem zwei Windsurfer im Zickzackkurs über das Wasser gleiten, kommt man sich vor wie auf Borkum oder an der Ostsee. Ich kann mir gut vorstellen, dass hier an heißen Sommertagen viel los ist und das neue Seebad mit dem Wasserspielplatz für Kinder auch in Zukunft gut besucht sein wird.

Das Foto zeigt einen See mit Gehweg