Im Ostviertel sind sich drei einig
Veröffentlicht von am 20.09.2015 13:48

Mir wurde gesagt, dass im Aachener Ostviertel das gelingen soll, was andernorts häufig scheitert: Ein aktives religiöses Zusammenleben von Juden, Muslimen und Christen mit gemeinsamen Festen und Veranstaltungen. Sogar der Bau einer Moschee soll hier ohne nennenswerte Aufregung verlaufen. Das sind ausreichend Gründe, mir vor Ort einen Eindruck zu machen. Zudem habe ich noch nie an einem Gebet in einer Moschee teilgenommen. Diese kulturelle Wissenslücke wollte ich gerne schließen. Und was hätte sich hierfür besser angeboten, als der „Interreligiöse Spaziergang“, den Christen und Muslimen des Stadtteils organisieren.

Der Treffpunkt für den Spaziergang ist die ehemalige Nadelfabrik. Dort sind heute sowohl das Stadtarchiv und der Stadtsportbund als auch verschiedene Unternehmen und Vereine sowie die „Werkstatt der Kulturen“ untergebracht, die sich die Spaziergänger als erstes ansehen. Die „Werkstatt“ bietet in den Stadtteil ausstrahlende Bildungs- und Begegnungsangebote an. Auch an der Migrationsberatung sowie an Integrations- und Deutschkursen kann in der „Werkstatt der Kulturen“ teilgenommen werden. „Wir erleben hier täglich Menschen aus verschiedensten Nationen und Kulturen, die zu uns in den Aachener Osten kommen. Das ist eine große Bereicherung, aber ebenso eine große Herausforderung“, schildert Heike Kessler-Wirtz von der „Werkstatt der Kulturen“. Migration sei im Stadtteil seit Jahrzehnten ein Thema, genauso wie die Aufnahme von Flüchtlingen – wie derzeit in der Barbarastraße. Die evangelisch-diakonische „Werkstatt der Kulturen“ sowie die katholischen, evangelischen und muslimischen Gemeinden unterstützen mit ihren Netzwerken aus ehrenamtlichen Helfern die Flüchtlingshilfe der Stadt Aachen. „Wir bieten unsere Hilfe dabei aber der Stadt als Koordinator an. Denn wir möchten als Kirchen kein Parallelprogramm fahren, auch wenn unsere Arbeit dadurch dem ein oder anderen gar nicht auffällt“, schildert Josef Gerets, Gemeindereferent der katholischen St. Josef und St. Fronleichnamsgemeinde das gemeinsame Engagement.

Das Foto zeigt eine Glaskuppel