Über Statik im Starkregen
Veröffentlicht von am 17.09.2015 13:42

Gestern habe ich an der „Architekt(o)ur“, einer Stadtführung des Aachen Tourist Service, teilgenommen. Sie erinnern sich vielleicht an das heftige Gewitter mit Weltuntergangsstimmung und Starkregen am Abend. Genau zu diesem Zeitpunkt liefen wir mit Regenschirmen und -jacken bewaffnet durch die Straßen. Man muss nicht erwähnen, dass der Regen so stark war, dass uns nichts dergleichen schützen konnte. Die Tour war aber enorm interessant und eine solche Wetterlage gibt dem Ganzen einen Kuriositätenfaktor. Sodass das Ausharren, auf das wir uns stillschweigend einigten, die Konzentration auf die Bauwerke und Erklärungen nochmals steigerte. Die „Architekt(o)ur“ startete am Elisenbrunnen und schlängelte sich dann vorbei an Theater, Elisabethhalle, Dom und Rathaus bis hin zum Super C.

Dabei wurden sowohl historische Gebäude als auch zeitgenössische Bauwerke erklärt. Diesen Mix fand ich sehr gelungen, da er immer wieder Bezüge zwischen den Epochen und Stilen, Zitate und Weiterentwicklungen aufzeigte. Vom Tempelbau bis zum Uni-Service-Gebäude gab die Tour-Leiterin Julia-Anna Preisler, die selbst als Architektin in Aachen arbeitet, einen Überblick über 300 Jahre Architekturgeschichte und Stadtplanung. Viel Fachwissen zu den Baustilen, der Statik und den Baustoffen flossen an den Haltepunkten ein. Es wurde beispielsweise an der Fassade des Couven Museums erläutert, dass sich Aachen früher gen Westen und nicht etwa in Richtung Köln orientierte. Das lässt sich an dem regional ausgeprägten Barockbaustil ablesen, der im Städtedreieck Aachen, Lüttich und Maastricht anzutreffen ist. Wir erfuhren, dass die Bauweise des Granusturms darauf schließen lässt, dass daran Baumeister von südlich der Alpen – wahrscheinlich sogar aus Konstantinopel – beteiligt waren. Die heutige Fassade des Rathauses ist erst etwa 100 Jahre alt und wechselte im Laufe der Geschichte dreimal ihr Gesicht. Auch die Stahlanker, die nach dem zweiten Weltkrieg durch das Gebäude getrieben wurden, um es nach den Bombentreffern vor dem Einstürzen zu schützen, wurden uns gezeigt. Zudem erhielten wir immer wieder interessante Hinweise auf Bauweisen, die zu früherer Zeit statische Notwendigkeit hatten, die aber später durch die Weiterentwicklung der Bautechnik überflüssig wurden.

Die Führung ist absolut empfehlenswert – sogar bei extremer Wetterlage. Die nächste Gelegenheit zur Teilnahme ist am 18.11. um 18 Uhr. Mehr Informationen gibt es beim Aachen Tourist Service.

Das Foto zeigt einen Turm