MOMUMENT Teil I-III

„Man kann heimkehren, wenn man denn begreift, dass ‚heim‘ ein Ort ist, an dem man noch nie war.“ – Ursula K. Le Guin

 

EINS

Als Kind war ich der Erde näher.
So scheint es mir zumindest. Und ich meine damit nicht etwa den Planeten Erde, dem ich selbstverständlich näher war, sondern den Erdboden. Natürlich könnte dieser Eindruck einfach auf meinen damaligen Blickwinkel zurückzuführen sein, denn tatsächlich war mir der Boden damals wohl um einiges näher als jetzt. Und ich sage interessanterweise „ich“, spontan, und meine damit eigentlich: meine Augen. Sind meine Füße oder Waden etwa weniger „ich“ als meine Schädeldecke oder mein Gesicht? Und trotzdem ist da immer dieses Gefühl haltlosen Schwebens und unklarer Beziehungen und Zugehörigkeiten im Raum. Gehöre „ich“ eher dem Himmel, der Decke, der Höhe an oder eher dem Boden? Immerhin verbindet mich mit dem Boden noch die Erinnerung an eine wohl einmal dagewesene engere Beziehung und natürlich die Schwerkraft.

Ich glaube aber gar nicht, dass dieses Gefühl der Erdnähe etwas mit meiner Körpergröße zu tun hat, sondern eher damit, dass der Boden, auf dem wir uns bewegen, metaphorisch und damit auch emotional für einen Ausgangspunkt, für eine Ursprünglichkeit, für eine reine Gegenwart steht bzw. liegt. Vielleicht verwechsle ich aber auch Ursache und Wirkung, und der Boden bedeutet nur deshalb diese reine Gegenwart, diese Ursprünglichkeit, weil ich, als ich ihm noch nahe war, Kind war und damit vergangenheits- und zukunftslos.

Jedenfalls – wenn ich mich nach der Vergangenheit sehne, nach meiner Heimat, nach meiner Kindheit, und es ist immer dieser unauflösbare Komplex, so ist es auch die Nähe zur Erde, nach der ich mich sehne.

Manchmal spüre ich den Drang, mich hin zu knien, meine Wange auf den Boden zu legen oder mein Gesicht in die Erde zu drücken, darin zu graben, mich einzugraben. Vielleicht ist es auch zum Teil eine Todessehnsucht, eine Sehnsucht nach Auflösung, Renaturierung, nach Kompostierung, Kollektivierung, die mich zur Erde zieht. Ich weiß es nicht. Aber selbstverständlich lässt sich das erinnerte und ersehnte Gefühl der Erdnähe bzw. nicht einfach befriedigen durch ein Picknick oder ein paar Bodenübungen. Solche Versuche haben sogar eher die gegenteilige Wirkung, denn sie geben mir zu spüren, wie fremd ich diesem Erdboden geworden bin, wie weit davon entfernt. Es ist, als würden sich unter mir die Erinnerungen stapeln und mich vom Ursprung entfernen. Es gibt nichts, das das Gefühl der Erd-Entfremdung aufheben kann.

Aber auch Gefühle sind nur Reaktionen auf Relationen. Als Kind war ich mir nicht bewusst darüber, dass es einen anderen Zustand geben würde, ja, dass man der Erde ferner sein könnte, als ich es damals war. Das heißt: Eigentlich kenne ich das Gefühl, der Erde so nahe zu sein, wie ich es für möglich halte, gar nicht. Ich weiß nur, wie es sich anfühlt, diese Erdnähe bereits verloren zu haben. Steckt in dieser Erkenntnis mehr als nur die plumpe Einsicht, dass wir lediglich das zu schätzen lernen, was uns abhanden gekommen ist? Oder ist diese Einsicht selbst weniger plump, als ich bisher angenommen habe, ohne je wirklich darüber nachzudenken. Wenn ich das Gefühl der Erdnähe nie als solches gespürt habe, sondern es nur in absentia kenne, dann existiert dieses Gefühl nicht, es ist reine Illusion.

 

ZWEI

Seit der Eröffnung von momument war ich nicht einmal dort gewesen. Allen anderen gegenüber behauptete ich, es sei das allgemeine Einverständnis, die kollektive Begeisterung darüber, die mich davon abhielt. Und es mißhagte mir tatsächlich, dass plötzlich alle vorgaben, sich auf eine Welt einigen zu können und darauf vor allem, sich diese Welt zu teilen. Diese Welt jedoch war zerstört und eine zerstörte Welt zu teilen ist leicht. Der ekelhafte vermeintliche Konsens täuschte über die Egoismen, die Arroganz und die Ignoranz hinweg, all das Desinteresse. Sie hätten sich auch einfach irgendein Denkmal für den persönlichen Gebrauch downloaden können, aber nein, jetzt plötzlich hieß es: gerade die Tatsache, dass momument ein gemeinschaftliches Erlebnis und gemeinschaftliches Gut sei, ein öffentlicher Zeit-Ort, eine Bibliothek, mache ihn zu einem wertvollen Denkmal – nicht nur für die Landschaften, Kunst- und Baudenkmäler, sondern auch für das menschliche Zusammenleben auf der Erde. Dass die Erinnerung an dieses Zusammenleben für einige Menschen geschweige denn für andere Erdbewohner nicht gerade eine Erinnerung darstellte, die man teilen und genießen wollte beziehungesweise konnte, wurde übergangen. Es ärgerte mich die Vorstellung, dass all diese Leute sich nun gemeinsam ansahen, was sie jeder für sich allein zerstört hatte.

Aber nicht nur dieser Ärger und dieser Ekel hatten mich abgehalten, momument zu nutzen, sondern auch die Angst davor, es könnte meine Erinnerungen beeinflussen – Erinnerungen, die ich in mir hegte, und die wachzurufen ich mir nur selten und zu besonderen Anlässen erlaubte, weil ich befürchtete, sie könnten verformt werden und abgenutzt bei zu häufigem Gebrauch – wie das teure Geschirr, das meine Mutter nie hatte benutzen wollen, aus Angst, es könne seinen Glanz verlieren.

Nun aber stand mein zweiter und wahrscheinlich letzter Umzug an. Urras würde zu einem weiteren verlorenen Ort werden. Von Anfang an war für mich klar gewesen, dass der Jupitermond nur eine Zwischenstation sein würde, eine Zwischenstation für eine Übergangsphase, und diese Phase war nun vorbei. Trotzdem verspürte ich plötzlich dieselbe Angst, wie kurz vor meiner Abreise von der Erde, die Angst davor, etwas Vertrautes ein für alle Mal zu verlieren, die Angst davor, dass ich etwas vermissen oder bereuen könnte, das ich jetzt noch nicht zu schätzen wusste. Ich denke, diese Angst war es, die mich dazu bewegte, momument doch noch zu besuchen, in meiner letzten Woche auf Urras. Ich glaubte wohl, mich selbst daran erinnern zu müssen, wo ich eigentlich herkam, was ich eigentlich zu vermissen hatte, und dass das hier nur eine Übergangsphase war, eine mir fremde Zwischenstation.
Eine vertraute Sehnsucht ist sehr viel leichter zu ertragen als die Angst vor einem neuen und fremden, und darum in seinen Ausmaßen unberechenbaren Vermissen.

 

DREI

Das momument Archiv war extrem unübersichtlich. Bestimmte Landschaften waren nur in einem Zeitraum von wenigen Jahren, Stunden oder Minuten vorhanden – abhängig davon, ob sie gezielt für die Landschaftsbibliothek gescannt oder von irgendwelchen Urlaubern aufgenommen und in die Open Source Datenbank eingespeist worden waren. Auch die Qualität der Aufnahmen und Rekonstruktionen unterschied sich teilweise gewaltig. Qualitativ besonders hochwertig waren die Landschaften, die sich durch ihren hohen Denkmalwert für die professionelle Archivierung qualifiziert hatten und in denen daher eine konstante Archivierung stattgefunden hatte. Oftmals existierten zu solchen Landschaften auch Rekonstruktionen, der den Aufnahmen vorangegangenen hundert bis zweihundert, teils sogar (mit Lücken!) bis zu viertausend Jahre, die anhand von älteren Scans, Fotografien, Karten, Zeichnungen, Gemälden, Beschreibungen, Berechnungen usw. hergestellt worden waren. Zu den ältesten archivierten Landschaften gehörten der Grand Canyon, die ägyptischen Pyramiden und der Sechin Komplex in Peru.

Eigentlich hatte ich mich schon im Vorhinein dafür entschieden, jene Landschaft auszuwählen, in der ich meine Kindheit verortete und in der ich nach meiner Auswanderung von Deutschland nach Sri Lanka nur noch sehr wenige Male gewesen war. Aber als ich in der Eingangshalle vor dem momument-Designer stand, zweifelte ich für einen Moment an meiner Entscheidung. Vielleicht sollte ich die Gelegenheit nutzen und in den mexikanischen Dschungel gehen, die Antarktis vor der Gletscherschmelze besuchen oder auf den Mount Everest steigen. Wann würde ich noch einmal in die Lage kommen, diese Orte und Zeiten so realistisch zu erleben? Nie wieder vermutlich. Keines der privaten Unternehmen konnte eine solche Auswahl und so hohe Qualität anbieten wie momument.
Aber dann ging mir auf, dass ich einen virtuellen Eisberg niemals von einem echten unterscheiden können würde, weil mir der Vergleich fehlte. Die Qualität spielte hier also eine weniger große Rolle, während mir auch nur die geringste Abweichung in der Beschaffenheit einer Lammkraut-Blüte oder im Ruf eines Kiebitz‘ sofort auffallen würde. Das dachte ich zumindest.

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Zur Burg

Die Vögel zwitschern, der Wald vor lauter Bäumen rauscht in der milden Sommerbrise. Ein Weg führt durch das lichte Wäldchen und über die Felder bis zur Burg – die Burg, die in der Ferne schon zu sehen ist – ihre Zinnen und Türmchen, die rotweißen Fensterläden, man kann sie bereits erahnen. Auf dem Weg fährt eine solarbetriebene Kutsche, in der ein menschliches Wesen sitzt, dessen Aussehen und Verhalten auf kein bestimmtes Geschlecht schließen lassen. Es hat den Kopf in den Nacken gelegt und schaut in die Baumkronen. Ein Eichhörnchen springt von einem Ast zum anderen über den Weg.
„Schau mal“, sagt das menschliche Wesen in der Kutsche und zeigt auf das Eichhörnchen. Zu wem es das sagt, ist unklar. Neben der Kutsche läuft ein Pferd. Das Pferd schnaubt.

Als sie den Wald verlassen und zwischen gelben Feldern und blauen Blumen herfahren, sehen sie hinter einer Biegung ein zweites Wesen den Weg entlang schlendern. Dieses allerdings sieht ganz wie ein Mann aus und es verhält sich auch so. Sobald die Kutsche das Wesen erreicht hat, bleibt sie stehen.
„Wollen Sie auch zur Burg?“, fragt das menschliche Wesen in der Kutsche.
Das, was wie ein Mann aussieht und sich auch so verhält, nickt.
„Na dann steigen Sie doch ein. Wir sind gerade auf dem Weg dorthin, und ein Stück ist es ja noch. Hier drin ist es bequemer. Sie können sich ganz aufs Gucken konzentrieren und müssen nicht noch ans Laufen denken.“

Das, was wie ein Mann aussieht und sich auch so verhält, schaut sich kurz um, dann greift es nach der Hand, die ihm das andere hinhält und steigt ein.
„Agent reist mit uns“, sagt das Wesen in der Kutsche und streichelt dem Pferdchen die Schnauze. Das Pferdchen schnaubt. Das, was wie ein Mann aussieht und sich auch so verhält, lächelt und nickt. Dann setzt sich die Kutsche langsam wieder in Bewegung.
Das Wesen in der Kutsche mustert seinen neuen Reisegefährten, seine Augen bleiben an einem Gegenstand hängen, den das, was wie ein Mann aussieht und sich auch so verhält, am linken Handgelenk trägt.
„Darf ich fragen, was Sie da Schönes haben? Ist das ein Schirm? Zeigen Sie mal. Tatsächlich ein Regenschirm. Er gewinnt seine Bedeutung durch das, wogegen er seinen Träger zu schützen da ist: Das wäre dann wohl Regen. Kennen Sie Regen? Natürlich kennen Sie Regen! Flüssiger Niederschlag, der aus der Atmosphäre auf den Boden fällt bzw. auf alles, was sich auf dem Boden aufhält. Sie verstehen. Etwas Formloses und darum Bedrohliches, das vom Himmel fällt.“
„Waaa Waaa Waaa“, sagt das Wesen, das wie ein Mann aussieht und sich auch so verhält.
„Ein sogenanntes Kulturprodukt. Meines Wissens stehen Regenschirme heute unter Naturschutz, oder Denkmalschutz. Ich verwechsle die beiden immer. Wissen Sie, ich sammle Artefakte. Mechanische Artefakte. Ich hab schon jede Menge davon zuhause.“
„Waaaaa Wa.“
„Ein Regenschirm also. Interessant. Darf ich mal?“

Das Wesen, das aussieht wie ein Mann und sich auch so verhält, reicht dem anderen Wesen den Schirm. Dieses nimmt ihn vorsichtig in beide Hände, zieht behutsam den kondomartigen Überzug ab, „Ich darf doch, oder?“, und hält sich den Schirm ganz nah vor die Augen. Es schiebt einen Finger zwischen die Halterung und den oberen Teil des Schirms, der sich nun ein Stück nach oben drückt, sodass der silberne Stiel zum Vorschein kommt.
„Hu!“, sagt es erschrocken. „Na sowas. Wie öffnet man ihn?“
Fragend blickt es das Wesen, das wie ein Mann aussieht und sich auch so verhält, an. Dieses nimmt ihm den Schirm wieder ab, löst das Bändchen, schiebt den oberen Teil hoch und öffnet ihn. Der Schirm ist hellgrün.
„Hach du liebe Güte.“
Das Wesen in der Kutsche klatscht begeistert in die Hände.
„Wunderschön, oder? Darf ich mal halten? Herrlich, wirklich! Von wann genau stammt das gute Stück?“
„Waaaa Waaaaaaa.“
„Ah ja.“
„Toll, einen Schirm hätte ich auch gern in meiner Sammlung. Wissen Sie, mein allerschönstes Stück bisher ist ein Schraubstock, er ist ganz klein, winzig. Früher hat man ihn verwendet, um kleine Dinge damit festzuschrauben, sodass sie sich nicht bewegen konnten, wenn man sie… gesägt hat zum Beispiel. Dieser Schraubstock, er ist… Wenn ich an ihn denke, wird mir ganz warm. Ich kann das gar nicht richtig beschreiben. Manchmal glaub ich fast, ich sei ein bisschen verliebt in ihn. Ist das albern?“
„Weeee wa wa.“
„Hm. Aber er liebt mich nicht zurück. Was soll man machen. Sammeln Sie auch Artefakte?“
„Waa woooo wawa wi.“
„Achso, verstehe!“

Das Wesen in der Kutsche dreht den Schirm über seinem Kopf, dann hält es ihn über das Pferd.
„Schau mal Agent, ist das nicht herrlich, wie das Licht durch das grüne… ja, was ist das? Polyamid? Wie das Licht durch das grüne Polyamid fällt? Man nennt es auch Paraplü, das Gerät, aus dem Französischen. ‚Für den Regen‘, heißt das. Heute hat der Regenschirm keine Funktion mehr, außer die natürlich, zu existieren.“
Das Pferd wackelt mit dem Kopf.
„Ich beschäftige mich gerne mit historischen Dingen, Artefakte. Ich untersuche, wozu bestimmte Artefakte früher gebraucht wurden. Regenschirme zum Beispiel, Schraubstöcke, Balkontüren, Waffeleisen, solche Dinge.“
„Wuuuuuuuuu.“
„Ja genau, das auch.“

Das Wesen in der Kutsche gibt dem Wesen, das wie ein Mann aussieht und sich auch so verhält, den Schirm zurück, beugt sich über den Rand des Wagens und lässt den Blick blinzelnd über die Felder streifen.
„Oh schauen sie mal, eine Gruppe Feldsängi! Da hinten.“
Es zeigt auf eine Gruppe menschlicher Wesen, die ein Stück weit entfernt am Feldrand stehen und singen. Manche halten dabei die Hände in die Höhe. Es klingt als würden sie in mehreren Stimmen und Sprachen gleichzeitig singen.
„Sie besingen die Ernte und schwören ihr, dass sie sie lieben und schätzen werden, egal wie reichlich sie ausfallen wird. Eine regionale Tradition. Aber ich hab schon lange keine mehr hier gesehen. Oh, und sehen Sie mal da.“
Es streckt den Arm aus und zeigt in die Richtung der Sänger, von denen einer nun vortritt und einen ulkigen Tanz aufführt, wobei er seinen Körper als Percussion verwendet.
„Eina Tänza! Wie toll sa das macht, oder? Früher habe ich auch pflanzgetanzt. Roggen war meine Spezialität und alle Arten von Farnen. Haben Sie auch mal getanzt?“
„Wuwuwuwuwu.“
„Schön! Bald ist ja übrigens auch wieder der Oelder Pfingstenkranz. Wenn Sie dann noch hier sind, sollten Sie sich dieses Spektakel nicht entgehen lassen. Alles tanzt da und singt auf den Feldern und in den Straßen – zu Ehren und zum Dank der vielen herrlichen Pflanzen.“

Sie fahren nun an den Sängern und Tänzern vorbei, die ihnen zuwinken und in die Hände klatschen.
„Weiter so, weiter so“, ruft das Wesen begeistert.

„So, gleich sind wir da. Ich weiß noch nicht, wie lange Agent und ich bleiben, aber wenn Sie wollen, können Sie natürlich auch wieder mit uns zurückfahren.“
„Wü.“
„Ok. Natürlich.“

Die Kutsche fährt nun etwas langsamer. Sie nähert sich der Burg, die wirklich sehr groß und imposant ist. Das Pferd Agent läuft nun vor der Kutsche, da der Weg zu schmal ist für Tier und Gefährt.
„Wir müssen noch hier rumfahren, um die Kutsche zu parken. Sie können gerne an dieser Stelle schon aussteigen, dann müssen Sie nicht alles wieder zurücklaufen.“
Das Wesen, das wie ein Mann aussieht und sich auch so verhält, steht auf und springt vom Wagen. Dabei hebt es eine Hand und ruft „Wöööööööö.“
Das andere Wesen hebt ebenfalls eine Hand.
„Gern geschehen! Machen Sie es gut.“
Das Pferd schwenkt den Kopf.

Dann biegt die Kutsche auf einen Seitenweg ab, der zum Parkplatz führt, während das Wesen, das wie ein Mann aussieht und sich bisher auch so verhalten hat, auf dem Hauptweg weitergeht, immer schneller wird, zu rennen anfängt, und sich dann kurz vor der Gräfte ganz und gar geräuschlos, ohne Puff, in eine Wolke feinster Teilchen auflöst, die, zu erkennen nur noch als sanfter Regenbogen-Schimmer, erst in die Höhe und dann um die Burg herum durch eines der geöffneten Fenster fliegt.
„So nett, hm?“, sagt das Wesen, steigt aus der Kutsche und tätschelt das Pferd.
„Absolut“, sagt das Pferd.

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KLEINANZEIGEN 12. April 2046

12. April 2046, Warendorf, Kreis Warendorf
Gesucht: Hochzeitsaufnahmen von 1850 bis 2010

Für ein gemeinnütziges Projekt suchen wir: Bild- und Tonmaterial von alten Hochzeiten
Postkarten, Zeichnungen, Gemälde, Fotografien, Videos, Holos, Tonaufnahmen…

Ziel unseres Projektes ist es, ein interaktives Lernspiel als Unterrichtsmaterial für die dritte bis fünfte Klasse zu erstellen. Den Hauptinhalt dieses Spiels soll eine Sammlung virtueller Dorfhochzeiten bilden mit verschiedenen Heiratsbräuchen von überall auf der Welt.
Mehr über das Projekt erfahren Sie auf weddingworlds.com.
Dort können Sie uns auch finanziell unterstützen.

Kontakt hier.

12. April 2046, Telgte, Kreis Warendorf
Schüler-Demo!

Seit 2039 wird der Bildungsetat in Münster jedes Jahr weiter gekürzt. Auch in diesem Jahr hat die Bildungsministerin Sibylle Klein angekündigt, die Ausgaben für Schulen und Universitäten weiter zu verringern. Die Folge dieser andauernden Kürzungen: Veraltete Lehrmittel, marode Schulgebäude, zu kleine Räume, zu große Klassen, Personal-Kündigungen, unzureichend ausgebildete Lehrkräfte, sinkende Schulleistungen, sinkendes Bildungsniveau, steigende Abbrecherquote, usw.
Zudem können lernschwache Schüler aufgrund des Lehrermangels kaum angemessen unterstützt werden, wodurch sie oftmals weit hinter dem eh schon niedrigen Klassenniveau zurückbleiben. Besonders lernstarke Schüler hingegen werden gefördert, indem man sie aus der Klasse nimmt und in eine der NRW-Landschulen versetzt. Auf diese Weise wird die Kluft zwischen Stadt und Land, zwischen besser und schlechter ausgebildeten Schaulabgängern bzw. -abbrechern immer größer. Zugleich verhindert das Einzugsgebiets-Gesetz, dass Stadt-Schüler ohne Empfehlung eine der besser ausgestatteten Schulen auf dem Land besuchen.
Das alles sorgt natürlich für große Frustration unter den Schülern, vor allem, wenn ihnen durch den naheliegenden Vergleich mit den Landschulen immer wieder vor Augen geführt wird, wie es anders sein könnte.
Diese offensichtliche Ungerechtigkeit hat in der Vergangenheit immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Stadt- und Landschülern geführt.
Um den beiderseitig vorhandenen Ressentiments und Vorurteilen entgegenzuwirken, unsere Kräfte zu bündeln und so vereint gegen die unzumutbaren Zustände an den Stadtschulen vorzugehen, organisieren die Jungen Linken gemeinsam mit dem Solidarität für Münster e.v. und der ALM seit zwei Jahren regelmäßig gemeinsame Demonstrationen und Streiks.
Da vom 23. Bis 26 April die Etat-Verhandlungen in Münster stattfinden, wollen wir auch jetzt, am 15. April wieder gemeinsam demonstrieren: Gegen weitere Kürzungen, gegen das Einzugsgebiets-Gesetz, gegen die Benachteiligung der Stadt-Schüler und für einen offenen und gleichberechtigten Austausch!
Aus Solidarität mit unseren Mitschülern aus Münster, von denen viele kein Fahrzeug zur Verfügung haben, wollen wir diesmal keine Senkrecht-Demo starten, sondern uns zu Fuß treffen, und zwar am Prinzipalmarkt in Münster um 12 Uhr. Bringt Banner, T-Shirts, Screens, Holos mit – alles, womit ihr eurer Wut und eurem Wunsch nach Gerechtigkeit Ausdruck verleihen könnt.
Auf Musik wollen wir diesmal bewusst verzichten, um die Ernsthaftigkeit unseres Anliegens zu unterstreichen. Diese Demonstration ist keine Party, sondern ein politischer Akt!
Sagt allen Bescheid – auch Familienmitglieder, Freunde, Lehrer, Erzieher und andere Unterstützer sind willkommen!

WANN: 15. April 2048, 12 Uhr
WO: Prinzipalmarkt Münster
WIE: Zu Fuß! (Parkplätze gibt es in der Gartenstraße und am Niedersachsenring, am besten wäre es jedoch, wenn ihr mit den Öffentlichen kommt)

Abgesehen davon sammeln wir gerade Spenden für unser Mobile-School Projekt. Bis Ende 2048 wollen wir mit dem gespendeten Geld insgesamt 10 Hybrid-Busse und 5 kleinere Hybrid-Wagen für die Stadtschulen kaufen, sodass Klassen und Schülergruppen aus Münster sich mobil im Umland und in Europa bewegen können.

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KLEINANZEIGEN 11. April 2045

11. April 2045, Ahlen, Kreis Warendorf
Adoptivsenioren für unsere Familie gesucht

Für unsere kleine Familie suchen wir noch einen oder zwei ältere Menschen zur Adoption. Wir – das sind Abbe (49), Len (45), Mellory (48), Mihai (34) und Epi Lou (2). Abbe, Len und Mellory leben bereits seit vier Jahren zusammen auf einem alten Bauernhof in der Nähe von Werne. Vor drei Jahren ist dann Mihai dazu gestoßen und im Dezember 2043 kam unser Baby Epi Lou auf die Welt. Nun würden wir unser Familienglück gerne mit einem oder zwei älteren Menschen teilen.
Mit uns auf dem Hof leben zwei Pferde – Rose und Bobbi, ein alter Hund – Tex, zwei Katzen – Mimi und Cher, ein Mini-Schwein, was nicht so mini geblieben ist, wie seine erste Familie es sich gewünscht hat – Lola, zwei Leucht-Kaninchen mit „Wackelkontakt“ – Flexi und Karl, und elf legeschwache Hühner, die wir aus einer Farm gerettet haben, wo sie aufgrund ihres geringen Nutzwerts ermordet worden wären. Keines dieser Tiere wird bei uns ausgebeutet, gequält oder unter unangemessenen Bedingungen gehalten, was uns sehr wichtig ist.
Wir ernähren uns vegan. Unsere Nahrungsmittel bauen wir zum großen Teil selbst an. Energie gewinnen wir fast ausschließlich aus Biomasse, Solar- und Windkraft.
Neben unserer Arbeit auf dem Hof engagieren sich Abbe und Len als Sozialarbeiter*Innen in Berlin, Mellory ist Chef-Chirurgin am St. Marien Krankenhaus in Ahaus und freiwillige Tierpflegerin im Haustier-Hospiz Warendorf und Mihai arbeitet als Roboter-Psychologin an der Technischen Universität Westmünsterland.
Abgesehen davon feiern, spielen und kochen wir gerne gemeinsam, wir lieben Musik, Kunst und Literatur und diskutieren oft und ausführlich über aktuelle politische Themen. Len und Mellory teilen außerdem ihre Leidenschaft für das Reisen. Mihai und Abbe bleiben dagegen lieber zuhause. Wir haben auch oft Freunde zu Besuch. Eigentlich ist fast immer jemand hier. Im Sommer wohnen meistens jugendliche Reisende bei uns, die uns gegen Kost und Logis auf dem Hof aushelfen.
Wir alle legen großen Wert auf offene Kommunikation, eine lebendige Debattenkultur, Fairness, Gleichstellung und frei ausgelebte Sexualität. Außerdem setzen wir uns aktiv für den Umwelt- und Artenschutz sowie für verschiedene soziale Projekte ein, wie zum Beispiel aktuell Solidarität für Münster oder Make Kin Not Babies.
Wir suchen jemanden (über 60), der oder die unsere Überzeugungen, Werte und Leidenschaften teilt, sich aktiv in das Zusammenleben auf dem Hof einbringen und gerne vollgültiger Teil unserer Familie werden würde.

Wenn du Interesse hast, sieh dir hier unser Profil auf MakeKin.com an!

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KLEINANZEIGEN 10. April 2044

10. April 2044, Legden, Kreis Borken

SMARTE VERTIKALE GARTENANLAGE, VERTIKALER GEMÜSEANBAU, VERTIKALE BEGRÜNUNG, SMARTE HYDROPONIK, SENKRECHT-GARTEN, VERTICAL GARDENING, VERTICAL PLANTATION, SMART VERTICAL FARMING

Verkaufe wegen unfreiwilligem Umzug nach Münster:
Smartes Hydroponik-Außen-System/Vertikaler Gemüsegarten, beidseitig begrünbar von Der Beeter
2x2m, auch kombinierbar als Heckenelement
gebraucht, ca. drei Jahre alt, funktionstüchtig
Stabiler Rahmen, Stahl-Verblendung
Smarte Bewässerungs- und Düngeanlage
Kombinationsantrieb: Solarkraft, Strom
Lautlos-Garantie.
Derzeitig bepflanzt mit Kirsch-Tomaten, Zucchini, Maracuja und Bananocado.

Herstellergarantie bis Januar 2046
Nährlösung haltbar bis mind. Januar 2046

1400 Un. VB

10. April 2046, Senden, Kreis Coesfeld
Acura Hybrid Kamome XS

Da vor kurzem meine Mutter gestorben ist, im hohen Alter von 124 Jahren – wenn es einen Gott gibt, habe er sie selig – verkaufe ich nun ihren kanariengelben Acura Hybrid, Modell: Kamome XS.
Das Fahrzeug ist ca. fünf Jahre alt und hat einige Kilometerchen auf dem Buckel – meine Mutter hatte ein, im wahrsten Sinne des Wortes, sehr bewegtes Leben…
Trotzdem ist er gut in Schuss, fährt, fliegt und schwimmt tadellos, hat keinerlei Macken oder Störungen. Der Innenraum ist absolut keim- und bakterienfrei.
Die Hybrid-Modelle von Acura bewegen sich alle mit einem Kombinationsantrieb aus Solar-, Fahrtwind-, Gravitationskraft und Strom. Der Kamome XS ist ein Dreisitzer mit 900 Liter Stauraum und drei Türen. Ideal für Fahrten zu zweit, mit Kind, oder alleine. Perfekt, um sich zügig und unabhängig auf dem Land zu bewegen und für kleinere Reisen innerhalb Europas.
Ich freue mich, wenn der Wagen über diesen Weg einen neuen Besitzer findet.

Marke: Acura
Modell: Kamome XS
Kilometerstand: 1.400.075 km
Erstzulassung: 01.11.2041
Kraftstoff: Solar-, Fahrtwind-, Gravitationskraft, Strom
Leistung: 10.000 PS, max. 500 km/h im Straßen-Modus, 900 km/h im Flugmodus, 300km/h Wasser-
Modus
Bordcomputer: Autonom, TOM43
Fahrzeugtyp: Klein-Hybrid
Anzahl Türen: 2/3
HU bis: November 2051
Umweltfaktor: 2+
Außenfarbe: Gelb
Innenausstattung Material: Kunstleder

Selbstfahr-Option: Ja, bis zu 100 km/h im Straßen-Modus
Klimaanlage: Ja
Sitzheizung: Ja
Keim- und bakterienfrei: Ja
R-Con-Connect: Ja
Unterhaltungsangebot: Radio, Holo-Film, Holo-Telefonie, Multi-Media-Player
Kühlbox: Nein
Convertible: Nein

Alle weiteren technische Details finden Sie hier.

Preis: 19.000 Un. VB

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KLEINANZEIGEN 9. April 2043

9. April 2043, Borken, Kreis Borken
Traditionelle Hochzeitsrequisite

Wir haben den Dachboden meines kürzlich verstorbenen Großvaters entrümpelt und dabei eine Kiste mit alten Hochzeitsrequisiten gefunden.
Zum Verkauf stehen nun:

– ein Holzhahn 60 Un.
– ein Tannenkranz mit Rosen und Schleifen aus Kunststoff 10 Un.
– ein bunter Stab mit Bändern (1,50 m) 10 Un.
– eine Holztruhe mit Schnitzereien (Blumen, Namen: „Emilia + Erik“, Jahreszahl: 2001) 130 Un.
– ein weißes Hochzeitskleid + Schleppe 400 Un.
– ein langes blaues Kleid 350 Un.
– ein schwarzer Zylinder 50 Un.
– zwölf Silberlöffel 70 Un.
– zwei Paar Holzpantoffeln (Größe 39, Größe 43) je 30 Un.
– eine Zipfelmütze 10 Un.
– eine Pfeife 15 Un.
– ein Paar gelber Strümpfe (Größe 46, ungetragen) 5 Un.
– eine kleine doppelläufige (wohl selbstgebaute) Kanone 120 Un.

Ausstattung komplett: 1000 Un.

Alle Gegenstände sind höchstens einmal in Gebrauch gewesen. Das weiße Kleid hat zwei kleine braune Flecken auf der Brust und der Schleier ist unten ein wenig verfärbt (siehe Aufnahmen). Ansonsten keinerlei Mängel!
Die Funktion der meisten Gegenstände ist uns nicht bekannt. Außerdem sind wir uns bei einigen Dingen, wie zum Beispiel den Socken und der Kanone nicht sicher, ob sie zu den Hochzeitsrequisiten gehören oder nur aus Versehen in der Kiste gelandet sind.

Verkauf aus Gender-Equality-Gründen nur an Sammler, Museen, Künstler,… nicht zum persönlichen Gebrauch gedacht!

KOMMENTAR 10.4.2043, 16:15 Uhr:
Hallo, wenn Sie Interesse haben, kann ich Ihnen die Funktion der meisten Gegenstände gerne erklären. Nur die gelben Socken kann ich leider nicht zuordnen. Ich komme selbst aus dem Kreis Borken und habe vor etwa 50 Jahren meine Hochzeit traditionell gefeiert.

KOMMENTAR 10.4.2043, 20:23 Uhr:
Das ist freundlich. Aber ich und meine Lebensgefährten lehnen die Institution der Ehe prinzipiell ab. Außerdem haben wir kein Interesse daran, lokalpatriotischen Tendenzen Vorschub zu leisten durch die Wiederbelebung höchstwahrscheinlich zurecht ausgestorbener Bräuche.

KOMMENTAR 10.4.2043 21:34 Uhr:
Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich bin kein Ehe-Befürworter und lebe inzwischen selbst seit 15 Jahren geschieden und in einer offenen Beziehung. Auch bin ich mit meinen 75 Jahren immer noch mit der Aufarbeitung meiner Ehe beschäftigt und versuche stets, patriarchale Muster in meinem Verhalten aufzudecken und zu überwinden. Zudem beschäftige ich mich seit einigen Jahren intensiv mit dem strukturellen Sexismus der 10er und 20er Jahre in Europa. Sie haben hier also keinen Gegner vor sich! Mein Anliegen ist es lediglich, das alte und teils fast verlorene Wissen über regionale Traditionen und Bräuche weiter zu geben und so zu bewahren – nicht weil, ich diese Traditionen und Bräuche wieder belebt sehen möchte, sondern aus denselben Gründen, aus denen wir jede Geschichtsforschung betreiben: Ich glaube, dass uns die Vergangenheit viel über die Gegenwart erzählen kann, und dass wir uns nicht von ihr abwenden sollten, selbst wenn sie uns nicht gefällt.
Was aber an der Heimatliebe, mal ab vom Patriotismus, so schlimm sein soll – das verstehe ich nicht ganz.

KOMMENTAR 12.4.2043 19:50 Uhr:
Entschuldigen Sie meine vorschnelle Reaktion. Zu meiner Verteidigung: Auch heute noch gibt es Menschen, die unsere Haltung kritisieren und uns für unsere Lebensweise angreifen. Daher wohl meine grundsätzliche Abwehrhaltung. Sie haben natürlich Recht, und wir würden gerne hören, was Sie uns erzählen können.
Lokalpatriotismus ist so „schlimm“, zum einen, weil er mit dem Bestehenden versöhnt und zum anderen, weil er das Vertraute über das Fremde stellt. Heimatliebe ist also eine Form der Idealisierung der eigenen Verhältnisse. Dabei wird das Negative ausgeblendet und das vermeintlich Positive glorifiziert. Zudem wird ein Wir-Gefühl erzeugt, das auf Abgrenzung basiert und somit den Nährboden bildet, auf dem Diskriminierung und Faschismus wachsen. Außerdem werden bestimmte gesellschaftliche Strukturen unhinterfragt übernommen und gefestigt, nach dem Motto: Hierzulande läuft das eben so und so. Diese unkritische Aneignung alter Gewohnheiten und Gepflogenheiten, ist extrem gefährlich! Kurz gesagt: Heimatliebe ist entweder Realitätsflucht oder Xenophobie oder beides. Es sei denn, unter Heimat wird etwas anderes verstanden, als hier angenommen.

KOMMENTAR 12.4.2043, 20:05 Uhr:
Mein Angebot steht nach wie vor. Wollen wir uns treffen, soll ich Ihnen schreiben oder wollen Sie eine Audionachricht?

KOMMENTAR: 14.4.2043, 09:55 Uhr:
Vielen herzlichen Dank!
Eine Audionachricht wäre sehr freundlich.

AUDIO 14.4.2043, 22:03 Uhr:

KOMMENTAR 19.4.2043, 23:45 Uhr:
Würde das blaue Kleid nehmen. Für 250. Ok?

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