Ein Männlein steht im Walde
Veröffentlicht von am 28.05.2020 12:19 Schreibe einen Kommentar

Am Sorpesee ist es schön.

Wir haben einen Platz am See, da fahren wir jeden Tag hin, mit dem Fahrrad und dem Hund und schwimmen, bis das kalte Wasser Nadeln überm ganzen Körper verteilte und man vor Muskelschmerz fast untergeht. Ich schwimme 100 Züge bis in die Mitte des Sees und dann zurück. Als der Hund noch jünger war, da kam er auch mit. Jetzt nicht mehr. Am Samstag wird er neun. Dann trocknen wir in der Sonne, Touristen haben Müll überall verteilt, ich weiß nicht, in welchem Moment es unmöglich wird, die Dinge die man mitbringt, wieder mitzunehmen. Chipspackungen und Flaschen sind am Ende des Tages ja leichter als zu Beginn. Man geht gerne in die Natur, aber aufräumen kann sie jemand anderes. Idioten laden ganze Säcke Hausmüll auf den Wiesen ab.

Manchmal steckt ein feines Stück Metal oder Glas in meinem Fuß, der Freund macht es vorsichtig raus. Der Boden unter nackten Füßen ist schwer zu ertragen, wenn das Kind seinen Wald nicht aufräumt.

Die Zecken kriechen auch am See auf die Picknickdecke, dies ist mein schlimmster Zeckensommer, aber das Rezept für das weltbeste Zeckenspray für Mensch und Hund das geht so:

Wodka in 1 Sprühfalsche, dazu Tropfen von Eukalyptus-Lemon Öl, Pfefferminzöl, Rosmarienöl und Lavendelöl. Der Hund niest wenn er das Haus verlässt, wir niesen auch. Aber hatte er zuvor nur beim kleinsten Schnüffeln ins tiefere Gras ungelogen 10 Zecken auf dem Kopf, dann ist es jetzt nur noch eine am Auge, die sich kurz danach fallen lässt. Nun sind wir beinahe zeckenfrei. Die Picknickdecke dann auch, sobald wir das Insektenspray daraufsprühen.

Gestern, da dachte ich mir, dass man auch mal den Schwimmplatz wechseln, mit den Gewohnheiten spielen und ein bisschen tiefer im Wald schwimmen gehen könnte. Weiter hinten, da wo sich die Fichten noch nicht ganz so sehr im Borkenkäfer bräunen. Es war unser freier Tag, wir arbeiten am Wochenende und nehmen uns frei einen Tag unter der Woche, weil der See dann leerer ist und wir bleiben länger. Ein Trampelpfad führt auf Baumnadeln und Wurzeln nach unten, das Ufer ist steinig und schattig, es ist ein schöner neuer Ort. Wir schwammen und ließen Steine über den See springen, unsere Werftechniken unterscheiden sich stark und so auch die Gleitbahn der Steine. Trotzdem springen unser beider Steine durch die gewellte Oberfläche, meine 7mal und die des Freundes 13mal. . Wir sind ja nicht abergläubisch und trotzdem ging dann plötzlich ein alter Mann an uns vorbei, mit wirrem Blick und wirrem Haar. Immer wieder. Seine Hose war rot, seine Haare grau. Nach einer Weile waren nur seine Haare grau und er nackt und er ging zwischen den Bäumen an uns vorbei, langsam und mit einem Blick, der gleichzeitig ignoriert und spioniert. Der Hund irritiert und bellend. Man kennt ja den alten weißen Mann und ist daran gewöhnt, dass er nicht immer rational, sondern in einem Narzissmus handelt und sich deshalb für den Größten hält, und wir schoben sein Verhalten auf unsere Erfahrung. Ich lag mit Saša Stanišić in der Sonne und der Freund mit Flexen in Miami, als zwischen den Bäumen ein anderer Mann begann uns zu beobachten. Scheu wie ein Reh schob er mit einer Hand die Zweige auseinander, legte dabei die freie Hand auf sein freies Geschlecht und kam dabei immer näher. Ein weiterer Mann ging durch die Bäume, lautlos, eine nacktes Streifen durch den Wald, ein streifender Blick, ein Streifen Grusel in meinem Herz und meine Glieder versteiften sich, die Herkunft wurde schwer in meinen Händen vor der Sonne.

Die Frequenz mit der nackten alten Männer an uns vorbeigingen erhöhte sich,

sie suchten sich in uns,

wir waren sie nicht,

sie suchten sich gegenseitig,

sie suchten sich nackt,

sie fanden sich,

wir gingen.

Wenn seltsames Verhalten gehäuft auftritt, dann ist man vielleicht an einen Ort geraten, an dem man selbst die Seltsamkeit verkörpert, dann hat man vielleicht das Verständnis fürs neue Umfeld noch nicht gewonnen. Oben entdeckten wir den Aufdruck FKK auf dem Boden, der von der Straße zu unserem Badeplatz zeigte. Ein Mann hatte noch gefragt, ob wir gehen oder kommen.

Wir gehen

von fliegendem Wechsel

hat er dann gesprochen,

wir fliegen nach Hause in unserem Gefühl an einem Ort gewesen zu sein, der uns nicht gehört und wir lachten auf dem Weg nach Hause und keuchten vor Lachen auch noch als wir den Berg nach oben fuhren. Außer Atem auch vom Anstieg stockte uns der Atem als plötzlich die ersten Bienen über die Straße krochen. Wir umfuhren sie und mit uns flog plötzlich ein  Bienenschwarm, zwei Menschen in Imkerausrüstung am Rande des Blickfelds, in dem sich sonst nur Bienen befanden, Bienen umflogen die Köpfe der Imker und umflogen unsere, am Straßenrand zwei Bienenkästen und die Luft dick und schwer von Bienenschwärmen. Wir schlossen unsere Münder und fuhren durch die Bienen so schnell wie möglich.

Es ist schön am Sorpesee.

 

 

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