Straßenunterhaltungsdienst
Veröffentlicht von am 11.07.2017 17:04 2 Kommentare

Im Spätsommer 2015 ging ein Schreiben der vereinigten Straßenzüge beim Kölner Kulturamt ein. Darin war von einer Langeweile die Rede, die weite Teile des Straßennetzes befallen hatte. Einige Straßen baten um akrobatische Darbietungen an Straßenschildern, andere um Konzerte auf Verkehrsinseln. Der Brief schloß mit den Worten:

Wir fordern eine flächendeckende Unterhaltung. Wo Streusand rieselt, kann auch Kultur gestreut werden!

Das Kulturamt rief daraufhin im Februar 2016 den Straßenunterhaltungsdienst ins Leben. Allabendlich rücken seither in der Zeit zwischen 22-23h Fahrzeuge mit Künstlern aus, um die Straßen im Großgebiet Köln zu unterhalten. Bodentiefe Laufsprecher ermöglichen eine zielgerichtete Übertragung der Beiträge auf Bordsteinniveau.

Als besondere Herausforderung stellte sich der Wunsch eines Schleichweges dar: Er forderte vom Kulturamt die Lesung eines ukrainischen Lyrikers. Das Wort zeitnah fiel, sonst, so hieß es im Schreiben weiter, sei mit massiven Pflastersteinangriffen auf eine der anliegenden Hauptverkehrsstraßen zu rechnen.

In enger Zusammenarbeit mit Interpol setzte das Kölner Kulturant unverzüglich alle Hebel in Bewegung, um den Lyriker ausfindig zu machen. Der 57-jährige Autor, der zurückgezogen in den Wäldern lebt, verfügt über keinen Internetanschluss. Nach zweiwöchigen Bemühungen seitens des Kulturamtes gelang jedoch über die örtliche Apotheke einen Telefonkontakt zum Autor herzustellen. Der Lyriker nickte während des Gesprächs mehrmals, und vom Apotheker aufgefordert, sich endlich zur Einladung zu äußern (das Nicken sei in Köln nicht sichtbar), sagte er leise in den Hörer hinein:

Wenn die Straßen es fordern, wage ich es nicht, mich zu widersetzen.

Vor Ort angekommen, lehnte der Lyriker (der ungenannt bleiben möchte) den Einsatz eines Übertragungswagens ab, legte sich direkt auf den Weg, sprach in den Kies hinein. Zwischen seinen Zähnen ein leichtes Knirschen.

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