Erzähloase und Hofladen

Eine Radfahrergruppe aus Düren sitzt glücklich erzählend neben dem Kamin, inmitten von weißer Weihnachtsdekoration. Es weihnachtet schon sehr im „Beecker Bauern- und Erzählkaffee“ in Geilenkirchen. Der Dialekt der Radfahrer fällt mir auf. Er erinnert mich an das Öcher Platt, muss aber dem Radlerdress zur Folge die Dürener Variante sein. Hier wird nicht nur die Tradition des Erzählens weitergeführt, sondern dabei – und das liegt nahe – wird auch der Dialekt gepflegt, denke ich. Das erwartet man auch von einem Bauerncafé. Kaffee trinken, Kuchen essen und von damals oder heute reden. Eigentlich der ganz normale Sinn und Zweck eines Cafés. Aber hier ist der Name Programm. Das Café soll eine Erzähloase sein.

Ich zähle sechs Kuchen und vier Torten. Die Auswahl kann sich sehen lassen, ebenso wie die Größe des Cafés mit dem geräumigen Biergarten im Hof. Ich hatte mir das kleiner vorgestellt. Wenn man bedenkt, dass der Ortsteil gerade mal 500 Einwohner hat, sind 120 Plätze im Café schon eine Hausnummer. Ich wähle an der Theke einen Kirschstreuselkuchen und komme mit dem Inhaber Harald Rutte ins Gespräch. „Seit 14 Jahren gibt es das „Bauern & Erzählkaffee“ und seitdem war es jeden Sonntag voll ausgebucht. Durch Beeck kommen viele Radfahrer. Für sie ist das Café mittlerweile ein Treffpunkt und Ort zum Erzählen geworden“, sagt er. Genau das zu erreichen, sei sein Konzept gewesen. Sein Steuerberater riet ihm von der Idee ab, ausgerechnet an Ort und Stelle ein Café von solchem Ausmaß einzurichten. Er könne das Geld genauso gut in das Beeckfließ werfen – jenen Bach, der dem Ort den Namen gab. Eine Werbeagentur prophezeite ihm, mit dem Namen „Beecker Bauern- und Erzählkaffee“ könne man nicht durchstarten. Es sei kein Name, sondern eine Tätigkeitsbeschreibung. „Und genau das wollte ich so haben“, sagt Rutte, den seine Idee nicht Lügen strafte.

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