April in Zülpich (III)

Ich, das Chamäleon,
war nirgends zu sehen,
krallte mich fest auf der Karte.

Ich roch das Nichts,
ich vermied die Nähe
und schlüpfte in die Worte,
die Städte waren,
Länder, Meerengen, Gebirge.

Ich suchte auf meinen Streifzügen durch
Buchstabenketten
einen Milimeter Morgengrauen,
eine winzige Falte Zuhause.

Eine dünn eingezeichnete Straße führte dorthin.

nach Michael Wallner: April in Paris

Mehr Gedichte mit dem Textmarker gibt es hier: neonstift

Mehr von Pascal Bovée

April in Zülpich (II)

Mit dem Stadtplan von Paris versuche ich mich in Zülpich zu orientieren. Crossmapping nennt sich das. Ein Tipp von Felicitas. „Wenn du lieber etwas anderes finden willst, als du eigentlich suchst.“ Um die Métro-Station namens Tolbiac hat Felicitas einen Kringel gemacht. Tolbiac sei der französische Name für Zülpich, hat sie erklärt. „Vom lateinischen Tolbiacum.“

Ich folge der Promenade, die um die Stadtmauer führt. Dahinter liegt diese Geschichte. Ich gehe erstmal außen herum. Spatzen zirpen. Pusteblumen werden verweht. Eine Hummel fliegt in Zeitlupe vor meinen Augen vorbei, von links nach rechts kreuzend wie Maja und Willi Ende der 70er Jahre. Vor der Zeit geschützt scheint dieser Ort.

Ein kleines Mädchen wirft seinen pinken Roller ins Gras. Mit seinem Marienkäferhelm fügt es sich ganz selbstverständlich in die Landschaft unter den hohen, grünenden Bäumen ein. Hinterher kommt der Vater mit der noch etwas jüngeren Schwester an der Hand. „Was steht da?“ Die Tochter mit dem Marienkäferhelm heißt Amalia. Sie zeigt auf eine Tafel mit einem Vers. Er hängt unter einem Kreuz an einem Turm der Stadtmauer. Zwei Treppen, beide von einer Schranke bewacht, führen von den Seiten hinauf zu der Inschrift. Der Vater liest vor: „Zülpichs wehrhafte Mauern künden die Namen der – “ Dann bricht er ab, nuschelt es nur noch zu Ende, weil seine Töchter bereits die Stufen zu dem Denkmal erklimmen, das sich „Ehrenmal“ nennt. Ich lese zu Ende: Zülpichs wehrhafte Mauern künden die Namen der Helden, die / Ein lebender Wall / Fielen für Heimat und Volk. „Die Neugestaltung des Ehrenmals freundlich unterstützt“ haben das Jagdbombergeschwader 31, die Luftwaffeninstandhaltungsgruppe 23, ein Oberst a.D. und einige lokale Firmen. Für Heimat und Volk. Die Art und Weise des Gedenkens scheinen sie nicht neu gestaltet zu haben.

Drei junge Männer in schwarzen T-Shirts setzen sich auf eine Bank vor der Mauer mit dem Wehrturm, um zu rauchen. Auf einem der T-Shirts steht Star Wars. Wäre mir das an einem anderen Ort aufgefallen? Es ist normal. Ich bin damit aufgewachsen. Mit Star Wars, dem Film. Und mit Star Wars von Ronald Reagan. Mein Vater kam aus einem Ort mit solchen Wehrtürmen und Stadttoren aus Backstein nach Deutschland. Ende der 70er Jahre war das. Er ist nicht wie Biene Maja geflogen, er war bei der Luftwaffe. Militärtraditionen fühlen sich fremd an, merkwürdig – und zugleich ist das Teil von mir, von zuhause. Es gehört dazu. Wie das Unbehagen.

Auf dem Smartphone suche ich nach einer Bibliothek, um dort vielleicht mehr über die Zülpicher Stadtgeschichte herauszufinden. Die nächste steht angeblich elf Kilometer entfernt in Euskirchen. Ich gehe in die Geschichte hinein, durch das Tor. Das erste, was ich sehe, ist die Spielhalle Mega Fun. Per Aushang sucht sie Service-Personal. Aber Spielsucht ist gerade nur online möglich, deshalb kommt dieser Job nicht infrage. Auch wenn man, das weiß ich aus Erfahrung, dort viel über eine Stadt lernen kann. Auch über Soldaten. Und über sich selbst. Ich betrachte mein Spiegelbild im Fenster von Mega Fun. Wie ich mit dem Hintergrund, den Bäumen, dem Backstein verschwimme. In der Hosentasche habe ich Felicitas Karte, den Stadtplan von Paris. Ich könnte es damit probieren. Etwas anderes finden.

Ich falte die Karte auf. Hier ganz in der Nähe liegt, will sie mir sagen, die Bibliothèque Nationale. Einfach zwischen den Türmen hindurch, so wie eben und dann kommst du auf einen großen Platz. Ich gehe in dieser Richtung eine schmale Straße entlang, mit Ladenlokalen zu beiden Seiten. Rechts ein Zweiradhandel mit Kindermotorrad im Eingang, eine Apotheke. Links eine Eisdiele, wo die Apothekengehilfin gerade die einzige Kundin ist. Ein Stück weiter eine Zoohandlung ohne Tiere. „Heute wegen gestern geschlossen“, sagt ein Aufkleber am Schaufenster. Auf einem anderen mit dem Slogan „Wir helfen Tieren in Not“ hat die Sonne den abgebildeten Hund aufgefressen. Im Versicherungsladen lackiert sich die Kauffrau die Nägel. Kunden sind keine in Sicht. Ich bleibe kurz stehen, überlege, wogegen ich mich versichern lassen könnte, aber ich traue mich nicht hinein. Ein römischer Legionär bewacht hier den Eingang. Er ist aus Pappe und hält eine Pappe hoch. Was darauf mal stand war womöglich Latein. Heute hat er mir nichts zu verkünden.

Ich komme zum schönen Papiermacherbrunnen. Hier hat die Buchhandlung wieder geöffnet. Ist das hier der Platz auf meiner Karte? Der Ort der Bücher? Die Papiermacher schöpfen aus einem Bottich, der überläuft. Leise plätschert das Wasser an ihren Füßen vorbei. Dann blinkt es wie Kirmes. Es ist Amalias Roller, der über das Pflaster rattert. Seine Räder leuchten beim Fahren. Amalia lehnt ihn gegen das Schaufenster der Buchhandlung. Neben ihr drückt sich ihre Schwester die Nase platt. Sie hat drinnen etwas entdeckt, dass sie unbedingt haben will. Der Vater schüttelt den Kopf. Er bugsiert die beiden am Brunnen vorbei. „Ihr wolltet doch eben noch ein Eis.“

Als sie weg sind, schaue ich nach, was so interessant war in dem Schaufenster. Neben den Kinderbüchern liegt Spielzeug. Am meisten interessiert mich ein „bunter Plopper“. Er ist pink wie Amalias Roller. Eigentlich springt er hoch, wenn man ihn umstülpt und auf den Boden stellt. Aber man kann ihn auch an etwas befestigen, wenn man ihn anders herum dreht. Ganz fest mit Unterdruck würde der Plopper dann auf einer glatten Oberfläche haften und wie ein Pickel aussehen. Zum Beispiel auf dem Schild mit der Ehre, außen an der Stadtmauer. Ich gehe hinein zu dem Plopper. Und kaufe mir bloß einen Textmarker.

Draußen am Brunnen falte ich die Karte noch einmal auf und suche die Métro-Station Tolbiac. Sie muss ein Stück weiter nach rechts sein. Dort hinter der Pizzeria Pinocchio. Die residiert in einem gotischen Rathaus mit einer Laube über dem Eingang. Wenn ich dem Stadtplan vertraue, ist das die Place d’Italie. Hier essen zu gehen, bedeutet, so lange zu lügen, bis deine Nase 1,50 misst.

Ich komme auf einen anderen Platz. Kein Bibliotheksturm steht hier, aber die Miniatur, ein Bücherschrank von RWE in verrosteter Optik. Käsmarkt steht auf einem Straßenschild. Ist es hier? Ist dieses Loch im Boden des Platzes die Métro-Station? Ausgrabungen, sagt mir eine Info-Stele. Vielleicht verlief sie früher über den Käsmarkt, die römische Straße. Von Tolbiacum nach Lutetia, als Untergrundlinie mit Pferden geplant, Stationen Käsmarkt, Place d’Italie, über Porte de la Villette bis La Courneuve 8 Mai 1945.

Im Bücherschrank stehen:

  • Die letzten Tage von Pompeji
  • Der Tod in Venedig (2x)
  • Mann im Dunkel
  • Von Mäusen und Menschen
  • Das Parfüm (3x)
  • Semester der verlorenen Zeit
  • April in Paris

Der Schrank ist von einem breiten Tesastreifen wie von einem Gürtel umschlungen. Aktuell sei die Buchausgabe untersagt, steht auf einem Verbotsschild. Niemand kann von Paris lesen in Zülpich, niemand vom Tod in Venedig, von diesem verlorenen Semester. Nicht in einem alten Buch jedenfalls.
Ein Bettler, ich nenne ihn Clochard, läuft auf dem Platz hin und her wie ein Flipperball. Fragt erst da nach Kleingeld, dann dort, dann hier. Der alte Mann, der auf der Türschwelle seines Hauses steht, winkt bereits von weitem ab. Die Freundinnen auf der Bank schütteln auch schon die Köpfe. Das Betteln auf Abstand ist schwer. Und Flaschen stehen jetzt selten auf Plätzen herum. Ich stelle mir vor, die Bundesregierung verkündet ihre Fördermaßnahme für die Obdachlosen – ein neues Pfand für Masken und die Stadt Zülpich, mit freundlicher Unterstützung der lokalen Firmen, baut ein Denkmal an der Stadtmauer für die Obdachlosen, die sie gesammelt haben.

Mich übersieht der Clochard, denn ich stehe hinter den Büchern. Durch die Glastür des Schrankes sehe ich ihn an. Zwei Glastüren eigentlich, denn von beiden Seiten kann man die Bücher entnehmen. Wenn kein Klebeband es verhindert. Dann kommt der Clochard auf mich zu. Gegenüber stützt er sich mit der linken Hand an der rostigen Hülle ab. Mit der rechten reißt er das Tesa herunter. Seine Augen sind hell wie Laternen. Sie durchsuchen die Reihen, die Titel. Zwischen den Büchern her sehen sie mich an. Lächeln ein mildes Lächeln. Dann nimmt der Clochard ein Buch heraus, schlägt es auf und beginnt, über den Platz zu flanieren, laut daraus rezitierend. Wörter, die klingen wie Medikamente. Es ist ein Wörterbuch Lateinisch – Deutsch.

Ich nehme mir auch ein Buch aus dem Schrank und hole den Textmarker aus der Tasche.

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Alles aus einem Topf

Nicht nur die Südwestfalen aus meiner Geschichte im Beitrag Zur Soziologie der Mahlzeit träumen von Paris, von Austern und Champagner. Der Germanist und Schriftsteller Hans-Josef Ortheil erzählt in seiner Hommage für Roland Barthes, wie er sich letzteres in einer Pariser Brasserie bestellt. Dies geschieht in der elsässischen Brasserie Bofinger, in der Barthes selbst weder Austern und Champagner, sondern Bier und Sauerkraut zu sich genommen hat.

Ortheil reflektiert über diesen Regressmoment des französischen Philosophen, der mit dem Verzehr von Speisen und Getränken, die an seine Herkunft anknüpfen, in die Ursprungskammer der Lebenslinien begibt. Diese Kammern, denen man seine Existenz verdankt.

In der Liebe zur Brasserie ist also nichts anderes als eine atavistische Neigung zu sehen, eine Rückkehr zu den Wurzeln, ein sich Fortträumen in Kindertage, an denen sich das Kind bei den Großeltern an den Tisch setzte.

Auch ich befinde mich in den von Ortheil beschriebenen atavistischen Zustand, als ich Sylviis „Tischlein deck dich“ in Altena das erste Mal betrete. Ein in sich geducktes Fachwerkhaus, ein Lokal wie ein Wohnzimmer, die Tische mit feinen Tischdecken gedeckt, der Geruch von gekochten Kartoffeln, Kohl und Fleisch, ein lächelndes Gesicht hinter der Theke.

Das kleine Restaurant von Sylvia Schmerder wirkt wie ein Lichtfleck im Trist der Arbeiterstadt, die sehr große Abwanderungszahlen zu verkraften hat. In der es Tradition war, dass die Männer in den Kneipen nach dem Schaffen noch was trinken gingen, damit die Frauen sie dann nach Hause holten, bevor der ganze Lohn an der Theke blieb. Dabei wirkt Altena gar nicht so grau und trist, wie sein Ruf.

Die Fahrt durchs Rahmedetal ist sehr schön. Die zwölf Kilometer am Fluss entlang fühlen sich an, als jage mein Wagen durch ein aufgeschlagenes Geschichtsbuch, eine Zeitreise rückwärts. Am Ufer liegen rostige Fabrikgebäude, man könnte meinen, sie wären den Bildern von Bernd und Hilla Becher entflohen, aber dann würde man völlig übersehen, dass hier schon vor tausend Jahren Menschen Eisen und Draht herstellten.

Der Fluss hier hat ältere Geschichten zu erzählen, von drehenden Rädern, die die Blasebalge der Schmiedefeuer und die Fallhämmer in Gang brachten, um das Erz, das aus den Bergen Südwestfalens geschürft wurde, zu schmelzen und zu Eisen zu verarbeiten.

Wovon mögen sie sich wohl ernährt haben, die Schmiede, die sich dort bereits seit dem Mittelalter auf das Drahtziehen spezialisiert hatten? Ihnen diente als Nahrung das, was in der Region zu finden war, der aus dem Mittelmeer eingewanderte Kohl, die aus Amerika kommende Kartoffel, Karotten und das Fleisch vom Hof oder aus den Wäldern.

Landwirtschaft war niemals primärer Produktionssektor der Region, hier wurden von den Männern die Metalle aus den Bergwerken geschafft, während die Frauen Kinder, Haus und Hof versorgten, gemeinsam wurden die Felder bestellt, das Nötigste eben, was zum Leben gebraucht wurde, der Kosmos des Alltags reduzierte sich auf Arbeit, Familie, Nachbarschaft. In dieser Reihenfolge. Und so ist es heute noch.

Die Zeit ist stehen geblieben in Südwestfalen, was vor allem auch daran liegt, dass sie hier niemals gezählt wurde. Als um Dortmund und Essen noch Äcker standen, gab es hier bereits eine frühe Form der industriellen Produktion, und die Industrie gibt es heute noch. Die Region passt sich an, sie produziert immer weiter, ohne davon viel Aufheben zu machen.

Ernährung gehört zu den menschlichen Grundbedürfnissen. Aber Essen, so die Sozialanthropologin Mary Douglas, beinhaltet auch immer eine soziale Botschaft. Es erzeugt Nähe und Distanz, ist Faktor der Inklusion, genauso wie der Exklusion. Und das Lokale ist in der Region wichtig.

„Ohne das“, meint auch Sylvia Schmerder, „ginge es hier gar nicht.“

Die Herkunft spielt eine wichtige Rolle im Verständnis der Menschen. Was der Südwestfale nicht kennt, frisst er nicht? Nicht wirklich, denn die Gerichte im „Tischlein deck dich“, sind zwar vom Lokalen inspiriert, weisen aber eine hohe Qualität auf. Regionale Küche der haut de gamme, sozusagen. Doch es findet keine soziale Hierarchisierung statt. Für Sylvia Schmerder es wichtig ist, alle Menschen in Altena mit ihrer Küche anzusprechen und zu erreichen und so passt sie auch ihr Angebot an die unterschiedlichen Bedürfnisse an.

„Alles in einem Topf“, ist nicht nur ein sehr beliebtes Gericht bei ihr, sondern auch Devise. Überhaupt sind Eintöpfe in der Region sehr beliebt.

Denn sie ist sich bewusst darüber, dass der Stand der Bürger im Teller abzulesen ist, Wirsingroulade für die Reichen, Weißkohlroulade für die arme Bevölkerung. Nicht nur in Indien ist die Nahrung ein Marker für die Positionierung in der gesellschaftlichen Hierarchie. Mahlzeiten, so Mary Douglas, haben auch immer eine ordnende Funktion.

Foto: Dirk Vogel

Im Tischlein deck dich gibt es für alle etwas und alle werden auf dieselbe freundliche Art bedient. Kartoffeln in allen Variationen, über Püree zu Reibeplätzchen bis zum Salat. Leberkäse, Mettwurst, Fleischwurst, Bockwurst, Rind, Kalb, Wild. Alles kommt in den Topf und auf die Teller.

Für Sylvia Schmerder ist Toleranz sehr wichtig. Alle sollen bei ihr satt werden. Und so gehören auch die köstlichen Torten und Kuchen, die sie selbst macht dazu. Überhaupt, macht sie alles selbst.

Die Kartoffeln werden abends geschält und eingelegt, genau wie die Brötchen für die Bouletten. Ab morgens früh steht sie in der Küche um mittags ihre Gäste zu bedienen. Sie serviert täglich zwanzig Gedecke, plus den Mahlzeiten zum Abholen. Bei Sylviis gibt es übrigens kein Einweggeschirr. Wer nicht seine eigene Tupperware oder Kochtopf zum Abholen oder Mitnehmen mitbringt, dem wird ein Topf zum Mitnehmen ausgeliehen und das ohne Pfand. Für die Gründerin ist das Restaurant wie eine Großfamilie, die sie täglich versorgt.

Es ist ein modernes Ein-Frau-Unternehmen und gleichzeitig eine lokale Fortsetzung der Region vertrauter Traditionen. In der zwar noch die traditionelle Arbeitsteilung vorherrscht, mit dem Mann auf der Arbeit, der Frau im Haus, die doch auch nur wieder die große Leistung der Frauen für die Gesellschaft verschleiert. Das Los der Care-Arbeit, verkannt und missachtet. Sylvia Schmerder steht als Gründerin allein hinter der Theke, sie bedient, kocht und macht den Abwasch und den Einkauf selbst.

Früher, erzählt sie, hatte ihre Familie noch den eigenen Garten und die Selbstversorgungskultur der Großfamilie sie entscheidend geprägt.

Auch Roland Barthes entdeckt, wie Mary Douglas, in der Ernährung eine Art der Kommunikation. Ein sozialer Code, der sich entschlüsselt indem er wie ein Zeichensystem dechiffriert wird. Essen ist Mythos des Alltags und transportiert sich im kulturellen Gedächtnis.

Die Selbstversorgermentalität ist den Südwestfalen geblieben, doch auch hier wurde sich angepasst. Statt des eigenen Gartens, wird die lokale Küche bevorzugt.

Meine Mutter hat auch oft von dem Garten ihrer Eltern gesprochen und auch sie hat für uns Kinder aus ihrem eigenen Garten gekocht. Eigentlich hatten fast alle unsere Nachbarn einen. Wenn ich hier Garten schreibe, dann dürft ihr euch nicht ein paar Tomatenstauden und Erdbeerbüschel vorstellen, wie man das heute so aus unseren Vor- und Stadtgarten kennt.

Sondern Salat-, Karotten- und Kartoffelfelder, Kräuterbeete, Tomaten und Paprika, Zucchini, Gurken, eben alles was eine gute Küche so braucht, dazu Rhababerfelder, Stachel-, Him- und Blaubeeren. Apfel-, Birnen- und Kirschbäume.

Ein richtiger Garten eben, zu dem auch Hühner gehören und Schafe, Ziegen, vielleicht sogar Bienen. Mit selbstgemachter Marmelade. Nachhaltigkeit ist in der Region von langer Dauer und keine Modeerscheinung.

Das alles gehört der Vergangenheit an, für Hühner hat heute kaum noch jemand Zeit. Aber bei Sylviis kann man sie noch schmecken. Um einen solchen Garten zu halten, müssen mindestens drei Generationen unter einem Dach leben und zusammenarbeiten. Doch dem steht der große Bevölkerungsschwund eben im Weg. Es fehlt an Kulturangeboten, damit die Region attraktiver wird und zum Bleiben einlädt. Dabei gehört Sylviis Tischlein deck dich definitiv zu einem gehobenen kulturellen Angebot, doch nur, wenn dies aus der richtigen Perspektive betrachtet wird, wenn sich bewußt gemacht wird, dass auch Roland Barthes sich gerne Avitarismus hingab, dass daran nichts negatives ist, neben Austern kann auch Sauerkraut und Kohl bestehen, wie bei der Brasserie Bofinger in Paris.

Sylvia Schmerder, die Gründerin von Sylviis Tischlein deck dich

Foto: Dirk Vogel

Bei ihr werden alle satt, und es schmeckt ganz wunderbar.

Foto: Dirk Vogel

Wenn Corona vorbei ist, dürfen wir uns auf köstliche Kuchen freuen.

Foto: Dirk Vogel

Zur Zeit leider, wegen der Coronakrise geschlossen, doch hoffentlich bald wieder offen!

Die Bilder im Beitrag sind von Dirk Vogel, ganz herzlichen Dank!

 

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