Ich hatte Angst vor der Hölle

Ich habe in den 90er Jahren in einer christlichen Versandbuchhandlung in Wuppertal gearbeitet und dabei den Begriff „christliche Nächstenliebe“ in einer ganz neuen Dimension kennen gelernt.

Rolf Urspruch

Vor dem Treffen mit Rolf Urspruch habe ich mich ein wenig gefürchtet. Nach seiner ersten Mail an mich war klar, da würde einer erzählen, wie zerstörerisch Arbeit für Menschen sein kann. Und, das war mein erstes Gefühl, da war noch etwas, das darüber hinaus ging.

Wir treffen uns am Hans-Dietrich-Genscher-Platz am Bahnhof Barmen, Rolf Urspruch ist pünktlich, ein eher scheuer, zurückhaltender Mensch, der aber umso entschlossener wirkt. Er rollt das R und vielleicht ist er mir deshalb gleich sympathisch.

Keine 1.700 DM habe er verdient, als er Anfang der 1990er Jahre in der christlichen Versandbuchhandlung Verlag und Schriftenmission eine Vollzeitstelle antrat. Das wären heute nicht einmal sechs Euro die Stunde.
Ich hatte damals keine Ahnung, sagt Rolf Urspruch, dass das Ausbeutung ist, über Gehalt hat man einfach nicht gesprochen, auch unter den Kollegen nicht.

Wir spazieren Richtung Barmer Anlagen, die ehemalige Trasse der Barmer Bergbahn entlang. Früher, erzählt Rolf Urspruch, sind die Familien am Wochenende und an Feiertagen mit der Bahn zum Toellerturm hoch. Da war immer was los. 1959 wurde sie leider wegen Unwirtschaftlichkeit geschlossen.

Die Sache in der christlichen Versandbuchhandlung fing gleich mit einem großen Hindernis an. Ein Teil meiner Tätigkeit bestand darin, Büchersendungen zu kontrollieren und dazu musste ich natürlich sitzen. Es gab aber keinen Stuhl zum Schreibtisch. Als mein Chef morgens reinkam, fragte ich ihn, ob er mir nicht einen Stuhl besorgen will. Aber das hat er abgelehnt: Sie bekommen keinen Stuhl. Und da hat meine Kollegin Martina mir etwas Gutes getan und aus ihrem Elternhaus einen Drehstuhl geholt.

Ich war sehr ängstlich damals

Dieser Stuhl, sagt Rolf Urspruch, während wir tapfer den Berg hochlaufen, war dann hart umkämpft. Komischerweise nur mein Stuhl, nie der Stuhl der Kolleginnen. Seitdem er da stand, wurde er von unseren Kunden mitgenutzt. Das waren Leute aus anderen Gemeinden, die Kommissionsware zurückbrachten und neue Bücher aussuchten. Die waren offensichtlich der Meinung, dass ich keine Berechtigung hatte, auf diesem Stuhl zu sitzen, da standen also ständig dreckige Bücherkartons darauf oder Mäntel oder Jacken lagen auf der Lehne, kaum war ich nur mal kurz weg. Manche setzten sich auch einfach und standen nicht mehr auf, selbst wenn ich direkt daneben stand. Und ich habe mich nicht getraut, denjenigen zu bitten, aufzustehen. Ich hatte Angst, der bleibt sitzen, der weigert sich und was mache ich dann? Das ist dann ja noch demütigender.

Auf den Aufnahmen höre ich, dass wir immer noch bergauf gehen. Ich sage nichts. Die Verletzung von damals ist bis heute in Rolf Urspruchs Stimme zu hören.

Seit ich sechs Jahre alt bin, zumindest kann ich mich solange zurück erinnern, war ich schwer depressiv. Bis vor zwei Jahren. Ich hatte Angstzustände, Angst vor Menschen, Angst vorm Leben, Angst vor der Hölle. Also sehr stark von meiner christlichen Erziehung beeinflusst. Und deshalb konnte ich auch nicht soweit denken, dass ich vielleicht zu wenig Gehalt bekam.

Ich war sehr ängstlich damals, sagt Rolf Urspruch, ich habe nur die Kartons genommen und in eine Ecke gestellt, wo sie niemanden störten. Und wenn ich dann wieder aufstand und an meinen Platz kam, stand wieder alles voll.
Einmal, erzählt er, war ein Ehepaar aus Leverkusen da, schon etwas älter, wieder stand der Karton auf meinem Platz, wieder stelle ich den Karton an eine andere Stelle, und da sagte der Mann zu mir, du kannst froh sein, dass du hier arbeiten darfst.

Der Vorwurf lautete auf Hurerei

Hier war mal ein Planetarium, sagt Rolf Urspruch. Es wurde im Krieg beim Fliegerangriff auf Barmen zerstört und leider nicht wieder aufgebaut. Bekannte von ihm, erzählt er, die damals Kinder waren, hätten sich in die Wupper geschmissen, um den Flammen zu entgehen, und dort in den Fluten haben sie sich kennengelernt und später geheiratet.

Seinem Arbeitgeber, der Stadtmission, gehörte auch ein Altenheim in der Nähe von Siegen, der Leiter hatte eine Mitarbeiterin, die mit ihrem Freund ohne Trauschein zusammenlebte.
Und das wurde ihr ständig vorgeworfen, der Vorwurf lautete auf Hurerei. Er muss die ziemlich terrorisiert werden. Wenn diese Menschen bei anderen Sünde feststellen, können sie wirklich zudringlich werden, sagt Rolf Urspruch, und er sagt es so, dass man die Zudringlichkeit förmlich spüren kann.
Was hat Sie denn an der Stelle interessiert, warum wollten Sie dort arbeiten, frage ich.
Ich war froh, dass ich etwas gekriegt hatte, ich wollte unbedingt eine Stelle haben. Vom Arbeitsamt wurde mir eine Ausbildung zum Bürokaufmann vorgeschlagen, in einem Ausbildungszentrum, aber mir ging es psychisch ganz schlecht und ich wusste, das halte ich nicht durch. Und zur selben Zeit hatte ich auch meine Freundin kennengelernt, die in Wuppertal lebte und mit der ich dann 27 Jahre lang zusammen war. So gesehen war es die richtige Entscheidung, ebenfalls nach Wuppertal zu ziehen.

Bei Gott entschuldigen für jeden Mist

Als Kind hatte ich das Pech, ich musste in die Sonntagsschule der Brüdergemeinde gehen, und da ging es viel um die Hölle. Ich hatte unheimlich viel Angst vor der Hölle, mein ganzes Leben lang, ich war mir sicher, dass ich in die Hölle kommen würde und habe angefangen, religiöse Zwänge zu entwickeln. Zum Beispiel, ich muss mich dauernd bei Gott entschuldigen, wegen jedem Mist. Wenn mir der Deckel vom Mülleimer runterknallte, musste ich mich bei Gott entschuldigen. Und wenn ich heil über die Straße gekommen bin, musste ich mich sofort bei Gott bedanken.

An Wuppertal liebt er die Industriearchitektur und vor allem liebt er die Schwebebahn. Besonders im Stadtteil Vohwinkel, das bis heute von der Konstruktion der überirdischen Bahngleise dominiert wird. Er selbst kommt vom Dorf, in der Nähe von Marburg in Hessen, die Gegend ist ländlich und auch stark religiös geprägt, viele Freikirchen gibt es dort, ähnlich wie im Bergischen Land.

Rolf Urspruch vor der Schwebebahn in Wuppertal

Allerdings hatte ich auch Angst vor Menschen, vor allem vor Männern. Und das wussten die in meiner Arbeitsstelle. Zum Beispiel mein Chef, der war ein erfahrener Mann mit viel Menschenkenntnis, als Missionsinspekteur bereiste er die ganze Welt und guckte sich die Arbeit der Missionare an; er war zuständig, wenn es Konflikte gab. Der konnte Menschen gut einschätzen und er hat sofort gesehen, dass ich mich nicht wehren konnte. Schon beim Bewerbungsgespräch hat er gemerkt, wie konfliktscheu und ängstlich ich war, sonst hätte er mir nie diesen schlecht bezahlten Job hingeknallt.

Die Sache mit der Schokolade

Was waren denn Ihre Aufgaben?
Wareneingang und Warenkontrolle und einfache Werbetätigkeit, Zettel falten und Sachen tackern, das war es in der Hauptsache.
Konnten Sie denn von dem Gehalt leben?
Ich hatte keine Gehaltsvorstellungen, aber ich habe schon bald gemerkt, ich komme nicht richtig aus mit dem Geld. Die Kollegen konnten sich ein Auto leisten und jedes Jahr in den Urlaub fahren. Ich dagegen bin immer zu meinen Eltern nach Hessen gefahren und mein Vater hat mir 100 Mark gegeben, damit ich die Fahrtkosten bezahlen konnte. Ich habe aber daraus geschlossen, dass ich eben nicht so gut mit Geld umgehen kann wie die anderen.

Eine andere Sache, sagt Rolf Urspruch, war die Sache mit der Schokolade. Auf meinem Platz stand immer eine Schale mit Schokolade. Die Leute mussten über meinen Kopf hinweggreifen, über meine Schulter hinweg, um an die Schokolade zu kommen. Dass ich da saß, war ihnen egal, fast so, als wäre ich gar nicht da.
Heute würde man das Mikroaggressionen nennen, denke ich, eine Aggression, die als solche nachzuweisen gar nicht so einfach ist, weil sie so harmlos daher kommt. Aus vielen kleinen Mikroaggressionen entsteht ein Dauerbeschuss, dem das Opfer kontinuierlich ausgesetzt ist.
Ich habe dann angefangen, selbst Schokolade zu essen. Ich war also ziemlich beleibt. Und auf einmal hing da eine Karte an unserer Pinnwand, auf der war eine ziemlich beleibte Person abgebildet. Man ist, was man isst, stand da drauf.
Damit war ich natürlich gemeint, sagt Rolf Urspruch. Er lacht. Das war ziemlich gemein.
Waren die froh, dass sie ein Opfer hatten in Ihnen?, frage ich.
Ja, meint er, das kann schon sein.

Haben Sie Angst vor Hunden?

Wir kommen an einem Kriegerdenkmal vorbei, hier liegen die Helden aus dem ersten Weltkrieg begraben, erklärt uns ein Schild, und Rolf Urspruch erzählt von Gerda, der Sekretärin des Chefs, die sehr tüchtig war und sehr viele Überstunden machte. Sie war allerdings ein bisschen labil. Sie war von meinem Chef abhängig, der hieß Becker, und meine Kollegin Martina sagte, wenn die mal einen neuen Chef kriegt, das kann die nicht. Die kann nur mit dem Becker zusammenarbeiten. Und das, sagt Rolf Urspruch, hat der Becker ausgenutzt. Er hat sie oft bis aufs Blut geärgert, solange, bis die Gerda ausgerastet ist. Und der Becker saß dann da und hat das richtig genossen.
Wie hat er das denn gemacht?
Ach, der war sehr kreativ, der wusste, wie man Menschen verletzen kann. Aber die Gerda nannte ihn immer liebevoll das Beckerle, das sagt ja viel aus. Als der Chef dann die Position aufgegeben und nur noch in der Missionsgesellschaft in Neukirchen gearbeitet hat, ist die Gerda ihm hinterhergezogen.
Er ist früh gestorben, sagt Rolf Urpruch, und was aus der Gerda geworden ist, weiß ich nicht.

Blick von den Barmer Anlage auf die Stadt Wuppertal

Wir sind nun oben angekommen auf dem Barmer Berg und schauen hoch zum Toellerturm, bevor wir zurück zum Bahnhof gehen. Ein Hund steht vor uns und schaut uns boshaft an.
Haben Sie Angst vor Hunden?, fragt Rolf Urspruch, vor manchen schon, sage ich, ich mag jedenfalls nicht, wenn sie mich beißen. Gerade die kleinen schnappen ja gerne mal.
Genau, sagt Rolf Urspruch, die Wadenbeißer, das sind die schlimmsten. Der Hund geht zum Glück zu seinem Frauchen zurück, sie nimmt ihn an die Leine.

Rolf Urspruch hat sich viele kleine Begebenheiten aus einem Arbeitsleben gemerkt, manche davon sogar aufgeschrieben. Meine Kolleginnen und mein Chef waren Mitglieder der Evangelischen Gesellschaft für Deutschland, Radevormwald. Ich gehörte nicht dazu, sagt er, weil ich von einer anderen Landesgemeinde kam. Und wer nicht dazugehört, läuft Gefahr, gemobbt zu werden.

Die nehmen mich nicht für voll

Wir unterhalten uns über die Frage, warum man es trotz schlechter Behandlung nicht schafft zu gehen. Ich denke an die Geschichte mit Gerda; vielleicht, weil man irgendwann kein Selbstwertgefühl mehr hat, schlage ich vor, weil man denkt, man kann es allein gar nicht schaffen? Ja, vielleicht stimmt das sogar, sagt Rolf Urspruch. Ich kam zu dem Schluss, das läuft überall so ab, ich kann mich nicht wehren und werde zum Spielball der anderen. Die nehmen mich einfach nicht für voll.

Nach neun Jahren schafft er es schlussendlich doch zu kündigen, aber ich war am Boden, sagt er.
Kurz danach hat der Laden übrigens pleite gemacht, erzählt Rolf Urspruch. Die hatten ja niemanden mehr, der die stupide Arbeit machte.

Erst als er vor zwei Jahren in das Pflegeheim gezogen ist, in dem er jetzt wohnt, ist plötzlich etwas mit ihm geschehen.
Die sind alle so engagiert da, sagt er. Die lieben dort alte Leute! Und da habe ich plötzlich meine Angst verloren. Er denkt viel über sein Leben nach und warum seine Eltern ihm nichts beigebracht haben. Schade, dass ich keine Kinder habe. Er würde gerne nochmal von vorne anfangen.

Wir trinken noch einen Kaffee, es ist ein warmer Tag im Juni, wir sitzen draußen. Rolf Urspruch möchte, dass ich seinen richtigen Namen veröffentliche. Es musste alles mal gesagt werden. Ein Foto machen wir auch noch. Vor der Konstruktion der schönen Schwebebahn, die ein paar Meter über uns vorbeislidet, Richtung Vohwinkel.

Weiterführende Links zur Straße der Arbeit

Spaziergang vom Bahnhof Barmen durch die Barmer Anlagen
Übersichtskarte (Sauerländischer Gebirgsverein, Bergisches Land)

Mehr von Ulrike Anna Bleier

Das Haus und seine drei MMM

Der folgende Text „Das Haus und seine drei MMM“ ist von Lene B. und im Rahmen des Literaturateliers Südwestfalen entstanden.

Aus einer Regionsschreiberin werden viele, und dazu noch Geheimnisse über Häuser und ihre Bewohner verraten!

Häuser sind wie Lebewesen, nur aus Stein, von Menschen erschaffen: Die Fenster sind Augen, die alles beobachten, die Türen sind Münder, die verschlingen und wieder ausspucken und dass Wände Ohren haben, ist hinlänglich bekannt. Außerdem haben Häuser ein Gedächtnis, das sich entweder im Keller, auf dem Dachboden oder im Schuppen befindet. Leider spucken die Münder keine Worte aus und das Gedächtnis ist oftmals von den Bewohnern geplündert, was aber bleibt, das ist die Aura. Ich bin überzeugt davon, dass Häuser ein Karma haben, ein gutes oder ein schlechtes, je nachdem, was sie so gesehen, gehört und gefressen haben. Und eine Aura, je älter das Haus ist, desto geheimnisvoller. Standardisierte glatte, saubere Neubauten, eher ein paradoxes Zeugnis unseres zeitgenössischen Individualismus, müssen sich ihre Aura erst noch erarbeiten. Wir wohnen in einer etwas älteren Villa. Villen und schöne Häuser aus der Zeit der Jahrhundertwende gibt es viele in dieser Stadt – der Zweite Weltkrieg hat sie unversehrt gelassen und mit Ausnahme von Häusern, die durch Modernisierungswahn oder Zerfall zerstört oder entstellt wurden, ist der alte Baubestand fast durchgehend vertreten. Es gibt prachtvolle Unternehmervillen und hübsche Jugendstil-Bürgerhäuser. Aber dieses Haus ist weder das eine noch das andere, es ist definitiv anders und wir haben tatsächlich schon viele Villen und alte Häuser jedweder Sorte von innen und außen gesehen. Der Stil ist eine Mischung zwischen dem damals modernen Heimatschutzstil, traditioneller Villenarchitektur, außen und innen sichtbare Anklänge an die Idee der Reformpädagogik und die Schlichtheit des Bauhauses.

Außerdem steht das Haus nicht, es residiert, wie es sich für ein Haus mit einer äußerst ehrwürdigen Anschrift, gehört. Damals, zur Zeit seiner Erbauung war es bezogen auf die Straße tatsächlich das allererste Haus am Platz. Errichtet auf einer der höchsten Erhebungen des damaligen Stadtgebiets, etwas außerhalb an einer frisch gekürten Lindenallee, die zu einem kurz vorher errichteten Denkmal führte. Dadurch hatte das Haus einen nahezu unverstellten Blick auf die Innenstadt, wäre dies heute noch der Fall, so könnte das Haus mit beinah allen Türmen des Ortes Blickkontakt halten. Heute müsste sich das Haus etwas verbiegen oder einen Schritt beiseitetreten, was es aber nicht kann, da sein Fundament fest in der Erde verankert ist. Hoffentlich. Umgekehrt ist das Türmchen mit dem kupfernen Turmhelm, das sich an das Haus schmiegt, von etlichen unbebauten und unbewaldeten Punkten der Stadt aus sichtbar, vor allem wenn die Sonne scheint und die Zinnhaube, die roten Dachziegeln und die frisch gestrichene, in einem hellen Muskatton gehaltene Hauswand leuchten lässt. Und das Haus lässt sich gerne und lange von der Sonne bescheinen: Morgens wärmt die aufgehende Sonne das Portal und die vordere Fassade, um einmal um das Haus zu tanzen, die andere Hälfte den ganzen Mittag und Nachmittag lang von Süden und Westen aus zu bestrahlen und dann gegen Abend die Rückseite mit dem Garten in ein rotes Licht zu tauchen. Man könnte das Haus als eines der wenigen Nutznießer der Klimaerwärmung bezeichnen, vor 150 Jahren waren auch in  hier die Sonnentage weniger und dafür die Regentage mehr. Offensichtlich leiden die Alleebäume heute wesentlich mehr unter den veränderten klimatischen Bedingungen der letzten Jahre.

 

Doch auch, wenn es so hoheitlich tut, das Haus ist ein Scheinriese: Von der Hauptstraße aus betrachtet zeigt es ein schlichtes, hochgewachsenes Antlitz mit einem Balkonerker und einem kastenförmigen Anbau. Geht man die Allee entlang, von wo aus der Eingang erreichbar ist, schrumpft das Haus in sich zusammen, dafür rückt sich der Turmerker ins Blickfeld. Ein typisches Element der Villenarchitektur jener Zeit und an dieser Stelle deshalb so auffällig, weil der Betrachter dadurch ein völlig neues Bild vom Haus bekommt. Neben dem Turm tut sich das Eingangsportal auf, von schlichten runden Säulen getragen, der Blick wird direkt auf die bunten, Art Deco-artigen Bleiglasfenster gelenkt, die den inneren Treppenaufgang zu den oberen Gemächern markieren. Das Portal wirkt gerade nicht beeindruckend-abschreckend, sondern warm und einladend. Breit ist das Haus von der Eingangsseite nicht, vom Portal aus sind es nur fünf Schritte bis zur Rückseite des Hauses mit Zugang zum großen Garten. Von dort aus wirkt das Haus klein: tief heruntergezogenes Dach, schlicht, von der Küche ist der Zugang zum Garten ebenerdig. Ebenso schlicht wie erhaben wirken die inneren Räumlichkeiten: keine besonders großen, aber viele Räume, natürlich mit hohen Decken, jedoch ohne Stuck. Dafür alles schön verwinkelt, viele runde Ecken. Der Erbauer des Hauses hatte wohl einen sehr eigenen, aber durchaus guten und modernen Geschmack.

 

Mit der Zeit hat das Haus ein Eigenleben entwickelt und bisweilen etwas sonderbare Anwandlungen – wie ein älterer Herr, der so seine schrulligen Eigenarten entwickelt. Bei starkem Regen bildet sich im Keller ein kleines Rinnsal, das irgendwo auftaucht, irgendwo abfließt und so schnell verschwindet wie es aufgetaucht ist, ohne dass Schaden entsteht. Schief ist es außerdem, jedoch nicht sichtbar, fast unmerklich. Die Schrägen fallen nur dann auf, wenn man versucht, Möbel gerade auszurichten, was selbst nach stundenlangem Messen und dem Einsatz der Wasserwaage nicht wirklich gelingt. Schief ist eben schief, bleibt schief und zwingt anderes dazu, auch schief zu sein. Immerhin hat sich dieses Haus um dieses Privileg, schief und schräg sein zu dürfen, durch 150 Jahre langes Ausharren verdient gemacht. Der hölzerne Treppenaufgang schwingt beim Hoch- und Heruntergehen auch schon sehr verdächtigt mit, zeigt Risse und gewisse Neigungen. Kein Wunder, es ist ja kaum abzuschätzen, wie viele Beine dort schon hoch- und heruntergestapft sind. Bei uns sind es die Knie, die irgendwann schlapp machen, bei den Häusern die Treppenstiegen. Eine Eigenart, die bei uns allerdings auf wenig bzw. gar keine Gegenliebe stößt ist, dass sich das Haus regelmäßig zu schütteln scheint, um damit den Staub der Jahrhunderte aufzuwirbeln. Noch nie habe ich in einem so staubigen Haus gewohnt. Trotz unserer intensiven und hand- sowie nervenaufreibenden Grundrenovierung vor dem Einzug hat sich der Staub irgendwohin zurückgezogen, um dann in voller Pracht wieder hervorzutreten. Egal wie sehr man hinter den Wollmäusen herjagt, für jede gefangene kommen einen Tag später drei neue aus unsichtbaren Löchern hervor.

 

Neben dem Staubaufwirbeln, Wasserlassen und seiner Schräglage scheint das Haus zudem eine weitere Vorliebe zu haben, nämlich die für Besitzer, deren Nachnamen mit M beginnen.

Herr Müller, der jetzige Hausbesitzer und Bewohner der unteren, der „Belle Etage“, hat das Haus vor über zehn Jahren einem Fabrikanten abgekauft, dessen Fabrik in Sichtweite ca. 800 m weiter die Straße abwärts stand und vor ein paar Jahren abgerissen wurde. Mittlerweile steht dort ein Baumarkt. Nur noch ein paar Meter alte Gleise eines alten Bahnanschlusses zeugen davon, dass hier mal ein produzierendes Unternehmen seine Ware verladen hat. Der damalige Hausbesitzer und Unternehmer, Walther Mayer, gehörte ganz offensichtlich nicht zu der Hautevolee der Industriellen der Stadt, taucht dementsprechend in den Abhandlungen zur Wirtschaftsgeschichte nicht auf. Ebenso führt das Haus ein von der Lüdenscheider Architekturgeschichtsschreibung als auch von der Denkmalpflege unentdecktes Dasein, als ob es auch die Fähigkeit besitzen würde, sich tarnen zu können – oder hat es doch was zu verbergen?

 

Dafür ist jedoch die mündliche Überlieferung sehr rege, gefühlt ist jeder „Ur-Einwohner“ dieser Stadt hier schon einmal durchs Wohnzimmer gelaufen. „Ah, das Haus von Mayers, da wohnt ihr jetzt drin“. Die „Mayers“ schienen eine sehr soziale Unternehmerfamilie gewesen zu sein: viele Kinder vor allem in den Kriegs- und Nachkriegszeiten wurden von „den Mayers“ durchgefüttert und mit Süßigkeiten versorgt. Jetzt ist es ein Müller-Haus und unsere Vermieter pflegen ein herzliches Verhältnis zu ihren Mitmenschen.

Wir sind denn also in ein sonderbares, aber zugleich offenes Haus eingezogenen, das mittlerweile ziemlich viele Bewohner beherbergt. Unten wohnen die beiden stolzen Hausbesitzer, die dritte und vierte Etage haben wir mit zwei Erwachsenen und zwei pubertierenden Mädels in Beschlag. Dazu vier mongolische Wüstenrennmäuse, verteilt auf drei nicht gerade kleine Nagarien in drei Zimmern, das Ergebnis eines missglückten Vergesellschaftungsversuchs und raumgreifender Zeuge dessen, dass Mäuse nicht anders als Menschen sind: man kann miteinander oder halt nicht. Mittlerweile haben aber alle Mäusedamen ihr Begegnungstrauma überwunden und ihre persönlichen Nischen gefunden: Die zur Fülligkeit neigende Esther wohnt im Jugendzimmer, die zur pingeligen Reinlichkeit neigende „Maus“ durfte sich im Büro niederlassen und Team Corona und Influenza genießen ihre Zweisamkeit in der Wohndiele mit allem Wohl und Weh. Im Garten sind mit Linda, Rosa und Bianca letztes Jahr drei gefiederte Marketingexpertinnen eingezogen: jedes gelegte Ei wird mit lautstarkem Gegacker kommentiert. Und wenn es mit dem Legen mal nicht klappt, wird trotzig darüber hinweggeschwiegen.

 

Genau genommen, hat sich das Haus zu einem ganzjährigen Biotop mit einer erstaunlichen Artenvielfalt entwickelt: Im Frühjahr brüten die Vögel um und an dem Haus. Bis Sommer letzten Jahres haben wir eine Meisenfamilie unter meinem Bürofenster, das zur Dachterrasse hin gelegen ist, geherbergt. Die Meisen haben sich allerdings als Untermieter nicht besonders gut betragen. Papa Meise hat uns, wenn wir auf der Terrasse saßen, immer aufs Übelste beschimpft. Außerdem haben die Vögelchen in ihrem Nest offensichtlich so randaliert, dass hinter der Schieferwand der Inhalt des alten Fachwerks abgebröselt ist. Somit musste unser Vermieter die Meisenwohnung verschließen. Ich vermisse Papa Meise trotzdem. Vermutlich hat die Meisenfamilie wie die zig anderen Vogelarten in einer der vielen umliegenden Vogelhäuser, Bäume oder Hecken ihren Platz gefunden. Die Miete wird in Gezwitscher und Geträller abgegolten.

Im Sommer machen sich dann die Wespen breit. Jedes Jahr bauen sie ihr Nest an einer anderen Stelle am Haus, Nischen gibt es ja schließlich genug. Warum sollten sie auch wegziehen, schließlich werden sie von uns am Frühstückstisch immer mitversorgt. Gierig sind sie, diese schlanken zierlichen Kampfflieger, ganz flau wird einem schon, wenn man beobachtet, mit welchem zähen Eifer Riesenstücke aus dem Schinken geschnitten und dann zwischen den Beinen abtransportiert werden. Ist auch kein Problem, wir haben genug. Als Dank dafür erwarte ich nur, nicht gestochen zu werden, was nicht immer so verstanden wird. Als jedoch ihre Majestät sich diesen Herbst in unserer Wohnung eine Bleibe suchen wollte, da haben wir sie rausgeschmissen. Genug ist genug und die Befürchtungen, den hohen Ansprüchen einer Wespenkönigin nicht gerecht werden zu können, war dann doch zu groß.

In den Ritzen des Hauses, zwischen den  Schieferplatten, in den Mauern, in dem Gartenboden und in dem sich über die halbe Schuppenwand ziehenden Insektenhotel nisten die kleinen Erd- und Mauerhummeln und die dicken Mauerhummeln, die sich wie die Wild- und Honigbienen ihre Bollen und Leiber an unseren Blumenbuffet auf der Terrasse vollladen. Die Entlohnung für den Vermieter: Allerlei Gesumme und Gebrumme und possierliche Eskapaden, die dicke, allzu beladene Hummeln vollbringen. Neben verschiedenen Arten von Schmetterlingen gehört sogar ein Taubenschwärmer zu unseren Blumenkübel-Tafelgästen. Eigentlich sind Taubenschwärmer in wärmeren südlichen Gefilden beheimatet, haben aber infolge der Klimaerwärmung ihren Lebensraum etwas ausgedehnt. Zweitausend Kilometer fliegen diese kleinen, einem Kolibri ähnlichen Geschöpfe jedes Jahr in den Süden hin und zu uns wieder zurück. Unglaublich. Die Zikaden haben ebenfalls aus südlicheren Gefilden Einzug gehalten, allerdings in Scharen. Sie sitzen in den Rhododendren, und ihr um Aufmerksamkeit heischendes Gezirpe in lauen Sommernächten grenzt an Lärmbelästigung. Zum Glück sind sie für uns weit genug weg und haben sich noch nicht auf unsere Dachterrasse vorgewagt. Im Gegensatz zu ihrem Artverwandten, das Heupferdchen, das abends plötzlich auf dem Nachttisch neben meinem Bett saß und mich dreist anstarrte. In dem Moment fühlte ich mich doch etwas wie die Prinzessin im Märchen „Der Froschkönig“. Ich tat es ihr auch gleich, nur dass ich das Heupferdchen raus- und nicht gegen die Wand schmiss. Die Besuche reißen auch im Herbst nicht ab: dicke fette Hausmutterraupen in der Petersilie auf dem Küchenboard, Marienkäfer, die in den Falten unserer Vorhänge ihr Winterrefugium suchen. Im Winter beherbergen wir verschiedene frierende Spinnen in den unzähligen Zimmerecken. Die Decken sind hoch und wir haben keine Lust, uns ständig nach derselbigen zu strecken, so haben die kleinen Krabbler ihre Ruhe vor uns. Die Stubenfliegen erwähne ich nur kurz, die nerven einfach nur. Die einzigen Viecher, die wirklich meinen Unwillen erregen, sind die Lebensmittelmotten, die, ich weiß nicht wie, klammheimlich unseren Lebensmittelschrank bevölkern, um sich im Mehl-, Nudel- und Reisvorrat bequem zu machen. Dass die Tiere sich ihren Lebensraum wieder zurückerobern, kann ich verstehen, aber warum haben sie sich dieses Haus dafür ausgesucht?

 

Letztes Jahr hat unser Vermieter mit Verschönerungsarbeiten begonnen: Abgesehen davon, dass das Haus jetzt in einem hellen Muskat erstrahlt, wurden im Eingangsportal neue, helle Sandsteinplatten verlegt. Beim Ausschachten des Eingangsbereiches wurde ein alter Herrenschuh geborgen, der trotz des Verrottungszustands noch erkennen ließ, dass es sich hier um einen eleganten, zu dieser Zeit modernen Herrenschuh handelte. Ich schloss auf Abwehrzauber – ein in dieser Gegend eigentlich sehr unübliches Ritual, beim Hausbau Schuhe vor der Türschwelle mit der Spitze nach vorne Richtung Ausgang zu vergraben, um das Böse abzuwehren. Kein Wunder, dass das Haus unter solch einem guten Stern steht – dachten wir alle zumindest. Natürlich haben die glücklichen Hausbesitzer vor diesem Hintergrund den Schuh tunlichst wieder an seinen angestammten Platz  „in situ“ vergraben lassen, natürlich mit der Spitze nach vorn, damit das Unglück weiß, wohin es gehört. Herr Mayer muss wohl sehr abergläubig gewesen sein, ungewöhnlich für einen pragmatischen  Unternehmer, urteilte ich etwas vorschnell. Kurz nach der feierlichen Schuhbestattung vertraute mir unser Vermieter zu Forschungszwecken seinen Ordner „Hauskauf – Ordner 2: Baugeschichte“ an, denn Herr Mayer war gar nicht der Häuslebauer. Beim ersten Sichten der Kopien aus dem Archiv des Bauamtes tauchte ein weiteres M in der Geschichte des Hauses auf.

 

Das dritte M, der Hausbauer Heinrich Matzke, müsste eigentlich von der chronologischen Abfolge her als erstes M gezählt werden, in unserer Wahrnehmung trat er aber als Letzter auf den Plan und erweckte mit seiner offensichtlich verhaltenen Existenz meine Neugier. Wer war er, dass er so ein „anderes“ Haus erbauen ließ, warum der vergrabene Schuh und warum hinterließ er  in der kollektiven Erinnerung der Hausgeschichte keine Spuren? Irgendetwas triggerte mein wissenschaftliches Jagdfieber, Herr Matzkes Schuh wurde wieder angemessen begraben, aber ich heftete mich dennoch an seine Versen. Wie nötig der gute Mann den Abwehrzauber hatte, konnte ich da noch nicht ahnen, auch nicht, dass ihn dieser Schutz schnell verließ, als er das Haus bereits nach 10 Jahren verkaufte. Auch nicht, warum ihn die  Geschichtsschreibung der Stadt ebenso vergessen hatte dieses Haus, das eigentlich alles andere als unsichtbar und unauffällig ist – ebenso wenig unauffällig wie der Bauherr und sein Schicksal, das sich mir peu á peu entblätterte wie sich der  Putz alter Häuser löst bis das nackte Mauerwerk hervortritt.

Mehr von Barbara Peveling

DODO ist DADA

dort, wo ich herkomme, heißt „da“ „do“. dass ich ausgerechnet in DO meine homebase aufschlagen würde, war eine überraschung. dortmund? da da war ich doch schonmal…

rückblick dortmund 1998: im innenhof vom atelier kai richter stehe ich am stand meiner aktion D.E.P. und versuche die sturen westfalen dazu zu bewegen ihre die eigene partei zu gründen. es ist zwar eiskalt doch wodka red bull verleiht uns (thomas horneber, axel honer und mir) warme flügel… irgendwo unterirdisch spielt die gruppe MULTER, aber man kann sie nicht sehen… wo war elvis pummel eigentlich an dem abend? ihn und die dortmunder indoorsurfers (mario schulte, harald wissler und kay berthold) hatte ich 2000 bei EXTRAPOOL in nijmegen kennnengelernt. ein paar jahre später seelensanierung & altlastenentsorgung  in einem ehemaligen autohaus, wo mich kay als dr. brandstifter im artzkittel ablichtet.

irgendwo in der innenstadt noch als BRANDSTIFTER LIVE VOM BÜGELBRETT BRANDSTIFTER LIVE VOM BÜGELBRETT wild & laut eine disco fast leergespielt. danach den vagen plan auf dem weg nach hannover oder berlin mal beim elektrischen kaminabend im sissykingkong aufzuschlagen und bis heute losen kontakt mit den exildortmündern harald & mario (STEINE) und dessen bruder doc schoko in mainz und berlin.

schließlich november 2019 der telefonanruf vom kulturbüro niederrhein: die jury hätte getagt und mein projekt für toll befunden und für ein stipendium ausgewählt. alle regionen wären interessiert gewesen. wärmster empfang auf allen kanälen! als regionschreiber soll ich nun in vier monaten das ruhrgebiet auflesen und eine ASPHALTBIBLIOTHEQUE aus gefundenen texten errichten – ich, der interdisziplinäre aktionskünstler, der kunstwolf im literaturpelz aus rheinland-palz. das ruhrgebiet hatte ich mir wegen stadtbesetzung/urban art rausgesucht, wo ich 2015 in bergkamen meine fundzettel im fahrplanschaukasten einer bushaltestellenbahnhof neben der fahrertoilette ausstellen durfte und für eine livesendung zum WDR fernsehen nach düsseldorf eingeladen wurde. ein jahr später noch ein schulprojekt mit der europaschule im schaurig schönen castrop-rauxel. danach war klar: interessante geschichte. landschaft mit viel grün und industrieromantik, mit viel handgeschriebenem, auch in fremden sprachen und schriftzeichen: der RUHRasphalt hat POTTential!

und nun wieder nach DO? aber gerne! also im merzen den brandbeschleuniger vollgeladen und horch was kommt von draußen rein durch das regennasse sauerland über die A45, die mir über meine projektstipendien im künstlerdorf schöppingen und kloster gravenhorst wohl vertraut ist.

erst mal andocken im hafen bei meinen gastgebern claudia, kai und frankie vom  depot. als ich vor meinem wohnatelier in der adlerstraße stehe mache ich meinen ersten fund: ein packen aufgeweichter berufschulzeugnisse in einer mürben klarsichthülle

und ernte auf dem weg zum supermarkt noch einige preziosen wie diese bunte A5 kinderzeichnung, die 3x gefaltet vor dem missin‘ link lag…

 

Mehr von Brandstifter

#mein muensterland – Interview mit Regionsschreiberin Claudia Ehlert

Das Projekt stadt.land.text NRW 2017 geht zu Ende. Vier Monate lang waren zehn Regionsschreiberinnen und Regionsschreiber dank des Jubiläums 20 Jahre Regionale Kulturpolitik NRW in den zehn Kulturregionen des Landes unterwegs. Sie haben sich dem Alltag und der kulturellen Vielfalt NRWs auf ganz unterschiedliche Weise schreibend genähert und so einen anderen Blick auf die Besonderheiten und Alltäglichkeiten der zehn Regionen geworfen.

Claudia Ehlert war im Münsterland unterwegs. Mit ihrem Campingbulli. Vier Monate lang on the road das Münsterland im wahrsten Sinne des Wortes erfahren und via Logbuch online einen Einblick in ihre Erlebnisse geben – das war ihr Projekt. Dabei standen abgelegene Orte und damit verbunden Menschen in Bewegung im Mittelpunkt ihres Schreibens und Fotografierens. Zum Abschluss stellen wir all die Fragen, die gerne (öfter) hätten gestellt werden dürfen. Ein exklusives Interview für stadt-land-text.de mit der Regionen-, pardon, Regionsschreiberin des Münsterlandes:

SLT:        Na, wie is?

Ehlert:   Joa, ne. Und selbst?

SLT:        Jo.

An dieser Stelle ist das Interview für alle Westfälinnen und Westfalen beendet und alles Essenzielle gesagt. Für die anderen, die gerne viele Worte machen, geht es an dieser Stelle weiter:

SLT:        Vier Monate lang im Bulli unterwegs. Leben, arbeiten und schlafen im Campervan. Da fragen sich unsere LeserInnen natürlich: Wo duscht man eigentlich?

Ehlert:   So viele Vorteile das Leben in Bewegung hat – ein eigenes Bad mit Wanne und Dusche gehört tatsächlich nicht dazu. Wenn ich im Bulli übernachtet habe (Ich habe nach wie vor meine kleine Wohnung in Münster behalten. Hat man erstmal eine schöne bezahlbare Wohnung in Münster gefunden, gibt man sie nicht so einfach her), geschah dies auf Stellplätzen oder Campingplätzen. Um die Illusion des viral gehenden Bildes von historischen Bullis an stillen Waldseen und inmitten wilder Wiesen in nostalgischen Sepiatönen mal gleich zu Beginn zu zerstören. Ich saß übrigens auch nicht bei Sonnenuntergang auf dem Dach des Bullis oder habe vor der geöffneten Seitentür im Morgengrauen Yoga gemacht. Stichwort: #therealvanlife. Stellplätze, oder auf Parkplätzen ausgewiesene Wohnmobil-Stellflächen, liegen praktischerweise in der Regel in der Nähe von Frei- oder Hallenbädern. Campingplätze bieten ihren BesucherInnen sanitäre Anlagen zur Benutzung an. Für 50 Cent haben Sie dann drei Minuten warmes Wasser. Für die 5-Minuten-Haarkur müsste man also aus der Dusche rausschlappen und noch eine Münze nachwerfen.

SLT:        Der Bulli und Sie: „Gefährt und Gefährte“ Ihres Road Trips, haben Sie in einem Ihrer Einträge Ihre Beziehung beschrieben. Eine noch recht junge Beziehung, wie uns berichtet wurde. Nach vier Monaten intensiver Kennenlernzeit auf engstem Raum – die erste Verliebtheit vorbei? Knirscht es auch mal im Getriebe?

Ehlert:   Frisch ist die Beziehung in der Tat noch. Anfang des Jahres haben wir uns kennen gelernt. Während der Ausbauphase, die mehrere Wochenenden in Anspruch genommen hat, ist der T5 allerdings bereits ein Teil der Familie geworden. Der große Testlauf startete im Mai, als wir in 18 Etappen bis zum Nordkapp und zurück unterwegs waren. Kleinere Missstimmungen gibt es ja in jeder guten Beziehung – ein fiepender Ladebooster, ein röhrender Lüfter – aber der große Streit blieb da aus. Umso erschrockener war ich, als der ‚Neue‘ gleich im ersten Monat im Münsterland unweit der Burg Hülshoff plötzlich ausfällig wurde. Die leuchtende Motorkontrollleuchte hat mich die ganze Partnerschaft auf einen Schlag in Frage stellen lassen. Was, wenn er jetzt hier stehen bleibt? Muss ich dann doch alleine weiter?

SLT:        Hatten Sie eigentlich keine Angst?

Ehlert:   In diesem Moment tatsächlich schon. Vor allem vor den Menschen um einen herum. So viele potentielle helfende Hände, die es zu enttäuschen gilt. Menschen, die einen beim rückwärts Ausparken einweisen, die einem bereitwillig den Weg zeigen, die mit eigenen Erlebnissen zur Stelle sind. Leider kann man nicht jede Hilfe annehmen. Noch dazu, wenn man durch die eigene nunmehr zehnjährigen Fahrerfahrung auf einen Vorrat an angesammeltem und erlerntem Wissen zurückgreifen kann.

SLT:        Sie sagten ja in einem Interview zu Beginn des Projekts, dass der Bulli die Menschen anzieht, dass er wie ein Katalysator für Gespräche ist. Scheinbar auch für Hilfsbereitschaft. Was ist noch besonders am Erfahren der Region mit einem Bulli?

Ehlert:   Der Bulli macht das Aufsuchen bestimmter Orte, so, wie ich sie kennenlernen konnte, erst möglich. Orte, die ab vom Schlag liegen, hatte ich mir zum Ziel gesetzt. Das waren Orte, die vielleicht nicht so präsent sind in der Wahrnehmung des Münsterlandes, weiße Flecken auf der kulturellen Landkarte. Aber das waren auch ganz buchstäblich Orte, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln gar nicht oder nur bedingt erreichbar sind. Der Blick durch die Windschutzscheibe, er verstellt nicht die Sicht auf die Region. Er öffnet ihn auch nicht unbedingt. Er schlägt sich aber in seinem Festhalten nieder. Er ist – nur oder gerade eben – ein anderer.

SLT:        Sie leben und arbeiten seit einigen Jahren aufgrund Ihres Studiums in Münster. Wie hat sich Ihr Blick auf das Münsterland durch die letzten vier Monate verändert?

Ehlert:   Ich glaube, durch die andere Art der Fortbewegung hat sich mein Blick vor allem geweitet. Die Erfahrung habe ich schon mit Beginn des Projekts, mit der ersten Parkplatzsuche in Münster gemacht. Münster ist DIE Fahrradstadt. Und egal, wie lange man schon dort wohnt, wie gut man sie zu kennen glaubt: das erste Mal mit dem Auto richtet den inneren Stadtplan völlig neu aus. Bekannte Orte, das Festival in Beelen, das Kloster am Emsradweg, sehen aus dieser Perspektive ganz anders aus. Auch mir zuvor unbekannte Orte sehen mit dem Blick der Regionsschreiberin anders aus. Dem mehr und mehr vernetzten und vernetzenden Blick.

SLT:        Nach welchen Kriterien haben Sie die von Ihnen besuchten Orte ausgewählt? Wie sind Sie vorgegangen?

Ehlert:   Die Zusage für das Stipendium kam, mitsamt der zugeteilten Kulturregion, Ende März diesen Jahres. Neben diversen Presseanfragen habe ich mich mit dem Projekt also bereits durch Recherche im Vorfeld zeitintensiv beschäftigt. Die Recherchen begannen bei Gesprächen mit Familie, FreundInnen und KollegInnen, dem Querlesen von (Auto-, Fahrrad-, Wander-, allgemeinen) Reiseführern älteren und neueren Datums, gingen über alle Broschüren, derer ich in der Touristeninformation in Münster habhaft werden konnte, diverse Materialien und Hinweise des Teams um das Kulturbüro des Münsterland e. V.s, bis hin zu teils in Details ausufernden Internetrecherchen. Wie mit Sicherheit auch in den anderen neun Kulturregionen gibt es im Münsterland eine Vielzahl von Kulturinstitutionen, Vereinen, KünstlerInnen, Tourismuseinrichtungen, Unternehmen und deren Social Media Plattformen und, nicht zuletzt, anderer Blogs, die sich mit der Region und Kultur in allen Facetten beschäftigen.

SLT:        Spielte auch die Literatur der Region eine Rolle? Ist da doch irgendwo das Studium der Literatur- und Kulturwissenschaft mit eingeflossen?

Ehlert:   Mich hat während der Stipendiumszeit Literatur aus Westfalen und dem Münsterland begleitet. Klassiker, wie Jägersbergs Weihrauch und Pumpernickel, Denneborgs Das Wildpferd Balthasar oder Wincklers Der tolle Bomberg. Aber auch Jüngeres. Otrembas Über uns der Schaum oder Etgetons Rucksackkometen. Viele Autorinnen und Autoren stammen aus dem Münsterland, bzw. Westfalen, leben hier oder machen hier mal wieder Station, mit Blick auf die Beckumer Berge. Auch aus diesen Texten und Begegnungen habe ich Ideen für weitere Texte, weitere Orte entwickelt. Letztlich kann man sagen, ich habe viele Orte des Münsterlandes gesehen. Und über die geschrieben, die mich irgendwie gepackt haben, mit denen ich etwas anfangen konnte. Hat mich an einem Ort nichts gepackt, ist kein runder Text entstanden. Und ich konnte fortfahren.

STL:        Sind Ihnen bestimmte Orte besonders im Gedächtnis geblieben? Empfehlungen für den Kurztrip? Das Wochenende? Die Ferien im Münsterland?

Ehlert:   Ich war an sehr unterschiedlichen Orten. Sei es tief im Untergrund, in den Kellern des Münsterlandes, ebenso wie auf seinem Balkon. Oftmals waren es Orte, wo die Vergangenheit sichtbar ist und auf die Gegenwart, manchmal auch auf die Zukunft trifft. Ich war an Grenzen, wo Konzepte bröckeln und sich zersetzen. Wo sie hinterfragt werden. Müssen. Wer durch meine Texte von mir besuchte Orte aufsuchen möchte – gerne. Vermutlich wird man sie, einmal selbst vor Ort, aber ganz anders wahrnehmen. Es ist ja nun doch – nur oder gerade eben – EINE Perspektive.

SLT:        Was nehmen Sie von den verschiedenen Begegnungen, von denen Sie in Ihren Texten erzählen, vor allem mit?

Ehlert:   Die Menschen, denen ich begegnet bin, sind tatsächlich sehr unterschiedlich gewesen. MünsterländerInnen und Zugezogene oder BesucherInnen, Kinder und Erwachsene, KünstlerInnen und KulturvermittlerInnen, Kulturinteressierte und nicht-so-aber-dann-doch-Interessierte, KulturmanagerInnen, PolitikerInnen, MitarbeiterInnen der Presse verschiedenster Medien. Es waren viele tolle Begegnungen. Inspirierend, bereichernd, prägend. Engagierte und sympathische Menschen, die oft weit mehr tun und leisten, als das, was von ihnen bspw. jobtechnisch verlangt wird. Oftmals. Manchmal auch weniger.

Kunst und Kultur ist wichtiger Bestandteil der Region. Im Gespräch mit verschiedenen KünstlerInnen habe ich immer wieder die Erfahrung gemacht, dass sich von der künstlerischen Tätigkeit allein in der Regel aber nicht leben lässt. Entweder gibt es einen Job zur Sicherung des Lebensunterhalts. Oder aber das Angewiesen-Sein auf Stipendienprogramme. Alle Menschen, die ich getroffen habe, hatten eines gemein: die Bewegung. Im Alltag, in der Freizeit, im Job, im Privatleben. Und man kommt mit Ihnen ins Gespräch – wenn man aufrichtig interessiert ist und bereit, sich Zeit zu nehmen.

SLT:        In diesem Sinne: Vielen Dank für Ihre Zeit!

Ehlert:   Nich dafür!

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22:02 Uhr, Konzerthaus Dortmund

Das, was uns verbindet, ist der Geruch des Unkonventionellen. Wir sind Feldforscherinnen mit einem Hang zur pragmatischen Romantik. Alles, was wir sehen, ist aus sich heraus mit einer Schönheit verbunden, die sich durch das Zusammenspiel von Brüchen ergibt. Vollkommenheit durch Unvollkommenheit, es ist das Prinzip unserer Beobachtungen. Das haben wir geübt, gemeinsam, vier Monate lang. Wir haben zusammengesessen, abends, am Küchentisch, haben über Begebenheiten gesprochen, Vorfälle und Auffälligkeiten. Das hätte dich interessiert, haben wir uns einander gesagt. Das hättest du sehen sollen. Gemeinsam haben wir eine Karte angelegt, eine Kartografie des Alltags – es ist zu meinem Forschungsvorhaben geworden, die nächsten Jahre und darüberhinaus (danke).

Im Konzerthaus fallen wir nicht auf, wir sitzen ruhig und husten wie alle anderen nur zwischen den Stücken. Wir fühlen uns wohl in diesem kastenförmig lila-weiß ausgeleuchteten Konzertsaal, bräuchten den Anblick der Orgel aber nicht (zu religiös konnotiert). Wir lassen uns ein auf die Geigen und ihre wogenden Bogen, auf die roten Wangen des Klarinettenspielers und die Leichtigkeit der Kontrabassist*innen und Cellist*innen. Dirigentenlos! ist das Credo das Abends, und das Überraschungsmoment nach der Overtüre: Erstmal wieder aufstehen, im Konzertgraben verschwinden; die Erste Geige, die für Sekunden vor verschlossener Tür steht, einfach, weil er die Erste Geige ist und es nicht zu seinen Aufgaben gehört, sich selbst Türen zu öffnen, eine elitäre Haltung, die durch das Hereinfahren des Klaviers fein gebrochen wird.

Unser Liebling ist der Paukenspieler. Er sitzt auf einem blauen Bürostuhl, seine Beine sind zu kurz, ist er nicht im Einsatz, schwebt er über dem Boden.

Wir sehen so viel,
wir sind Stenografinnen unserer eigenen Flüchtigkeit.
Aber, wohin damit?
Wohin mit all den inneren Aufzeichnungen?
Permanentes Mitteilen, ständiges Aussprechen des Moments im Moment,
es müsste eine Aufnahmefunktion dafür geben.
Und ein Archiv, das sich selbst verwaltet.

Beobachten um des Beobachten willens; als wir das Konzerthaus verlassen, ist die Vollkommenheit da: eine Gruppe von Partygängern, in den Händen Dosenbiere und Liebschaften, auf dem Weg zu einem der vielen Imbisse im Brückviertel. Ein Kontrast, der das Ende einleitet. Perfekter wird es nicht. Und dann müssen wir auch gar nicht auf die Stadtbahn warten. Sie steht nämlich schon da. 22:16 Uhr


>Letzter Abend in Dortmund<

Meinen letzten Abend im Ruhrgebiet habe ich im Konzerthaus Dortmund verbracht. Zu Gast war der US-amerikanische Pianist Murray Perahia, der gerade mit der Academy of St. Martin in the Fields, einem in Barockmusik und Wiener Klassik bewanderten Kammerorchester, auf Europa-Tournee ist. Der Abend widmete sich Ludwig van Beethoven, es wurden unter anderem die Ouvertüre zu „Die Geschöpfe des Prometheus“ op. 43, Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 C-Dur op. 15 und Konzert für Klavier und Orchester Nr. 3 c-moll op. 37 gespielt. Selten war ich von einem Sinfoniekonzert so begeistert.

>Konzerthaus Dortmund<

Das Konzerthaus Dortmund ist seit 2002 mitten im Brückviertel angesiedelt – dem „Döner-Dreieck“ von Dortmund. Manche würden es auch als Szeneviertel bezeichnen. Der Kontrast, der durch den direkten Clash von E- und U-Kultur und den damit verbundenen Habitus entsteht, ist einer, der mich durch und durch begeistert und bei dem ich glaube, dass er signifikant für das Ruhrgebiet ist.
Im Brückviertel war ich in den vergangenen Monaten sehr oft, habe diverse Imbisse ausprobiert und war mehrfach in der Schauburg, einem über 100 Jahre alten Programmkino.
Das Konzerthaus selbst ist Garant für Klassik, Jazz, Weltmusik und Pop. Markenzeichen ist ein geflügeltes Nashorn, das man überall in der Innenstadt von Dortmund antrifft.

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04:27 Uhr, Großmarkt Dortmund

Nachts sind alle Städte schön. Nur nachts möchte ich sein, durch Straßen streifen, Fahrtwind spüren und keinen Gegenverkehr. Kälte in Zuneigung verwandeln und in ein Ich, das schaut, sammelt und sich lässt. Alles mit sich machen lässt – und die Welt annimmt, wie sie ist.

Auf dem Großmarkt in Dortmund muss man die Welt annehmen, wie sie ist. Diese Welt aus Fischen und Früchten, aus Hubwagen und Kisten. Aus Männern hinter Pulten und Männern unterm Scheffel. Stilisierte Frauen werben still für Äpfel, Physalis und Bananen. Das Eigentliche findet in den Hinterzimmern statt. Geschäftiges Misstrauen in den Blicken, wer sind die, was wollen die, Großkunden sehen anders aus. Anekdoten über Händler, die sich mit Kunden streiten. Ich habe dich beim Nachbarn gesehen, zu mir musst du nicht mehr kommen. Streng reglementierte Besitzverhältnisse und ein Verständnis von Jovialität, das dem Jetzt nicht mehr entspricht. Jede Halle ist einem eigenen Regiment unterworfen, das Obst ist träge. Es wird in Kulturen unterschieden, gedacht und gehandelt – eine vertane Chance; auch Suppe ist eine Option, um fünf Uhr morgens. Gegen die Entwicklungen in der Branche fühlt sich niemand mehr gewappnet. Allein sitzt der Mann in seinem Häuschen im Containerverschlag, der für die Wertstoff-Sortieranlage genutzt wird. Er sitzt schon lange da, und wird es noch eine Weile tun. Hinter den Hallen erinnern Gleise an einst genutzte Transportwege. Verkehrsschilder hängen schief. Und dann ist da der Wendekreis.

Am Wendekreis endet die Welt, und sie beginnt. Jemand hat sein Fahrrad dort abgestellt, ein anderer Paletten. Danach geht es zurück, immer wieder. Der Gedanke daran ist das schönste Bild. 04:58 Uhr



>Großmarkt Dortmund<

Pförtnerhäuschen mit Atmosphäre. Die Anlage wurde 1951/52 gebaut. ©mhu
Pförtnerhäuschen mit Atmosphäre. Die Anlage wurde 1951/52 gebaut. ©mhu

Vielleicht muss man bald von einem Relikt sprechen, denn die (inter-)nationalen Marktstrukturen sprechen mittlerweile eine andere Sprache: Wie ein Großmarkt im wörtlichen Sinn fühlt sich der Großmarkt Dortmund nicht mehr an. In eine andere Welt taucht man trotzdem ein.
So, wie der Großmarkt heute ist, gibt es ihn seit 1951/1952 auf dem Bundesgelände am Bahnhof Dortmund Süd. 1976 gründete sich die Großmarkt Dortmund Genossenschaft, seither betreiben ansässige Unternehmen den Markt selbstständig. Der Dortmunder Großmarkt ist einer der zehn größten Märkte in Deutschland (es gibt insgesamt 25), aktuell sind 23 Händler dort tätig. Bei dem Großmarkt handelt es sich um einen Frischemarkt. Es werden Obst und Gemüse, Frischfisch, Fischwaren, verpackte Lebensmittel, Frischfleisch, Kartoffeln und Zwiebeln verkauft. Daneben gibt es eine Bananen-Reiferei, Kühlhäuser und Lager. Der Großmarkt versorgt nach eigenen Angaben in einem Radius von 200 Kilometer etwa 3 Millionen Einwohner.

 

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