Social Distancing statt Schützenfest

Auf der Wiese vor dem Haus wird Schützenfest gefeiert. Nicht wirklich. Nur homöopathisch. Ein den aktuellen Hygienevorschriften angepasstes Schützenfest eben. Wenige befreundete Familien mit Kindern haben sich um einen aufgestellten Grill versammelt. Sie stehen mit Abstand, auf der Wiese wird gespielt. Als ich aus dem Auto steige, weht mir der Geruch von Bier und erhitzten Körpern entgegen. Dabei bin ich mindestens fünf Meter vom Geschehen entfernt, und muss erleichtert an die Viren denken, die jetzt durch feuchte Gräser in den Abend tanzen, sich in den Büschen, den Wolken verlieren, statt sich unter einem dampfenden Bierzelt in der Nacht zusammenzubrauen. Die Kinder wollen wissen, was die grünen Hüte bedeuten und wo die herkommen. Viele der kleinen Jungs tragen sie, die jetzt aufgeregt schreiend übers Gras rennen.

Die werden sie wohl von ihren Vätern haben, antworte ich, weil die tragen sie ja auch zu diesem Fest, das in diesem Jahr nicht wirklich ein Fest ist. Meine Kinder bleiben stehen, schauen, was da passiert, wo Leute in ausgelassener Stimmung zusammenkommen. Singen, rufen, laut lachen. Nur mit schunkeln, schmusen, eng zusammenrücken ist nichts in diesem Jahr. Schützenfest im social distance modus. Ein Ball wird geworfen und wenn der die Flasche mitten auf der Wiese trifft, müssen die einen rennen, um die Flasche wieder aufzustellen, die anderen ihre Bierflasche in einem Zug leeren. Ein schönes Spiel, um schnell betrunken zu werden. Unter anderen Umständen. Für die Kinder wird mit Brause gespielt. Alles mit Distanz. Trotzdem schwirrt eine Konstante Unsicherheit durch die Luft, mischt sich unauffällig unter die vorhandenen Viren und Bakterien, die sonst so normal zwischen Menschen kursieren, eine Begegnung mit Fremden kann im Kontext der Auflagen, in denen soziale Kontakte zwingend nachvollzogen werden müssen, nur zu Distanz gegenüber dem Unbekannten führen. Für die Kinder bleibt ein erster Eindruck vom Schützenfest. Eine schöne Sache, glauben sie, aber sie haben ja lange noch nicht alles gesehen. Das Spiel gefällt ihnen, Mädchen gegen Jungs, es trifft ihren Geschmack, so wie es von zu Hause, aus der Schule, kennen.

„Ohne Mädchen geit es nit!“ ist der Titel eines Artikels von Barbara Stambolis, zu einer Ausstellung über Schützenwelten, die im Geschichtsmuseum Lüdenscheid von Dr. Eckhard Trox kuratiert wurde. Die Schützengesellschaften, sie seit dem 13. Jahrhundert entstanden, hatten zur Aufgabe, die Bevölkerung zu beschützen.

Das Schützenfest ist zwar ein historisch männlicher Raum, von dem Frauen weitgehend von der Handlung ausgeschlossen waren, doch gehörten sie und dies auch an grundlegender Weise, dazu. Die Auffahrt der Königin galt und gilt noch heute als Höhepunkt.

Die Narbe trage ich noch heute. Ein langer asymmetrischer Strich unterhalb des Knies. Ich habe unglaublich laut geschrien, das Fleisch war in zwei Teile geschnitten, die Haut klaffte auseinander und ich kann mich noch sehr genau an die weiß-rote Farbe der verschiedenen Zellschichten erinnern. Jemand hat mich in den DRK-Bus geschleppt.

Bis du heiratest, sieht man nichts mehr davon, prophezeite der Sanitäter. Das Desinfektionsmittel brannte. Aber die Narbe ist heute immer noch da, obwohl ich schon längst Kinder habe. Wir hatten kein Spiel mit spitzen Gegenständen gespielt, mit Flaschen, Scherben, etwas, bei dem ich mich hätte verletzen können, oder uns als Schützen versucht, nichts von alledem. Die Narbe habe ich mir als kleines Kind beim Blumenpflücken für die Königin geholt. Wir wollten der Schützenkönigin einen Blumenstrauß pflücken, sind über die Zäune auf eines der umliegenden Felder geklettert und dabei blieb ich im Stacheldraht hängen geblieben. Der Draht hatte sich mir tief ins Fleisch geschnitten.

Beim Wandern entdeckte ich Tage später einen Baum, durch den Draht gewachsen ist. Wir Mädchen waren als Kinder von den wilden Spielen ausgeschlossen. Wir hatten unser eigenes Handlungsfeld auf dem Schützenfest, das Blumenpflücken für die Königin zum Beispiel, während die Jungs mit ihren grünen Mützen auf dem Platz sich darin probten, den Vogel abzuschießen. Heute haben sich die Spielräume gelockert, ein wenig wie die Coronabestimmungen, mittlerweile gibt es auch Frauen unter den Schützen, nicht überall und in allen Vereinen, aber in Südwestfalen zum Glück immer mehr, 2019 schoss eine Frau den Vogel ab. In diesem Jahr hat es kein Schützenfest und keine KönigInnen gegeben. Bleibt zu hoffen, dass es, wenn die Schützenfeste wieder aufgenommen werden können, weiterhin mehr soziale Mischung gibt und nicht die Angst vor Kontakt, dazu führen muss, dass Menschen sich in Zukunft mehr gegenseitig aus- und abgrenzen. Die Hoffnung, so sagt man doch, bleibt.

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Unterwegs im vestimentären Feld

Mein Kleidungsstil ist keinesfalls modisch, eher lässig und ungezwungen. Nicht besonders schick, ist ein Kommentar, an das ich mich gewöhnt habe, lange schon. Ein Statement zu meiner Person, ihrem Auftreten, dass ich eigentlich als Teil meiner Identität integriert habe, das, was mich ausmacht, nicht besonders elegant, eher natürlich, selbstverständlich. Zugegeben, Nagellack juckt mir die Fingernägel, vom Kajal tränen meine Augen, der Lippenstift klebt und Lidschatten kratzt mich. Die Differenz von gestylter Schönheit leben, statt aufgebrezelt aus der Haustür zu stürzen zog ich lieber frei nach Curt Kobain come as you are vor und habe immer geglaubt, es sei mein Markenzeichen.

Als ich kürzlich mit meiner selbstgebastelten Atemmaske unterwegs war und auf meinem Fahrrad vor einer roten Ampel wartete, ging ein Herr mit Industriemaske ausgerüstet an mir vorbei. Seine weibliche Begleitung trug auch eine Stoffmaske, allerdings mit sichtbar besserer Nähqualität als meine.

So eine Bastelei, stöhnte der Herr, als er schon an mir vorbei war und glaubte, ich würde ihn nicht mehr hören können. Am liebsten wäre ich vom Fahrrad gesprungen, um ihm oder mir die Maske herunter zu reißen und diese vor seinen Augen zu zerreißen.

Aber die Ampel sprang auf Grün und ich fuhr weiter, mich jedes Mal, wenn ich in die Pedale trat, fragend, ob ich nochmal den Mut haben würde, meine Maske zu tragen.

Ich fühlte mich zurückversetzt in die Zeit, als ich aus Südwestfalen nach Bonn gezogen war und dort als Jugendliche auf eine neue Schule ging. Wie hatten die aus der Stadt damals über meinen Kleidungsstil, meine neongelben Radlerhosen gelacht!

Die Beziehungen zwischen Kleidung und Welt sind vielfältig. Der Modeaspekt ist stets implizit enthalten. Für Roland Barthes bilden Kleidung und Mode ein ebenso komplexes System wie unsere Sprache.

Zusammengesetzt aus Zeichen und Kommunikation ergibt sich eine Matrix, von der auch der Träger abhängig ist. Unser persönlicher Stil ist niemals frei von der sozialen Welt, die uns umgibt.

Das Wort Trachten kommt von dem Verb tragen und nichts eignet sich besser, darzustellen, wie sehr unser Kleidungstil auf einem Zeichensystem beruht, das wie unsere Sprache zur Kommunikation dient. Trachten stellen weniger das Besondere oder Eigene einer Region dar, als dass sie eine Aussage machen, die sich auf ein bestimmtes System beziehen, das meist für identitätsbildende Zwecke eingesetzt wird. So ist auch das Dirndl eigentlich keine traditionelle Kleidung, die in Süddeutschland die Jahrhunderte überdauert hat, sondern eine Erfindung. Auch Annette von Droste-Hülshoff hat festgestellt, dass es in Südwestfalen keine spezifisch traditionelle Kleidung gab. Die Menschen trugen, was der Epoche, in der sie lebten, angepasst war. Dabei gab es wenig einheitliche Kleidung, sondern dem Stand und den Klassen angepasst. Wer auf dem Feld arbeitet oder in der Grube gräbt, trägt die Arbeitskleidung bis sie aufgebraucht ist.

Dabei hat sich immer wieder eine Berufskleidung heraus gebildet, wie beispielsweise die Zögertracht im 19. Jahrhundert mit der sich die Drahtzieher in Südwestfalen kleideten. Doch da niemand diese für Identitätsbildende Zwecke eingesetzt hat, ist auch sie wieder in Vergessenheit geraten.

Dafür gibt es heute eine Unmengen an Schützentrachten, angelehnt an frühere Jägertrachten, wurden sie früher ausschließlich von Männern getragen, heute gibt es immer mehr Frauen, die den Vogel abschießen und dafür tragen sie dann selbstverständlich auch eine der lokal üblichen Uniformen. Kleidung kennzeichnet eine gewisse Zugehörigkeit oder eben nicht.

Der Eigenwille, sich selbst nicht inszenieren zu wollen, kann eben ein Statement sein.

Es geht immer um den Eigensinn, mit dem Gegenstände getragen oder benutzt werden, damit diese dann zu einem Identitätsmarker werden. So ungefähr wie eine selbstgebastelte Atemmaske, die, mit dem gewissen etwas, von dem auch France Galle schon gesungen hat, das eben nur sie hat.

Drahtzieher Ehepaar, Altena um 1800

Mit herzlichen Dank an Prof. Dr. Gudrun M. König und Prof. Dr. Lioba Keller-Drescher für die hilfreichen Gespräche zur Anthropologie des Textilen.

 

 

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Gedenken ohne Gedächtnistheater

Die letzten Jahre, als ich noch ausschließlich in Deutschland lebte, waren nicht leicht für mich. Das lag auch, aber nicht nur, an der Weltmeisterschaft von 2006, in der die Deutschlandflagge wieder salonfähig wurde. „In Deutschland“, schreibt Michael Ebmeyer, ruft die „Flaggenseligkeit (…) Abscheu hervor“. Die historische Hemmschwelle, sich mit Schwarz-Rot-Gold zu identifizieren, gehört zum Selbstbild von uns nachgeborenen Deutschen. Wir sind nicht stolz auf unser Vaterland, denn wir wissen, „der Sonderweg des deutschen Nationalstolzes ist der Weg in die Katastrophe“, so Ebmeyer. Darüber ist sich meine Generation so bewusst wie keine andere. Wir haben Stolz mit Scham ersetzt. Dahinter steht das pädagogische Konzept der Betroffenheitspädagogik. Diese Form der Lehrmetode entstand in den siebziger Jahren, beeinflusst aus Erlebnispädagogik und Gestaltpädagogik, untermauert von den Schriften Theodor Adornos zur Erziehung nach Auschwitz.

Dass sich diese Form der gesellschaftlichen Bildung immer auch auf dem Schneideweg zwischen Scham und Schuld befindet, habe ich selbst als Kind erlebt.

Während heute meine eigenen Kinder und ihre Freunde mit dem Begriff Hitler als Inkarnation des Bösen aufwachsen, wurde er in meiner Jugend diese Persönlichkeit noch als der, dessen Name man nicht ausspricht, gehandelt.

Bevor wir von Hitler lernten, lasen wir Bücher wie „Damals war es Friedrich“ in der Schule. Die Erzählung von Hans Peter Richter von einem jüdischen Jungen, der sich selbst überlassen wird, weil sein ganzes Umfeld Systemtreu reagiert und der am Ende qualvoll stirbt, hat mich als Kind aufgewühlt zurück gelassen. Ich hatte das Buch schon zu Ende gelesen, bevor wir es in der Schule überhaupt fertig besprochen hatten und ich weiß noch genau, wie ich danach zu meiner Großmutter ging, um sie zu fragen, ob sie Juden gekannt hatte. Juden in Südwestfalen, oder Juden in unserer Heimatstadt, in Olpe.

Natürlich hatte sie, da waren Geschäfte gewesen, die von Juden geführt wurden und Mädchen, die mit ihr in eine Klasse gegangen waren. Und irgendwann waren sie nicht mehr da gewesen, alle. Mehr erfuhr ich nie von ihr.

Danach richtete ich mich an meine Mutter, sie hatte den Krieg nie erlebt, war erst an zu Kriegsende überhaupt geboren worden, hatte aber viel mehr zu sagen. Und an diesen Moment der Aufklärung habe ich eine sehr deutliche und einschneidende Erinnerung. Ich kann den Raum, indem meine Mutter mich über die Verbrechen des Nationalsozialismus aufgeklärt hat, noch genau vor mir sehen, in meinem Gedächtnis kann ich ihn abrufen wie einen auswendig gelernten Text, da war in ihrem Arbeitszimmer, eine weiße Wand, ein heller Teppich am Boden, die Blumenkästen vor den Fenstern und alles voll mit ihren Worten und das Grauen, über das Unvorstellbare der Vergangenheit einer Nation, der ich angehörte.

Dieser Moment wurde schließlich einer von vielen in meiner persönlichen Konfrontation mit der deutschen Vergangenheit. Eine historische Realität, die ich als immer erdrückender erlebte, und auch immer weniger aushaltbar, je mehr Fahnen und je mehr Nationalismus wiederaufkam. Schließlich, das muss ich mir doch eingestehen, habe ich die Flucht ergriffen.

Heute bin ich sehr glücklich, wenn ich, in dem Pariser Vorort, indem meine Familie zu Hause ist, unsere Nachbarn am Samstagmorgen, wie jeden Sabbat (sofern kein Corona ist), zusehen darf, wie sie in die Synagoge gehen.

Doch muss ich mir eingestehen, dass es vor der allgegenwärtigen Anwesenheit der deutschen Vergangenheit, eben vor dem, was in Auschwitz geschah, keine Flucht gibt. Ich bin Deutsche und bleibe es, da hilft auch keine zeitliche oder räumliche Distanz.

In seinem Werk zu „Geschichte und Gedächtnis“ schreibt der französische Historiker Jacques Le Goff: „Die Beziehungen, die eine Nation zu ihrer Vergangenheit unterhält, die historischen Traumata, die sie erlitten hat, die Eigentümlichkeiten ihrer Historiographie, sind wesentliche Bestandteile ihrer kollektiven Identität. Der eigenen Geschichte ins Angesicht zu blicken, ist eine Pflicht, sowohl für Nationen wie auch für Individuen.“

Einer, der nicht davor geflohen ist, ist Tom Kleine. Seine, mit Hartmut Hosenfeld gestartete, Initiative „Jüdisch in Attendorn“ wurde 2019 ausgezeichnet. Die Hansestadt Attendorn kann stolz auf diese Initiative sein, die sich 2018 mit der Aktion „Shalom Attendorn“ und der Eröffnung des ersten jüdischen Themen-Wanderweges hervortat. Wenn, wie ich zuvor geschrieben habe, von unserer Generation der Stolz mit Scham ersetzt wurde, bringen Menschen wie Tom Kleine und Hartmut Hosenfeld diesen Stolz auf das, was man im allgemeinen Wortschatz Heimat nennt, in anderer, neuer Form zurück.

Tom Kleine und Harmut Hosenfeld

Auf ihrer sehr ausführlichen Internetseite „Jüdisch in Attendorn“ gibt es eine Vielfalt an Informationen und Geschichten zu entdecken, aus der Vergangenheit und Gegenwart der Hansestadt. In der es jüdisches Leben seit dem Jahre 1451 dokumentiert ist. Die jüdischen Familien der Stadt waren Metzger, Händler, Fabrikbesitzer und die vielen zusammengetragenen Dokumente, wie ein Lehrlingsvertrag aus dem Jahre 1926, zeugen von einem auf gegenseitigen Respekt beruhenden Zusammenleben unterschiedlicher Gemeinschaften, das leider durch den Nationalsozialismus ein brutales Ende fand.

Ein Mensch, der zu dieser Gemeinschaft aus Vielen davor gehörte, war Julius Ursell, ihm ist der Themenweg gewidmet. Sein Lebenslauf liest sich, wie der eines typischen Bewohners Südwestfalens jener Zeit, der das Metallunternehmen eines Vorfahren übernahm, das, wie so viele in der Region, von einem „Fabriksen“ zu einem anschaulichen Unternehmen wurde. Julius Ursell war begeisterter Wanderer, Mitglied im Schützen- und Turnverein. Er starb an einer Erkrankung auf einer Geschäftsreise 1936. Sein Grab liegt noch heute in Attendorn. Viele seiner Nachfahren sind schon in die Region gereist, um den Themenweg zu besuchen.

Einweihung der Gedenkstele

Aber das ehrenamtliche Engagement von Tom Kleine hört nicht bei „Jüdisch in Attendorn“ auf, beruflich als Pressesprecher der Stadt Attendorn, ist er auch der muslimischen, katholischen und evangelischen Gemeinden nahe. Die Moschee in Attendorn wurde 2017 eröffnet. Der Moscheeverein hat zu Beginn der Coronakrise noch eine Blutspende-Aktion durchgeführt.

„Aber natürlich“, erzählt mir Tom Kleine bei unserem Videointerview lachend, „ist bei uns in Attendorn auch nicht nur heile Welt, aber wir kommen hier sehr gut miteinander aus.“

Er begleitet selbst viele Gruppen, die den Julius Ursell Weg entdecken. Das Angebot wird vor allem von Lehrern genutzt, auch aus Olpe.

Fast wünsche ich mir, dass es zu meiner Schulzeit schon solchen Initiativen gegeben hätte, die mir damals hätten helfen können, das historische Traumata zu bewältigen. Doch die Dinge brauchen ihre Zeit, oder wenigstens ihre Geschichte. In Attendorn wohnt auch wieder eine Familie jüdischen Glaubens, verrät mir Tom Kleine. Diese, so entnehme ich seinen Worten, ist Teil der Gemeinde, ohne als jüdische Minderheit von dieser für die eigene Läuterung missbraucht zu werden. Diese „Läuterung“, wie der deutsch-jüdische Lyriker Max Czollek sie nennt, besteht darin, dass jüdische Minderheiten in Deutschland oft mit einem „Gedächtnistheater“ instrumentalisiert werden, um den lebenden Beweis zu liefern, dass die deutsche Gesellschaft ihre mörderische Vergangenheit gut verarbeitet hat. In seiner Streitschrift warnt Czollek davor, dass nach den Moscheen, auch wieder die Synagogen brennen.

Die Gefahr besteht in Deutschland, doch Menschen wie Tom Kleine setzen ihr Engagement dagegen und indem sich „Jüdisch in Attendorn“ aktiv mit seiner Vergangenheit auseinandersetzt, müssen keine neuen Minderheiten im Gedächtnistheater instrumentalisiert werden. Das ist schön, und das hätte auch ich gar nicht so gedacht, und ich hoffe, dass mir, Corona zum Trotz, noch Gelegenheit gegeben wird, gemeinsam mit Tom Kleine die Geschichte „Jüdisch in Attendorn“ zu entdecken.

Jüdischer Friedhof in der Hansestadt Attendorn

 

Die Bilder in diesem Beitrag wurden von Tom Kleine zur Verfügung gestellt, Herzlichen Dank dafür!

 

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