Traumdeutung (schwarz weiß grau)

Dichotomie im Denken ist ja generell ungut. Kann man viel drüber rätseln, aber an sich existiert das erst mal gar nicht oder macht nur Ärger. Deshalb immer auf der Hut sein vor Leuten, die einem was davon erzählen wollen, Zweiteilung, Linien, Grenzziehungen, Gut hier, Böse da, an der Ecke sehr heilig und da hinten ganz schlecht und verhurt, hinter mir Vergangenheit und vor mir das andere.
Mir, vor allen anderen muss auch keiner etwas über die Nachteile von Schwarz-Weiß-Denken erzählen, weil hier: Grau. Ausschließlich grau. Ziemlich viel grau. Einer Dame, die seit meteorologischem Frühlingsbeginn mit Elefanten zusammen lebt, muss über Bedeutung von Graustufen nicht wirklich was gemansplaint werden. Echt nicht.

Dichotomie bei Bohnen ist wiederum was anderes. Zweimal am Tag wässere und streichle ich die Setzlinge auf meiner Fensterbank. Wenn das keine echte Schönheit von dichotomischer Teilung an dieser Sprossachse ist, dann weiß ich auch nicht. Gäbe es ein sicheres Zuhause, es könnten Bohnen erwartet werden zum Ende des Sommers, der vor mir liegt. Wenn Menschen am Ende des Sommers zu Besuch kommen dürften, ich würde eine Bohnensuppe gekocht haben werden. Der Futurdrei ist eine Grammatikform, die ich noch üben muss, ich weiß.

Dichotomie bei Träumerinnen: vorhanden. Weil es gibt die einen, die nicht träumen und deshalb verdächtig sind. Und es gibt die anderen, die permanent am Träumen sind, was ja erst mal in Ordnung ist, bis sie anfangen, von ihren Träumen zu erzählen. Den Träumen anderer Menschen zuhören zu müssen ist etwa so unangenehm wie das erzwungene Betrachten verwackelten Urlaubsbildern oder die unfreiwillige Teilnahme an fremdem Popeln. Ich bin eindeutig Typ 2. Ich belästige Menschen mit meinen Träumen. Massiv. Schon immer.

Von den wiederkehrenden Träumen, dich mich seit Jahren verfolgen, nachts kalt erwischen und dann in den Tag hinein weiter kleben bleiben, gehört der mit dem Walfisch. Ich habe Google gefragt und Lexika, einen Oreonauten, meine Mitbewohner, Schamanen und Psychologen, schlaue und weniger schlauere Menschen und noch hat keiner eine Deutung vorgeschlagen, die interessant genug gewesen wäre, um sie final zu akzeptieren.

Der Traum geht so:
Ein Walfisch treibt auf dem Meer.
Es ist windig, der Wellengang schwer.
Sonnenauf- oder Untergang ziemlich wahrscheinlich.
Der Walfisch taucht auch immer wieder auf und ab, ist halb sichtbar, tümmelt da so herum und als er sich endlich in seiner vollen Größe aus dem Wasser erhebt, fängt er plötzlich an zu brennen.
Wie ein Osterfeuer oder ein Geburtstagskuchen, auf dem die kleinen grünen, pinken, gelben Kerzen immer sofort auf die Zuckerglasur, respektive den Wal tropfen.
Der Wal brennt ohne Geräusche.
Menschen stehen am Rand einer Klippe, schweigend. Dabei ist es ist meistens kalt und sie haben Mäntel an, sie schauen dem Wal zu und halten die Klappe.

DREAM 1: BURNING WHALE (von Lilianna Kane)

Ich mag diesen Traum. Er kommt in einer undurchschaubaren Regelmäßigkeit so wie mein Heuschnupfen oder mein Selbstmitleid, immer mal wieder und sicherlich einer inneren Logik folgend, aber ohne dass ich sie durchschaue.
Was weiß ich schon. Ich sage auch Walfisch zu einem Säugetier.

Vor meiner ersten Reise in den Hellweg, in der kurzen Nacht zuvor, hat sich der Traum verändert.
Ich stehe wieder in einer Menschenmasse, die schweigt, ich habe einen Wintermantel an und mache einen auf Beobachter, aber diesmal stehen wir nicht am Rand einer Klippe sondern am Eingang der Wüste, die eigentlich auch wie ein Meer ist, nur trockener.
Und es ist kein Fisch, der brennt, da brennt eine Herde Elefanten. Sie sind weit draußen, es ist mitten in der Nacht und die brennenden Elefanten laufen einmal quer durch das Blickfeld und stehen in Flammen, ein Wüstenelefantenfeuerwerk.

Dream 2: Burning Elephants (von Lilianna Kane)

Ich wachte auf im März und wunderte mich, war aber mit Kopfschmerzen und Taschepacken und Busfahrerverfluchen beschäftigt, ich musste einen Zug erwischen, einen Proviant einkaufen und einen Schienenersatzverkehr durchschauen, deshalb war keine Zeit sich weiter mit diesem Traum zu beschäftigen. Draußen zog Deutschland am Zugfenster vorbei in schlammigem Mattbraun. Wie war die Welt so trübe, jajaja, und der Weg gehüllt in Schnee, zumindest an ein paar wenigen Stellen.

Von allen Jahreszeiten, die für Anfänge scheiße sind, November und März ganz oben mit dabei.
November wegen Hoffnungslosigkeit und März wegen Hoffnung, weil zu ahnen ist, dass das alles besser wird, aber es nicht danach aussieht. Nur weil irgendeine Dings es seit Anbeginn der Welten geschafft hat, aus dem Winter wieder einen neuen Anfang zu machen, der keimt und blüht und Wurzeln schlägt, heißt das ja noch lange nicht, dass es in diesem einen Jahr wieder funktionieren kann.
(Spoiler aus dem April der Gegenwart: Frühling hat geklappt. Der Rest nicht so.)

Jetzt ist mehr Zeit und nicht mehr ganz so viele Verkehrsmittel.
Dafür Elefant.
Ob er auch in Traumdeutung mache, will ich von ihm wissen.
Und er: Ob ich mir denn für keine Frage zu blöd sei.
Bei Neugier gibt es erst mal kein richtig oder falsch, merke ich an und: Dein dichotomisches Denken nervt total.
Der Elefant schnaubt nur, ob ich hier jetzt kuschelpädagogisches Esorterikgetexte eines Säugetiers einfügen wolle, so ganz schlimm wie in, komm schon, Stimme der Weisheit, sag doch auch mal was Schlaues.
Nein, sage ich. Das jetzt nicht gerade.
Meine Stimme zittert ein bisschen dabei.

Wer jetzt noch träumt, ist verloren.
Wer Anteilnahme und Verständnis von Untertönen in Gegenwart einer grauen Tonne verlangt, ist sowieso verloren.
Wer Antworten im Schlaf sucht, wenn die Vernunft vorübergehend ausgeschaltet ist, wenn alles irgendwie ausgeschaltet ist, der ist wiederum so rettungslos verloren, dass er eine Antwort verdient.

Ob ich die Zukunft gedeutet haben möchte, will der Elefant von mir wissen.
Jetzt muss ich auch ein bisschen lachen.
Natürlich nicht.
Weißt du, so der Elefant, wir müssen uns langsam von der Vorstellung verabschieden, dass die Zukunft in nur einer Richtung zu finden ist. Und dass diese vor uns liegt. Weil es an der Zeit ist, neben sich zu schauen. Das Blickfeld zu erweitern. Um auf dem Boden, in den Nischen und Winkeln zu suchen. Verstehst du mich?
Der Elefant schnaubt wieder, diesmal aber verständnisvoll.
Wir rücken ein bisschen zusammen.
Wir atmen ein bisschen ein und aus.

Ich fahre mit meiner Fingerspitze seine Falten entlang, auf der Suche nach einer Antwort oder Richtung, Labyrinthe sind das, Sackgassen und verzweigte Wegesnetze in den Rillen seiner Haut. Er tastet vorsichtig meine Narben ab mit seinem Rüssel, auf der Suche nach Verständnis, nach Geschichten oder Mustern.

Das geht so eine ganze Weile, bis die Nachmittagssonne ein Erbarmen mit uns hat, wir uns aus dieser merkwürdigen Umarmung lösen und ein bisschen peinlich berührt abrücken, um die Bohnensetzlinge umzutopfen.In einen anderen, etwas größeren Saatbehälter versteht sich, mit dem Freiland warten wir noch ein bisschen, denn den Eisheiligen ist ebenso wenig zu trauen wie den Träumen bei Nacht.

Mehr von Annika Stadler

Halten, Hagen, heimisch

 

Letzte Eindrücke aus Südwestfalen

In Südwestfalen habe ich das Wort Bedarfshalt zum ersten Mal gehört. Schönes Wort. Fand mein Körper auch und schrie: „Halt! Geht mir alles zu schnell, jetzt wird Pause gemacht.“

Auf der Befarfshalttaste lag ich einige Wochen, war krank, blieb krank, erholte mich in meiner Auszeitwohnung mit staatlich anerkanntem Erholungsort in Gehweite. 

Das hier kommt von ganz oben. Antreten, Ausatmen, Entspannen! 

Wiblingwerde ©lka

Ich habe mich in Hagen verliebt. Hagen ist nicht ganz leicht zu lieben. Und trotzdem kam ich zurück, immer wieder. Wie zum Badboy, der dich enttäuschen wird und du weißt es auch, aber irgendwie ist es auch Liebe und so fährst du wieder hin, vielleicht ist diesmal ja alles anders. 

Ich habe über Karl Osthaus nachgedacht und bin ganz unakademisch über dieses tollen Satz auf Wikipedia gestolpert: „Nach einem Nervenzusammenbruch erlaubte ihm sein Vater aber bereits nach kurzer Zeit den Abbruch der Lehre.“

Ein wenig später folgt ein Abschnitt über Osthaus’ Kontakt zu nationalistischen Gruppen, aber ich war in Hagen auf der Suche nach Schönheit und überlas das schnell. 

Die Hagener, die ich auf Osthaus anspreche, haben vom „Hagener Impuls“, seiner Bewegung aus dem frühen 20. Jahrhundert, die „die Schönheit wieder zur herrschenden Macht im Leben“ der Bürger Hagens machen sollte, noch nie gehört.

Auch die Hagener CDU hat’s nicht ganz verstanden, wie sie in ihrem Programm 2017 „Der neue Hagener Impuls“ beweist. Zitat: 

„Hagen ist eine Stadt mit einer langen Tradition als pulsierender Wirtschaftsstandort. Der Puls ist in den letzten Jahren leider langsamer geworden. Die Auswirkungen dieser Entwicklung sind auf dem Arbeitsmarkt spürbar…“  Hier gibt’s Impulse anscheinend vor allem zum Fachkräftegewinn.

Beim Schlendern durch Hagen ist der erste Eindruck: Osthaus ist gescheitert. Hagen ist auf den ersten und auch den zweiten Blick keine Stadt, die von Schönheit beherrscht ist. Die Hagener wirken nicht, als würden sie Schönheit als treibende Kraft im Alltag wahrnehmen. 

Was würde Karl Osthaus denken, wenn er heute durch seine Geburtsstadt laufen würde? 

Die CDU hat recht: Wir brauchen einen neuen Impuls. Aber einen echten. Einen, bei dem es um Schönheit und Miteinander und Anpacken geht – einen ganz ohne seelenlose Wörter wie Wirtschaftsstandort oder Standortfaktor oder Fachkräftemangel. Einen Siegener Impuls. Einen Essener Impuls. Einen Altenaer Impuls. Einen Hagener Impuls.

Hagen ©lka

Ich treffe mich mit einer waschechten Lüdenscheiderin auf einen Kaffee. Innerhalb der ersten halben Stunde sprechen zwei Bekannte sie an. Man kennt sich. Das kann sehr schön sein. Die Leute wissen Bescheid, niemand wird hier von Katzen angefressen drei Wochen tot in seiner Wohnung liegen.

Das kann anscheinend auch schaurig sein. Die Leute wissen Bescheid, man kennt sich, jeder hat zu allem eine Meinung, jeder weiß, wer man vor zehn Jahren war. 

Hier kann man keine Ichs hinter sich lassen, die Jugendsünden verschweigen, denn überall sind Leute, die sich an deine Gothic-Phase erinnern, die beim Stechen des Arschgeweihs dabei waren, die die schlimmsten Geschichten über dich – wahr oder erfunden – von deinem Ex-Freund kennen. 

Schaurig-schön, das Kleinstadtleben. 

Man geht hier nicht verloren. Auch nicht, wenn man will. 

Lüdenscheid ©lka

Südwestfalen ist eine gute Region für Introvertierte, habe ich festgestellt. Als eingefleischter Eigenbrötler fühle ich mich wohl unter Menschen, die vor sich hinarbeiten, ihr Ding machen, wenig Bedürfnis haben, ihr Image zu pflegen, über Marketing nachzudenken oder sich zu präsentieren. Man muddelt vor sich hin in Südwestfalen – noch ein schönes neues Wort. 

 

 

königlich ©lka

Mehr von Lisa Kaufmann

Verkehrsberuhigung

Licht fällt gelenkig durch Verkantungen. Es riecht nach Baumarkt. Und nach Männern, die wissen, was zu tun ist.
Drei Trucker zwischen mir und Jesus. Hinter uns radelnde Rentner.
Die Filzdeckchen auf den Hockern grob. Ihre Farbe königlich.
Ich stehe in der ökumenischen Autobahnkirche von Siegen, einem Gotteshaus, das von außen aussieht wie die Luxusgarage eines James-Bond-Bösewichts.
Von innen ist die Kirche weniger einschüchternd. Das Holz sieht preiswert aus. Und aufrichtig. Unlackierte Spanplatten, pragmatisch ineinandergesteckt. Eine Kirche zum Selberzusammenbauen. Ikea verkauft jetzt auch Möbel für Haustiere. Sollten sie ihr Sortiment je um Möbel für Götter erweitern, könnte das aussehen wie hier: Helles Holz, die Teelichter aus dem 100er Pack. Alle Verschwendung von Raum passiert oben in der Kuppel – der Wohnraum Gottes hingegen ist optimal genutzt. Minimalistische Hocker, die zum praktischen Stapeln einladen. Der Altar, ein Schreibtisch aus der letzten Kollektion. Alles macht den Eindruck, als könne es innerhalb weniger Stunden wieder auseinandergebaut und abtransportiert werden. Falls Gott umzieht.
Unseren Göttern Häuser bauen zu wollen, ist ein zutiefst menschlicher Impuls. Andere Tiere machen so etwas nicht. Schon die alten Griechen entschieden, dass ihre Götter nicht irgendwo hausen sollten, sondern es schön haben. Mit Säulen und allem Drum und Dran.
Selbst die Israeliten schleppten ein riesiges Zelt durch die Wüste auf ihrer 40jährigen Reise, das Zelt der Begegnung. Dort trafen sie Gott, schufen bewusst Raum, um ihn zu treffen, nicht irgendwo, sondern an einem besonderen Ort. Sie trugen das Zelt bis nach Jerusalem, trugen es bis sie Gott einen Tempel bauen konnten, ein echtes Zuhause.
Ich stelle mir vor, dass das Zelt der Israeliten von innen so ähnlich aussah wie diese Autobahnkirche – minus Kreuz natürlich. Ein Ort, an dem Menschen Gott begegnen können, während sie unterwegs sind.
Gott wohnt natürlich überall: Im Billighotel auf dem Parkplatz neben der Kirche. In der muffeligen Spielhalle direkt nebenan. Im Lastwagen mit dem Leuchtschild, in dem das Wort „Harry“ blinkt. Auch bei BurgerKing schräg gegenüber. Was immer Gott ist, ist überall.
Ich schaue lange auf das Kreuz. Das Architektenbüro Schneider+Schumacher hat alle Register gezogen. Auch die Sonne gibt heute ihr Bestes, den gewünschten Effekt zu erzielen. Ein Engelsgesang-Aaaaaaaaaaahh rieselt Licht auf das Kreuz. Alles ist erleuchtet.
Ich stehe auf, und blättere durch die deutsche Version der ausliegenden Truckerbibeln, die nur aus dem Neuen Testament und ausgewählten Psalmen besteht. Ich lese im Lukasevangelium, aber werde nicht warm mit diesem netten orientalischen Tischler. Jesus und ich haben, um im südwestfälischen Bild zu bleiben, einfach keinen Draht zueinander.
Ich schließe die Augen und atme tief ein. Der Geruch des Holzes erdet mich. Vielleicht sollten auch Museen nach Holz riechen. Und Gerichtsbehörden. Orte, denen es gut tun würde, ihnen ein bisschen Hoheit zu nehmen und ihnen eine Erinnerung einzufügen, dass wir – Holz, Kunst, Gott, Demokratie – alle im selben Boot sitzen. Ich fühle mich demütig, ohne mich erniedrigt zu fühlen. Der Holzgeruch erinnert mich an die Schöpfung, und daran, dass mir egal ist, ob Gott die Menschen geschaffen hat oder die Menschen Gott. Ich möchte glauben, nicht wissen, dass ich Teil einer bewussten Entscheidung, eines mutigen Experiments, bin. Dass sich etwas Höheres, Liebendes entschieden hat, uns zu kreieren, trotz unserer uneleganten, allzu offensichtlichen Fehlbarkeit. Wenn manche Menschen dieses Höhere Jesus nennen wollen, warum nicht?
Das hier ist ein guter Ort, egal, was man glaubt. Ein Ort voll stiller Autorität. Einer, der handfest, aber erhaben ist.
Ein Ort, der anmutig ist, ohne einzuschüchtern.
Ein Ort für Trucker. Für Radfahrer. Für Regionsschreiber.
Ein Ort für alle.

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Kleiner Bonus: Hier die Siegerländische Version des Vaterunser (und für Interessierte, das Vaterunser auch in 703 anderen Sprachen/Dialekten – Klingonisch ist auch dabei –  dank der #reformaction2017):
https://www.reformaction2017.de/vaterunser/beitrag/Vq9NL

 

Außenansicht 1 ©lka

 

Außenansicht 2 ©lka

 

Holz ©lka

 

mein Mann, erleuchtet ©lka

 

 

 

aaaaaaaahhhh ©lka

 

„together you and me are purple, because we are so royal“ ©lka

 

Holzholz ©lka

 

Jumbopack ©lka

 

©lka

 

Truckerbibel 1 ©lka

 

Truckerbibel 2 ©lka

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HfD (Hundevideos für Deutschland)

 

Hundevideos als Dialoggrundlage? ©giphy.com

Kurz habe ich überlegt, ob diese Gedanken zu stadt.land.text gehören, oder ob ich lieber anderswo über Politik rede. Aber das hier ist relevant für Südwestfalen. Im Märkischen Kreis II, dem Wahlkreis in dem ich zur Zeit wohne, haben 11,6% der Bevölkerung die AfD gewählt. Das ist relevant. Und es ist persönlich.

Die AfD bei knapp 13% in Deutschland. In meinem Geburtsland Sachsen mit 27% die stärkste Partei. Ich dachte, dass solche Ergebnisse mich wütend machen würden, aber ich bin traurig. Die Facebook-Seite der AfD im Märkischen Kreis postet „Danke für Ihre Stimme“. 139 Menschen liken das. Ich schaue sie mir an, jeden einzelnen.
Es sind Menschen, die ihre Kinder lieben und ihre Hunde, die niedliche Tiervideos teilen, die Spanienurlaub machen und „Pray for Mexico“ posten nach dem jüngsten Erdbeben. In manchen Dingen sind es also Menschen wie ich.
Aber es sind auch Menschen, die früher alles besser fanden, die Angst vor arabischen Männern haben und eine Weltverschwörung von Linken/ Juden/ der Bildungselite/ Feministinnen…. wittern.
Ich lese viel von christlichen Werten und frage mich, ob diese Menschen die Bibel gelesen haben. Jesus, ein jüdischer Flüchtling, sagt: „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ Meiner Meinung nach muss man zurzeit nicht lange suchen, um die geringsten, die schutzbedürftigsten unter unseren Brüdern zu finden. Meine, nicht sehr kontroverse, Bibelinterpretation: Wer im Jahr 2017 Christ ist, wird daran gemessen, wie er Flüchtlinge behandelt.
Die AfD-Wähler wollen, so wie ich das verstehe, ein eindeutiges Signal ans politische Establishment senden. Sie senden aber auch ein eindeutiges Signal an diejenigen unter uns, die arabisch/ lesbisch/ links/ muslimisch/ weltoffen/ türkisch/ grün/ feministisch/ jüdisch/ trans … sind. Sind wir nicht auch „das Volk“?
Was ist die Aufgabe von Autoren, Künstlern, Kreativen, Kulturschaffenden?
Was können wir tun, was kann ich tun, um Brücken zu bauen und Vorurteile abzubauen?
Wie entkommen wir den Blasen, in denen wir leben? Wo fangen wir an?

 

                                                                          Bereit für Erquickung. ©lka

 

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WINNING

 

©lka

 

„Nein, nein. Sie müssen da ganz anders rangehen, Frau Meyer. Wir im Reinvention Center reden nicht von weakness. Von Versagen. Von Verfall. Nein!“ Ihr Personal Improvement Adviser, kurz PIA, haut auf den Tisch. „Wir reden von marketable skills, ja? Ihre Schwächen sind Ihre Stärken, Frau Meyer. Unsichtbar ist das neue vermittelbar.“ Er fixiert etwas knapp über ihrem Kopf. Frau Meyer dreht sich um und sieht einen hageren Mann mit schulterlangem blondem Haar, der mit gesenktem Blick einen Teleprompter in die Höhe hält.
„Invisible is the new black, ja?,“ verkündet der PIA weiter. „Wer will behaupten, dass Sie keinen Wert mehr für diese Gesellschaft haben? Wer? Das ist doch unverschämt, machen Sie sich doch nicht so klein, ja?“ Ihr Personal Improvement Adviser streicht sich über seine Glatze und haut ein weiteres Mal auf den Tisch.
„Die Geisteswissenschaften mögen abgeschafft sein, aber das muss ja nicht das Ende Ihrer Karriere bedeuten, Frau Meyer. Bücher und Kunst und so sind ja schön und gut, aber wissen Sie was auch wichtig ist? Hotpants!“
„Ja?“, fragt Frau Meyer und schaut auf ihre großen Oberschenkel, die durch eine Cordjeans in Form gebracht auf der Sitzfläche des Stuhls liegen.
„Ja, Frau Meyer. Hot is the new smart. Skin over looks!“
Skin over looks? Renate Meyer dreht sich skeptisch zum Teleprompter um. „SKIN OVER BOOKS!“, steht dort in großen, selbstbewussten Buchstaben.
„Wir reden hier nicht zwangsläufig von Ihnen in Hotpants, gewiss nicht, aber profitieren wir nicht alle von Schönheit in der Welt? Ist das kein ehrenwerter Beitrag, den Sie leisten können, Frau Meyer?“ Sie nickt unsicher.
„Sie können als Personal Optimization Worker arbeiten, als POW, Frau Meyer. Sie können die Welt im wahrsten Sinne des Wortes heißer machen!“ Frau Meyer hört auf zu nicken.
„Spitze! Ich finde es spitze! Monday beginnt Ihr POW-Trainingscamp in Winning, vormals Siegen – alle Infos kriegen Sie an der Rezeption“, ruft der PIA und klatscht dynamisch in die Hände, woraufhin die Tür hinter Frau Meyer aufschwingt. Sie steht benommen auf, nickt dem Mann hinter dem Teleprompter zu und tritt durch die Tür in ihre berufliche Zukunft.
Drei Wochen zuvor wurden die Geisteswissenschaften an der Universität Siegen abgeschafft. Nach den Kirchen und Museen, hätte die Schließung der Philosophischen Fakultät keine Überraschung mehr sein dürfen. Frau Meyer war trotzdem überrascht. Einige Tage traf sie sich noch morgens mit früheren Kollegen der Geschichtswissenschaft vorm Fakultätsgebäude. Zusammen starrten sie auf die Werbetafeln, die nun ihren ehemaligen Arbeitsplatz verkleideten und lasen die Leuchtbotschaften, die dort in Dauerschleife über die Bildschirme liefen: „WIR LEBEN IM JETZT!!!“, „NEUES LIEBLINGSFACH: ZUKUNFT“, „LIEBER GESCHICHTE SCHREIBEN ALS GESCHICHTE STUDIEREN“. Sie waren ratlos. Ihre Demonstrationen blieben unbesucht, ihre handgemalten Poster sahen mickrig aus im Vergleich zu der Neonleuchtschrift, die hinter ihnen thronte, und schnell fühlten sie sich wie ewig Gestrige, wenn Studenten sie verlegen und nicht ohne Mitleid im Vorbeigehen anlächelten. Die Studenten der Geisteswissenschaften hatten die Wahl auf eines der Fächer, die es noch gab – Maschinenbau, Medizin, Mechantronik… – umzusatteln, oder eine Umschulung zum Personal Optimization Worker zu machen. Den Lehrenden blieb keine Wahl: Sie wurden in ihren Kündigungsemails gebeten, beim örtlichen Reinvention Center vorstellig zu werden.
Die ersten Wochen übte Frau Meyer ihren neuen Job aus wie in Trance. Nachdenken war ohnehin nicht gefordert, und so latschte sie wie ein Zombie mit der Heizplatte in den Händen ihrer Klientin, Princess Unicorn, hinterher, damit diese ungeachtet der Außentemperatur winzige Hotpants und Miniröcke tragen konnte. Sie betrachtete sich und die anderen Personal Optimization Worker – die beiden Texter, das Windkind, den Make-Up Artist, die Frau mit dem Teleprompter, die Parfumbeauftragte und die Beleuchterin – wie sie früher desinteressiert nach einem langen Tag eine Sendung im Fernsehen geschaut hatte. Sie sah zu, wie die POWs um ihre Klientin, „Princess Unicorn“, eine ehemalige Sozialversicherungsfachangestellte, nun Influencerin, schwirrten, sah zu, wie sie ihr Leben ausleuchteten, einparfümierten und schrieben und war sich sicher, dass das alles a) nicht wahr sein konnte und b) im Falle, dass es doch wahr war, unmöglich etwas mit ihr, Renate Meyer, zu tun haben konnte. Diese ersten Wochen, in denen sie ihr Leben wie durch eine Milchglasscheibe betrachtete hinter der alles unwirklich war, wichen ungefilterter Panik. Tagelang rang sie um Luft, und konnte kaum laufen. Am Ende dieser mehrtägigen Panikattacke, gab einer der Texter ihrer Unit ihr wortlos eine Jumbopackung Prozac mit der Aufschrift „1x täglich 40mg“.
Seitdem ist nichts mehr kompliziert. Sie ist taub, aber die Welt hat wieder Ordnung. Nach drei Monaten als Personal Optimization Worker genießt Renate Meyer beinahe, wie ihre Welt auf Grundbedürfnisse zusammengeschrumpft ist. Verdichtet zu „satt“, „ausgeschlafen“, „schmerzfrei“, „wohltemperiert“. Um so tragischer, wenn eines der Bedürfnisse unerfüllt bleibt. Vorne schwitzt sie, hinten friert sie. Wie eine lebende Glasfabrik. Einfach Siliziumoxid, Natriumoxid und Calciumoxid schlucken und kleine hübsche Kugeln ausscheiden. Vielleicht könnte das ein Nebenverdienst werden – optimization und so.
An das Gewicht der Heizplatte hat sie sich mittlerweile gewöhnt, die Hitze bleibt unerträglich. Diese neue Arbeit ist nicht einfach, aber sie ist unkompliziert. Das einzige was sie aus der Fassung bringt, sind Störungen im Tagesablauf und hartnäckige Erinnerungen an früher, die wie ein immerwährender Mückenstich durch Jucken um Aufmerksamkeit winseln. Kratzen macht es schlimmer, das weiß sie selbst. Die einzige Strategie ist, die Erinnerungen zu ignorieren und der Versuchung zu widerstehen.
Sie bleibt hinter Princess Unicorn stehen, stellt die Heizplatte ab und senkt den Blick. Princess Unicorns goldglänzenden Beine stecken heute in hohen, pink-glitzernden Stiefeln, ihre kurzen Jeans-Hotpants bedecken nur knapp ihre Pobacken – alles sieht aus wie immer, aber irgendetwas stimmt nicht. Renate Meyer lässt ihren Blick über Princess Unicorns Pelzjacke gleiten, über die winzige rote Lackhandtasche, die verloren von ihrer Schulter baumelt. Etwas fehlt. Frau Meyer wird nervös, heißer Schweiß läuft ihren fröstelnden Rücken herab. Sie konzentriert sich auf Princess Unicorns schillernde Fingernägel, die das künstliche Licht reflektieren wie die Mistkäfer vergangener Zeiten – alle Insekten außer Schmetterlinge wurden auf Wunsch der Influencer ausgerottet. Der Personal Optimization Worker, der für die Beleuchtung (Sierra-Filter wird derzeit gewünscht) zuständig ist, hat heute ganze Arbeit geleistet. Auf Princess Unicorns Wangen schimmern verschiedene Rosatöne in wohldurchdachtem Farbverlauf, sie sieht aus wie in goldenes Licht getaucht. Sie betrachtet anerkennend den Make-Up-Artist ihrer Unit, einen unscheinbaren Mann Mitte 40, der ihr vage bekannt vorkommt – vielleicht auch ein ehemaliger Dozent? Vielleicht ein Mitglied des Französischclubs oder der Elterngruppe?
Auch nach drei Monaten kennt sie die Namen der übrigen POWs nicht – wie Bekannte, die sich im Wartezimmer des Psychotherapeuten begegnen, nicken sie sich morgens höflich und verstohlen zu und ignorieren sich ansonsten. Sie betrachtet das babyblaue Haar, wie es träge auf Princess Unicorns Schultern liegt und da fällt es ihr auf: Das Windkind fehlt. Mit weichen Knien und offenem Mund starrt sie auf den Ort, circa einen Meter vor ihrem Client, an dem das Windkind stehen und ausgerüstet mit einem lautlosen Föhn für kontinuierliches Wehen sorgen sollte. Ursprünglich wurden Kleinwüchsige für diesen Job genutzt, da diese die ideale Größe haben, rückwärts vor dem Klient zu laufen ohne diesem dabei die Sicht zu versperren. Aber diese Ressource war schnell erschöpft – „Uns gehen die Zwerge aus“, titelte die BILD-Zeitung. Fortan wurden Kinder als Windmaschinen genutzt. Das anfängliche Unwohlsein der Clients mit diesem Arrangement war schnell vergessen und nun wundert sich niemand mehr, über vorsichtig rückwärts laufende 7-Jährige.
Jetzt scheint auch Princess Unicorn das Fehlen zu bemerken und blickt auf ihr Haar, das leblos auf ihren Schultern liegt. „Where the Windkind?“, fragt sie in dem Pidgin-Englisch, das schnell zur der einzigen Sprache geworden ist, die die Clients ohne Hilfe eines Teleprompters sprechen können. Der Texter und der Teleprompter schauen sich betroffen an. Die beiden scheinen etwas zu wissen und Renate Meyer merkt, wie Schweiß ihre Hände nässt. Störungen im Ablauf kann sie heute nicht vertragen, und vor allem nicht hier auf dem Siegberg, wo ihre Kirche stand.
„The Windkind dead, sorry“, sagt der Texter und senkt das Haupt. „No wind?“ Fette Tränen rollen aus Princess Unicorns kugelrund operierten Augen; die schweren falschen Wimpern senken sich wie langsam herabstürzende Vögel. Das Windkind ist tot. Angstschweiß wärmt Renate Meyers Hintern, aber sie kann die neue Wärme nicht genießen.
Benommen geht sie weiter bergauf, stolpert, und lässt beinahe ihre Heizplatte fallen. Sie blickt herunter und entdeckt einen Stein, daneben noch einen – einige Meter weiter eine winzige Steinmauer. Das muss sie sein, ein Stück immerhin. Panisch sucht sie weitere Steine, versucht, sie in ihrem Kopf zu dem sechseckigen Grundriss der Nikolaikirche zusammenzusetzen.
Sie gibt auf. Erst das Windkind, jetzt die Nikolaikirche – ihre Selbstbeherrschung ist gebrochen. Das Jucken ist unerträglich. Renate Meyer wird kratzen bis es blutet.
Sie erlaubt sich fünf Sekunden. Dann muss sie die Erinnerungen mit Gewalt zurückdrängen, wie das Ersatzfederbett in die zu kleine Bettschublade.
5. Henner und Frieder, die beiden Statuen, die sie auf dem Weg zur Kirche begrüßten.
4. Die 9Bar, mit deren Eisbechern sie ihre Söhne bestochen hat, mit zum Gottesdienst zu kommen. Schöne Abende dort mit Kolleginnen aus der Universität und Freunden.
3. Der bemalte Stromkasten zu dem die Jungs immer Wettrennen gemacht haben, als sie noch klein waren.
2. Der linke Türflügel, verziert mit einem Löwen.
1. Auf der Spitze des Turms das Krönchen, ihr Krönchen.
Stop!

Es juckt nicht mehr. Das hier ist nicht aufgeben. Das hier ist Hingabe, denkt Renate Meyer und fühlt Tränen über ihre Wangen rollen.
„You sad? Poor POW, you want candy?“, fragt Princess Unicorn und zupft rosa Zuckerwatte aus der Tasche ihres Pelzjäckchens. Frau Meyer öffnet den Mund – die süße Watte klebt an ihrem Gaumen.
Sie blickt mit ihren verheulten, ungeschminkten Augen in Princess Unicorns schimmerndes Gesicht und fühlt Wärme und Glück durch ihren Körper strömen. „Me happy when you happy. And when not cold“, antwortet Renate Meyer und weiß, dass sie Recht hat.

©lka
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Heiliger Medardus

Wenn der Schüler bereit ist, erscheint der Meister. Manchmal halt in Einhornform auf Klopapier  ©lka

 

Seit einer Woche liege ich mit einer Grippe flach. Hier eine Auswahl an Dingen, die ich verpasst habe:

  • das Mittelalterfest auf der Burg Altena
  • die Führung im Kloster Grafschaft
  • der  Mondscheingottesdienst
  • trinken mit Regionsschreiberin des Ruhrgebiets
  • der Spaziergang „Auf den Spuren jüdischen Lebens“ in Bad Laapsphe.

Was ich außerdem nicht tun konnte: Mich in Südwestfalen in spirituellen Unterfangen ausprobieren. Ich kann nicht fasten, nicht mit Südwestfalen sprechen, keine Kirchen besuchen und schon gar nicht pilgern.

Es sei denn, es gibt eine spirituelle Disziplin, die daraus besteht, vor allem zu liegen, Hörbücher zu hören, und alle paar Stunden mit tränenden Augen eine True-Crime-Doku auf YouTube zu schauen?
Ab und an arbeite ich ein paar Minuten fiebrig an einer Kurzgeschichte und habe langsam den Verdacht, dass man ihr auch anmerkt, dass ich fiebere. Andererseits: Betrunken schreiben kann jeder. Vielleicht ist unter Fieber schreiben mein Ding – aus dem Weg Sartres Amphetaminaffinität, Pollocks Trinkfreude, Nan Goldins Hang zu Heroin. Ich stelle vor: Fever Writing. Ist wie Action Painting, nur viel passiver.

Vielleicht ist es Zeit, Frieden mit meiner Grippe zu schließen. Mit mir, meinem Körper und seiner Unvollkommenheit. Vielleicht bin ich genau so gedacht. Und vielleicht kann Spiritualität dabei helfen, das zu verinnerlichen.

Dunkel erinnere ich mich an ein Werbe-Video der Mormonen. (Die Heiligen der Letzten Tage sind eines meiner Hobbys und üben eine Dauerfaszination auf mich aus – auf meiner To-do-Liste steht weit oben, südwestfälische Mormonen zu kontaktieren.)
Ich suche auf YouTube das Video, über die Geschichte einer wunderschönen Ballerina-turned-Designerin, die mit Gottes Hilfe eine schwere Krankheit durchstanden hat und mich daran erinnert, dass mein Wert nicht an meiner Fähigkeit hängt, Dinge zu leisten. Auch wenn ich manchmal gar nichts leisten kann.

Ich liege still und atme ruhig. Ich höre dem Regen zu. Ich bitte den heiligen Medardus, den Schutzheiligen der Fieberkranken, mein Fieber zu senken. Ich höre in Dauerschleife Leon Bridges’ River und denke über Erneuerung nach und über Gnade.
Ich schlafe weiter.

Nachtrag:

Medardus ist auch Schutzpatron der Stadt Lüdenscheid. Mehrere gewitzte Lüdenscheider haben mir schon verraten, dass die Lüdenscheider ihre Stadt gerne scherzhaft „Regenscheid“ nennen und ich, eine Stadt weiter, in Altena, kann diese Einschätzung nur unterschreiben. Es ist nass im märkischen Kreis. Ich habe mal paar Monate in England verbracht und kann mich nicht erinnern, dort soviel Regen erlebt zu haben.
Da passt es gut, dass der heilige Medardus auch Schutzpatron der Schirmemacher ist und nicht nur bei Fieber, sondern auch bei Regen um Hilfe angerufen wird.
Dass Medardus für Regen verantwortlich ist, ist anscheinend so offensichtlich, dass es in verschiedenen Ländern eine Art Siebenschläferregel zu seinem Gedenktag, dem 8 Juni,  gibt: „Wenn es an Medardus regnet, wird es 40 Tage nass“, wissen die Tschechen. Und die Lüdenscheider sowieso.

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