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Die Powerfrau

Folge 5: Frau Fuchs löst das schon

Das Foto zeigt eine lächelnde Frau, die vor einer Wand mit einem Spruch steht "Der höchste Genuss besteht in der Zufriedenheit mit sich selbst"
Grundschule, weiterführende Schule, Ausbildung oder Studium! Ja, und dann? Arbeiten! Aber was, wenn das nicht klappt? Was passiert mit denjenigen, die „auf der Strecke“ bleiben? Tja, dann kommt man am besten zu Iris Fuchs. Sie sie ist Jobcoach bei der Initiative „Sprungbrett“ in Würselen und hat schon hunderte Jugendliche in die Arbeitswelt vermittelt.

Theoretisch können Jugendliche bei Fuchs einfach anrufen. Die Meisten werden ihr jedoch vom Jobcenter zugewiesen. „Maßnahmenmenschen“ werden die Leute dort genannt. Fuchs kennt den Jargon; sie selbst war dort über Jahre angestellt. Doch die Arbeit beim Amt habe sich im Laufe der Zeit stark verändert: „Es blieb irgendwann einfach keine Zeit mehr für eine ausführliche Beratung.“ In zehn Minuten könne man einen Menschen gar nicht mehr wertschätzen. Für Fuchs war das zumindest so.

Anschließend wechselte sie bunt durch die Branche, arbeitete beim TÜV Rheinland und beim Unternehmerverband in Köln. Fuchs erinnert sich gerne an diese „intensive Zeit“ und auch ein bisschen an ihre Visitenkarte. Doch der Preis dafür sei sehr hoch gewesen: Ist dir der Job wichtiger als wir? wollten ihre zwei Kinder irgendwann wissen. „Für mich war klar: ich musste mich entscheiden. Und das habe ich auch getan.“ Sie kündigte, machte sich selbstständig als Unternehmensberaterin und studierte an der Fernuni in Hamburg psychologische Beratung. 2007 fing sie schließlich bei „Sprungbrett“ in Würselen an.

Auch hier habe sich viel verändert. „Viele Menschen sind bedauerlicherweise leidenschaftslos.“ Fuchs zuckt mit den Schultern. Woran das liege, kann sie nur mutmaßen. Mal an Eltern, die sich nicht kümmern. An Eltern, die sich zu viel kümmern und ihr Kind so in Watte packen, dass diese „nicht mehr allein aus dem Quark kommen“. Inzwischen werden weniger als ein Drittel aller ausgeschriebenen Stellen noch an das Arbeitsamt weitergegeben. „Zu viele Enttäuschungen“, sagt Fuchs. Früher habe sie rund 70 Prozent aller Jugendlichen in die Berufswelt vermitteln können. Ein Erfolg. Heute sind die Zahlen nicht mehr wirklich messbar. Das liege aber auch an der Initiative. Diese habe sich in den letzten Jahren sehr verändert; sei weniger fokussiert auf erfolgreiche Arbeit der Berater. Fuchs findet das schade: „Ich musste dieses Jahr einige meiner Betreuungsgebiete abgeben, das ärgert mich!“

Lieber ein bisschen zu viel machen, als Zeit verplempern – ihr Lebensmotto. Die 52-Jährige ist eine Powerfrau. In Sachen Arbeitsmarkt kennt sie sich aus. Weiß immer, wen sie noch anrufen könnte, wenn es mit der Vermittlung mal nicht direkt klappt. Und obwohl sich viel verändert – Fuchs gibt nicht auf. Auch nicht bei schwierigen Fällen. „Ich hatte mal einen fast erblindeten Jungen hier sitzen. Er stand völlig ohne beruflichen Anschluss da.“ Mit ihrer Unterstützung hat der junge Mann jedoch einen Job in einer Pinselfabrik in Düren bekommen. Dort arbeitet er heute noch. „Dafür lohnt es sich!“, sagt Fuchs. Dass seien die Geschichten, die bleiben. Fuchs ist gut im Helfen. Sie hält jeden Tag ein Pladoyer für die Leidenschaft zu arbeiten. Und sie löst das schon: „Die Jugendlichen müssen nur wollen.“

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