Wie eine Weinprobe – nur mit Leberwurst

Die hat aber eine rauchige Note … Sahnig, doch scharf im Abgang … Erst süß, aber dann – bähm – knallt die Leber rein, der Lebergeschmack ist extrem … Sehr süß am Anfang, doch dann kommt nicht viel nach und bitter im Abgang ist sie … Die Farbe ist gut, aber mich stören die Löcher

Europa oder doch eher Provinz?

Der dänische Philosoph Søren Kierkegaard schreibt: „Verstehen kann man das Leben nur rückwärts. Leben muss man es vorwärts.“ In genau diesem Dilemma befinde ich mich besonders, seitdem ich mich auf den Weg nach Aachen gemacht habe. Mein Vorhaben und Konzept war es, mit dem „unverstellten Blick“ hier anzukommen und mich beobachtend fortzubewegen. Dieser Ansatz war

Arbeitsjournal: Freitag, 20. November

Den „Tag des Vorlesens“ verbrachte ich in Jülich im Gymnasium Zitadelle, um über stadt.land.text, den Beruf des Journalisten und das Bloggen zu sprechen. Ein schöner Ort für eine Schule. Um die verschiedenen Schulgebäude zu erreichen, muss man zunächst über eine Brücke, man überquert den Wassergraben der Zitadelle. Im Schulhof werden archäologische Ausgrabungen durchgeführt.  Inmitten der

„Wir bezeichnen uns eher als Eifeler“

Die Eifel war für mich bisher immer einfach so ein Wort. Ein Wort, unter dem ich mir nicht viel vorstellen konnte. Die Eifel sei schön. Beeindruckende Natur. Malerisch aber rau. Berge und Täler. Seen und dichte Wälder, sagte man mir. Wenn ich als Süddeutscher das Wort Berge höre, bin ich grundsätzlich skeptisch. Was einem da

Erzähloase und Hofladen

Eine Radfahrergruppe aus Düren sitzt glücklich erzählend neben dem Kamin, inmitten von weißer Weihnachtsdekoration. Es weihnachtet schon sehr im „Beecker Bauern- und Erzählkaffee“ in Geilenkirchen. Der Dialekt der Radfahrer fällt mir auf. Er erinnert mich an das Öcher Platt, muss aber dem Radlerdress zur Folge die Dürener Variante sein. Hier wird nicht nur die Tradition

Arbeitsjournal: Mittwoch, 11. November

Um es vorwegzunehmen, ich bin kein Karnevalist. Eher das Gegenteil. Jemand, der einen weiten Bogen um den Karneval macht. Vor wenigen Monaten bin ich hier angekommen und man sagte mir oft, wer am 11.11. in der Stadt ist, der sollte sich den Startschuss in die fünfte Jahreszeit einmal anschauen. Also stehe ich hier am Kugelbrunnen,

Öcher Platt – Manchmal ist dabei sein alles

Wenn man vorhat, sich ein wenig mit der Sprache in der Region auseinanderzusetzen, was wäre da passender als eine Stadtführung auf Öcher Platt. Alle paar Monate wird diese vom Aachener Tourismus Service angeboten. Als ich am Sammelpunkt am Elisenbrunnen ankomme, steht dort schon eine größere Gruppe ins Gespräch vertieft. Ich bin mir ziemlich sicher, dass

Die Königin der Feldfrüchte

Als ich hier in der Region Aachen zum ersten Mal das Wort Rübenkampagne hörte, konnte ich damit überhaupt nichts anfangen. Ich merkte aber sofort, dass es sich dabei um etwas Großes handeln muss. So erzählte man mir, dass die Rübenkampagne – also die Ernte und Ablieferung der Zuckerrüben in den Zuckerfabriken – früher ein monatelanges

Austausch zwischen Ost und West

Wenn Tatjana Jurakowa und Waldemar Faber von ihren Puppen erzählen, glänzen ihre Augen. Bereits gut 50 solcher Puppen, Tischfiguren, Humanetten und Marionetten sowohl für Kinder- als auch Erwachsenenproduktionen haben sie bereits entwickelt und sie in der eigenen Puppenwerkstatt aus Pappmaché, Holz sowie viel Stoff und Faden zum Leben erweckt. „Sie sind wie unsere Babys“, sagt

Morgens im modernen Schlaraffenland

Der Höhepunkt der Woche in Aachen war die Einweihung des Aquis Plaza. Selbstverständlich wollte ich mir die Sogwirkung der Eröffnungszeremonie aus nächster Nähe ansehen. Eröffnungszeremonie? Naja, dem wirklichen Paukenschlag hat Saturn einen Strich durch die Rechnung gemacht. Es ist eben keine wahre 8-Uhr-Eröffnung, wenn die Menschen schon seit 6 Uhr durch den Hintereingang am Kaiserplatz

Der havarierte Hörer sucht sich seine Insel

Stockhausen. Wer ist Stockhausen? Während eines Gesprächs fliegt mir ständig der Name Stockhausen um die Ohren. Ich entscheide mich, erst mal auf Münchhausen zu machen: „Mhm, ja, Stockhausen. Genau. Ja. Denke ich auch“, entfährt es mir. Es geht um ein Konzert. Nein, eine ganze Konzertreihe. Um den genialsten Komponisten: „Ohne ihn kein Kraftwerk, ohne ihn

Feuerwerk oder Dauerbrenner? Teil 2

Mein liebster Fund im Brückenkopfpark in Jülich ist eine Telefonzelle vom Typ „Clubtelefon 5“, die die letzten knapp zwanzig Jahre an dieser Stelle überlebt hat und die im Jahr 1998 noch von enormer Wichtigkeit gewesen sein muss. Denn auf dem Rundweg durch den Park wird die kleine, traurig verlassene, vor sich hin vermoosende Zelle immer

Feuerwerk oder Dauerbrenner? Teil 1

Was an Feuerwerken verzaubert, ist deren Vergänglichkeit. Kaum ist der Glitzerregen am Himmel, verpufft er auch schon im schwarzen Nichts. Es ist kein Wunder, dass Feuerwerke früher am Hof der Repräsentation dienten. Konnte man doch herrlich für Gesprächsstoff von etwas sorgen, das nur kurzzeitig und limitiert zugänglich war. Im Falle der Bundes- und Landesgartenschauen handelt

Ein riesiges, modernes Refugium

Durch die erstmals in diesem Jahr verschneite Eifel fahre ich in Richtung Kall-Steinfeld. Die eben erst sich bunt färbenden Blätter schimmern durch die weiße Last hindurch. Verschneite Laubbäume sieht man nicht oft. Ich weiß gar nicht, ob ich sie jemals so gesehen habe. Der Winter eilt seiner Zeit voraus. Mit gedrosseltem Tempo geht’s gen Kloster.

Hier wird noch von Hand gefertigt

Je emotionaler der Anlass, desto mehr Wert legt man bei der Übermittlung einer Botschaft auf die Form. Trauerkarten und Trauerpapiere sollen ein edles Papier mit einer angenehmen Haptik haben. Nicht nur ein Todesfall, auch eine Hochzeit, eine Geburt oder ein Jubiläum können solche Anlässe sein. Die MAY+SPIES GMBH in Düren fertigt eine Vielfalt solcher Feinpapiere

Wie ein Supermarkt voller Kunstwerke

Man muss sich nur drei Zahlen merken, um das Konzept der Artconnection Aachen zu verstehen: 40 von einer Jury ausgesuchte Künstler bieten insgesamt 360 Werke für jeweils 210 Euro an. Jeder Künstler hat einen Quadratmeter Raum, auf dem er seine Arbeiten ausstellen kann. Ein Drittel des Verkaufspreises geht als Spende an das Zentrum für Kinder-,

Spezialpapiere begleiten uns im Alltag

Sind Sie heute Morgen mit dem Bus gefahren? Haben Sie ein Ticket gekauft? Oder haben Sie eben noch das Auto geparkt und schnell den Parkschein hinter die Windschutzscheibe gelegt? Dann haben Sie möglicherweise gerade eben ein Stück Thermopapier aus dem Dürener Papierunternehmen Kanzan in der Hand gehalten. Es entweder auf das Armaturenbrett gelegt oder bei

Die Hauptstadt des Papiers

Einer meiner ersten Ausflüge im Rahmen von stadt.land.text führte mich nach Düren – ich wusste nicht viel über die Stadt und wollte einfach mal eintauchen. Nach einer Weile des Flanierens durch die Straßen begann ich, Menschen zu befragen, was besonders an Düren sei. Am häufigsten hörte ich, dass es im Krieg zu 99 Prozent zerstört

Ein unermüdlicher Kunstliebhaber

Mit befreundeten Künstlern aus der Eifel gründete Rüdiger Axel Westphal im Jahr 1982 den Verein „Förderkreis zeitgenössischer Kunst Kreis Euskirchen (FzKKE)“. Als der pensionierte Euskirchener Kunsterzieher mir das erzählt, denke ich kurz: Meine Güte, der Verein ist so alt wie ich. Sowas muss man erstmal hinbekommen: 33 Jahre Durchhaltevermögen. Viele seiner Mitgründer sind auch schon nicht

Besonderheiten der Region Aachen – Teil zwei

Industrie: Je länger ich in der Region Aachen unterwegs bin, desto mehr verblüfft mich die Vielfalt der historischen Industriezweige und Handwerke: Tuchmacher, Korbmacher, Papiermacher, Gerber, Müller und dann der Bergbau verschiedener Bodenschätze wie Blei, Erz, Braun- und Steinkohl. Die Nadel-, Kalk-, Zucker-, Süßwaren- und Glasindustrie, die ehemalige Schirmfabrik und Drahtfabrik, Puddel- und Walzwerke, Blei- und